Samstag, 18. November 2017

Landsberg

20. Oktober 2010 18:50 Uhr

Ein ganz normales Leben

Landsberg Sie stammen ursprünglich aus Nord-Indien, sehen sich als Glaubensflüchtlinge und - nach 600 Jahren - mittlerweile zu 100 Prozent als Deutsche. Sie wurden im Dritten Reich verfolgt und ermordet und kämpfen noch heute um die Gleichbehandlung vor dem Gesetz. Mit diesen Informationen half Erich Schneeberger die Sinti- und Roma-Tage eröffnen, organisiert und veranstaltet von der evangelischen Pfarrgemeinde in Landsberg.

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Erich Schneeberger ist Landesvorsitzender des Sinti- und Romaverbandes in Bayern und öffnete ganz deutlich den Blick dafür, dass im Umgang und zum Verständnis der Bevölkerungsgruppe Sinti (zwischen 60- und 70 000) genaueres Hinsehen und damit eine stärkere Differenzierung notwendig sei. Zu häufig werde alles über einen Kamm geschert, die Begriffe Sinti, Roma, Zigeuner und Jenische in einen Topf geworfen: "Wir haben nicht einmal eine gemeinsame Sprache". Nicht zuletzt dadurch verblüffte Schneeberger, denn landläufig gilt "Romanes" als die Sprache der Sinti und Roma. "Mit Roma kann ich mich nicht oder nur ganz schwer unterhalten", gab er zu Protokoll. Sinti stehe für eine eigene kulturelle Identität von in Deutschland beziehungsweise im deutschsprachigen Raum lebenden Menschen.

Ursprünglich waren die Sinti in Nord-Indien ansässig. Als diese Gebiete einst von Islamisten besetzt wurden, flohen sie aus ihrer damaligen Heimat. Daher sieht Erich Schneeberger seine Vorfahren als "Glaubensflüchtlinge". Auch die Roma kämen von dort, seien aber weit über viele Länder der Welt verstreut worden, leben hauptsächlich im osteuropäischen Raum. Vielleicht ein Grund, warum sich Sinti selbst strikt von Roma abgrenzen.

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Die politische Arbeit steht im Vordergrund

Viel wichtiger ist ihnen aber, sich längst als integriert in ihren Lebensraum, nicht aber vollständig in die jeweilige Gesellschaft zu sehen. Daher steht für Schneeberger die politische Arbeit im Vordergrund. Alles andere seien Geschichten, die der Vergangenheit angehören, wie zum Beispiel die des fahrenden Volkes, der Scherenschleifer oder auch der Zigeunerin als Wahrsagerin. Die Bezeichnung Zigeuner liebt er überhaupt nicht. "Die waren schon vor uns da", berichtigt der Landesvorsitzende. Zigeuner seien entwurzelte Menschen, wie etwa ehemalige Soldaten gewesen, die durch die Lande zogen, mittellos und hungrig: "Das waren die Menschen der Straßen". Das habe aber mit Sinti nichts zu tun, den heutigen schon gar nicht. Diese seien längst sesshaft, leben ein "ganz normales Leben" mit Berufen, die Kinder seien in Vereinen integriert, gingen in deutsche Schulen. Wenn Sinti sich heute in größeren Gruppen träfen, dann zumeist, um Urlaub zu machen, sich mit ihren Verwandten zu treffen. Wie zum Beispiel vor zwei Jahren auf der Waitzinger Wiese im Rahmen einer Missionswoche. Pfarrer Detlev Möller hatte sich damals mit einigen Sinti unterhalten: "Nur etwa zehn Prozent kamen aus Glaubensfragen". Der Rest nutzte offenbar die Gelegenheit zum Familientreff.

Erich Schneeberger berichtete auch über die Arbeit am und mit dem Dokumentationszentrum in Heidelberg, wo zum Beispiel über die Sprache "Romanes" geforscht werde. Wichtig sei ihm die Einhaltung des AGG, des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, und die aktive Umsetzung des Rahmenabkommens zum Schutz nationaler Minderheiten. Noch sind die Sinti, die im Dritten Reich ebenso wie die Juden verfolgt und ermordet wurden, kaum entschädigt worden. Daher sieht sich der Landesverband auch als Opferverband der Sinti und Roma, der sich der Gedenkarbeit verschrieben hat. Die Ziele sind gegen Benachteiligung, Diskriminierung und Rechtsextremismus gerichtet. Sie sieht er erreicht, wenn "meine Menschen" gleichberechtigt seien, nicht nur "de jure, sondern auch de facto", und seine Nachkommen einmal nicht mehr verheimlichen müssten, dass sie Sinti oder Roma seien.

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Ein Artikel von
Dieter Schöndorfer

Landsberger Tagblatt
Ressort: Lokalnachrichten Landsberg


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