Ohne Zögern gibt Elisa Shaukeen den Zwanzig-Euro-Schein aus der Hand. Was sie dafür bekommt, sieht ein bisschen aus wie Spielgeld. Regenbogenfarbene Scheine, etwas kleiner als die gewohnten Banknoten. Schöne Blumen, frisches Gemüse oder heimischen Käse kann sie damit trotzdem kaufen.

"Es ist schon ein bisschen ungewohnt", sagt Elisa Shaukeen, "aber es fühlt sich gut an." Die Frau aus Utting gehört zu den ersten, die am Samstag mit einer neuen Währung bezahlt haben. Das frisch gedruckte Geld trägt den etwas sperrigen Namen Ammerlechtaler. Aber der Name verrät bereits, wo die Scheine künftig gültig sein sollen: Rund um den Ammersee und bis zum Lech.
Im Gegensatz zum Euro soll das Geld nicht aus der Region wegfließen, sondern im heimischen Wirtschaftskreislauf bleiben. Hinter der neuen Währung steckt ein Verein, der vor rund zwei Jahren aus der Taufe gehoben wurde. "Es ist eine idealistische Sache", sagt Peter Schmidt. "Uns geht es darum, die Region zu stärken." Er sitzt im Vorstand des Vereins. Mit seinen Mitstreitern steht er am Samstag auf dem Uttinger Markt und erklärt den Passanten, wie das Regionalgeld funktioniert.
"Euros werden eins zu eins umgetauscht", erklärt Schmidt. "Das Geld kommt auf ein Treuhandkonto." Jeder, der sich mit Ammerlechtalern eindeckt, tritt gleichzeitig in den Verein ein - damit sind die Schöpfer des Geldes rechtlich auf der sicheren Seite. Das Gesetz verbietet es, eine Währung einzuführen. Erlaubt ist aber ein Gutschein-System unter Clubmitgliedern.
Der Ammerlechtaler startet bescheiden: Scheine im Nennwert von rund 26 000 Talern wurden bisher gedruckt, rund 20 Firmen am Westufer des Ammersees akzeptieren das Zahlungsmittel. "Wir wollen langsam wachsen", sagt Peter Schmidt. "Ende 2007 ziehen wir eine erste Bilanz." Die Initiative orientiert sich an mehreren Vorbildern: In Bayern gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Regio-Währungen. Die erfolgreichste ist der "Chiemgauer", der im Jahr 2003 als Schülerprojekt einer Waldorfschule startete. Inzwischen wird das Geld von mehr als 560 Firmen in den Kreisen Rosenheim und Traunstein angenommen. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei fast 1,5 Millionen.
Anneliese Weber aus Dettenschwang verkauft auf dem Markt in Utting seit Jahren die Produkte ihres Ziegenhofes. Sie ist überzeugt davon, dass sich der Ammerlechtaler etablieren wird. "Wenn die Leute in den Geschäften immer wieder fragen, ob sie damit zahlen können, setzt er sich durch." Auch Rudolf Lübkert gefällt der Gedanke, mit regionalem Geld die Region zu stärken. "Ich bin aus Landsberg hierher gefahren, weil mich das Projekt interessiert", sagt er und blickt auf die bunten Scheine in seiner Hand. Vielleicht kann er damit bald auch in Landsberger Geschäften bezahlen. Erste Interessenten gibt es bereits.
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