Montag, 21. August 2017

Landsberg

23. Februar 2015 08:39 Uhr

Eine Erdhütte für den Bunker

Schüler bauen begehbares Modell für Militärgeschichtliche Sammlung. Erste Zusagen für Gedenkfeier Ende April

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In Erdhütten wie diesen waren in den KZ-Außenlagern der Nationalsozialisten vor allem männliche Häftlinge untergebracht.
Archiv-Foto: USHMM

Ein besonderes Projekt im Jahr der 70. Wiederkehr des Kriegsendes 1945 soll künftig Platz in der Militärgeschichtlichen Sammlung „Erinnerungsort Weingut II“ in der Untertageanlage der Welfenkaserne finden. So sind derzeit zwei Zimmerer-Klassen der staatlichen Berufsschule Weilheim damit beschäftigt, eine der Erdhütten im Querschnitt nachzubauen, in denen früher Zwangsarbeiter der KZ-Außenlager Kaufering-Landsberg untergebracht waren.

Zwischen Juni 1944 und April 1945 mussten über 21000 Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen an diesem Bunker, der den Decknamen Weingut II erhielt, arbeiten. Fast 6500 von ihnen kamen dabei um. Die Erinnerungsarbeit für die Bundeswehr mit der Militärgeschichtlichen Sammlung leisten heute vor allem zwei Soldaten der Welfenkaserne, Oberstleutnant Gerhard Roletscheck und Oberstabsfeldwebel Helmut Müller. Im Systemzentrum Avionik wurde eigens dazu ein Dienstposten für die Gedenkarbeit geschaffen.

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Beide sind bereits seit Monaten neben dem Ausbau und der Pflege der Sammlung sowie mit Führungen durch die Anlage intensiv mit den Vorbereitungen für die Gedenktage vom 29. April bis zum 3. Mai in Landsberg beschäftigt. Im Rahmen einer solchen Führung kam es auch zum Kontakt mit der Berufsschule Weilheim. Der Gedanke, eine Erdhütte zu bauen, wie sie vor allem für männliche Häftlinge in den früheren KZ-Außenlagern vorgesehen waren – Frauen lebten oft in Tonröhrenbauten wie im Lager VII an der Erpftinger Straße – führte zur Partnerschaft zwischen den Soldaten und der Berufsschule. Seit einigen Wochen sind nun zwei Berufsschulklassen dabei, Pläne dafür zu zeichnen, wie ein solches 1:1-Modell einer Erdhütte für die Sammlung umgesetzt werden könnte. Oberstabsfeldwebel Helmut Müller: „Wir wollen natürlich kein Disneyland der Geschichte.“ Daher habe man sich mit den Zimmerern bewusst darauf verständigt, ein Querschnittsmodell herzustellen, das allerdings von Besuchern auch betreten werden kann. Roletscheck und Müller halten es für wichtig, zeigen zu können, unter welchen Bedingungen die Häftlinge damals leben und auch sterben mussten. Der Oberstabsfeldwebel schätzt, dass die Erdhütte etwa zwei Wochen vor den Feierlichkeiten fertiggestellt und ihren Platz in der Sammlung im Bunker gefunden haben wird.

Bei der Gedenkfeier am Donnerstag, 30. April, werden im Bunker dann auch erstmals vier Stelen zu sehen sein, auf denen die nachzuweisenden 6500 Toten der KZ-Außenlager Dachaus in Landsberg und Umgebung namentlich festgehalten sind. Bereits feststehende Ehrengäste und Gedenkredner der Feierlichkeiten werden der Bundesminister und Wahlkreisabgeordnete Alexander Dobrindt (CSU) sein und Dr. Charlotte Knobloch, ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland und heutige Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Für die musikalische Gestaltung der Feierlichkeiten wurde das Schülerblasorchester St. Ottilien gewonnen. Helmut Müller begründet, weshalb die Wahl ganz gezielt auf junge Musiker fiel: „Vor allem den Überlebenden war und ist es immer wichtig, dass junge Menschen in die Gedenkarbeit eingebunden werden.“

Und die werden im April erneut den Weg an jene Orte auf sich nehmen, wo sie vor über 70 Jahren gefangen gehalten, gequält und zu Schwerstarbeiten unter menschenverachtenden Bedingungen gezwungen wurden. Allerdings wird die Gruppe derer, die aus eigenem Erleben der Nachwelt von den Gräueln der Nationalsozialisten berichten können, immer kleiner, die Aufgaben für die hochbetagten Überlebenden immer schwerer. „Das ist auch der Grund, weshalb wir nicht den eigentlichen Jahrestag der Befreiung am 27. April anstreben konnten“, erklärt Helmut Müller. Die Gäste wollen nämlich ebenfalls bei der zentralen Veranstaltung im ehemaligen Konzentrationslager Dachau am 3. Mai teilnehmen, die Belastung wäre dann zu groß. So haben sie dann aber noch den Freitag und den Samstag, um mit ihren Angehörigen die ehemaligen KZ-Außenlager zu besuchen, wie auch die Kinderoper „Brundibar“ mitzuerleben, die 1942 im Konzentrationslager Theresienstadt ihre Uraufführung erfuhr.

Am Sonntag, 3. Mai, werden auch Helmut Müller und Gerhard Roletscheck, dann als Gäste, miterleben, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel die KZ-Gedenkstätte Dachau anlässlich der zentralen Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers besucht.

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Ein Artikel von
Dieter Schöndorfer

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Ressort: Lokalnachrichten Landsberg


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