Sonntag, 19. November 2017

Landsberg

05. Mai 2016 21:05 Uhr

Dießen

Europäisches Festival der Keramiker

Bei strahlendem Sonnenschein öffnete gestern der Töpfermarkt in den Dießener Seeanlagen. Die weiteste Anreise an den Ammersee hat ein Künstler aus der chinesischen Stadt Jingdezhen auf sich genommen Von Maren Martell

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Bei herrlichem Wetter eröffnete der Töpfermarkt in den Dießener Seeanlagen an Christi Himmelfahrt.
Foto: Thorsten Jordan

Dießen ist für mich eine ganz besondere Entdeckung!“ Der chinesische Keramikkünstler Jackson Li zeigt sich tief beeindruckt von der Marktgemeinde und dem Töpfermarkt direkt am Ammersee. Er selbst ist in diesem Jahr eine der Attraktionen, die das europäische Festival des Töpferhandwerks bietet. Besondere Aufmerksamkeit erzielen seine zahlreichen Pinsel, die er alle von Hand herstellt. Sie verleihen seinen hochfeinen Porzellanarbeiten einen ganz besonderen Ausdruck. Darunter sind Pinsel aus Pferde, Kamel- oder Ziegenhaar, aus Hahnenfedern oder Schweineborsten, mit Griffen aus Bambus, Baumästen oder Ochsenhorn.

Li hat den wohl weitesten Weg auf sich genommen, um an den Ammersee zu reisen. Er stammt aus der chinesischen Stadt Jingdezhen. Sie gilt als die Wiege des Porzellans. „Und als ich am Münchner Flughafen mit all meinen Sachen ankam, fühlte ich mich erst einmal etwas verloren“, schildert der Keramiker seinen Standbesuchern. Eigentlich heißt er auf chinesisch Li Jian Shen. Nach Dießen möchte er noch mehr Kollegen aus seiner fernen Heimat locken. Dafür sitzt er quasi an der Quelle. Mit seiner Schwester Wenying betreibt er in China seit den 1990er Jahren das Internationale Keramik-Zentrum Sanbao.

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Das Wetter war in diesem Jahr den Dießenern besonders gnädig. Viele Besucher waren am Donnerstag bereits in den frühen Morgenstunden angereist. Sie konnte auch der steife Ostwind nicht von einem ersten Bummel durch die bunten Marktstände abhalten. Bei strahlendem Sonnenschein und tiefblauem Himmel eröffnete dann Benjamin Rohde, der Stifter des Dießener Keramikpreises, den Töpfermarkt. In schon alter Tradition waren die Ehrengäste zuvor auf einer morgendlichen Dampferfahrt mit der „Grande Dame vom Ammersee“, der MS Dießen, unterwegs gewesen. Mit von der Partie auch der frühere Staatsminister Dr. Thomas Goppel, der stellvertretende Geschäftsführer des Tourismusverbands Starnberger Fünf-Seen-Land, Werner Schmid, der Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt, Michael Grießer, Josef Mederer, Bezirkstagspräsident von Oberbayern sowie Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch.

Am Dampfersteg wurden die Gäste von den jüngsten Mitgliedern des Dießener Trachtenvereins begrüßt. In traditionellen Dirndln und mit kunstvollen Krönerln im Haar sangen und tanzten die jungen Mädchen zur Eröffnung. Rohde hieß die Besucher dann offiziell zum „europäischen Ereignis“ willkommen. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Herstellers von Brennöfen hob die Bedeutung des Töpfermarktes für die gesamte Branche hervor. Er sei beeindruckt, dass sich so viele Teilnehmer auf den teils mehrere hundert Kilometer langen Weg nach Dießen machten. Für die meisten stehe nicht der Verkauf ihrer Waren im Vordergrund. „Sie kommen auch zum Austausch mit Kollegen und um die neuesten Trends zu erfahren“, betonte Rohde und verwies auf den mit 3000 Euro dotierten Keramikpreis, der am Abend im Traidtkasten in Dießen verliehen werden sollte. Bürgermeister Herbert Kirsch lud dazu ein, den Töpfermarkt nicht nur einmal zu besuchen. „Sie können hier jeden Tag etwas Neues entdecken“, rief er den Keramikfans zu.

Unter den 150 Werkstätten sind in diesem Jahr 15 neue Aussteller dabei. „Wir haben jedes Jahr deutlich mehr Bewerber als Standplätze hier am See. So mussten wir auch diesmal mehr als 200 Werkstätten eine Absage erteilen“, erläuterte Marktleiter Wolfgang Lösche das strenge Auswahlverfahren durch eine Jury. Insgesamt sind 14 europäische Länder vertreten, darunter traditionell ganz stark England und Frankreich – die Franzosen mit den Werkstätten aus dem berühmten Töpferort La Borne. Zum ersten Mal dabei sind die spanischen Keramiker der Madrider Initiative Kiln. Diese entsandten acht ihrer Mitglieder nach Dießen, die alle ihr vielseitiges Werkstattprogramm präsentieren. So sind ganz unterschiedliche Stilrichtungen, Dekore und Techniken zu sehen. „Hier in Dießen sein zu dürfen, ist uns eine besondere Ehre“, freut sich die Spanierin Deborah Abizanda. Sie lobt die direkte Lage am Wasser, aber auch die hohe Qualität der Aussteller insgesamt.

Cho Canyean kommt eigentlich aus Südkorea, lebt und arbeitet aber seit 2013 in Hamburg. Auch sie ist mit ihren Bechern, Kaffeekannen und Schalen erstmals in Dießen vertreten. Mit ihrer ganz besonderen Technik kombiniert sie einen dunklen, sehr eisenhaltigen Ton mit einer feinen hellgrünen Glasur. „Dabei brenne ich meine Gefäße so, dass die dunklen Kanten und Muster sichtbar werden. Das gibt ihnen einen besonderen Reiz.“ Ihren ersten Auftritt in der Marktgemeinde haben auch vier Keramikwerkstätten aus Ostdeutschland, so Corinna Friedrich aus Leipzig und Ute Naue-Müller aus Dresden. Aus Halle an der Saale präsentiert Claudia Stölzel feine Porzellanarbeiten mit floralen Dekoren oder Kaffeekannen mit Fischmotiven und -formen. Günter Reichmann aus der thüringischen Keramikstadt Bürgel ist mit traditionell blau-weißem Bürgelgeschirr vertreten. Seine Werkstatt präsentiert in Dießen aber auch eine moderne Designlinie.

Beim traditionellen Marktrundgang erinnerte Marktleiter Lösche auch an den im Januar verstorbenen kretischen Amphorenmeister Nikos Kavgalakis. „Wir vermissen ihn sehr. Um so mehr freut es uns, dass sein Enkel ihn in diesem Jahr an der Mühlbachmündung vertritt.“ Derzeit würden acht von Kavgalakis großen Amphoren am Marienmünster im St. Stephanshof stehen. „Sie sind dort um den Quellstein gruppiert und der Pfarrer deutete schon an, dass er sie gerne behalten würde“, berichtete Lösche. Nicht nur die Keramikkünstler kommen von weither nach Dießen gereist. Auch die Besucher scheuen keine Wege. In diesem Jahr erwarten die Marktveranstalter erneut etwa 55 000 Besucher. „Mit im Schnitt 25 000 Gästen ist Christi Himmelfahrt traditionell der besucherstärkste Tag“, erläuterte Lösche. Die Keramikfans kämen mittlerweile aus einem Umkreis von etwa 300 Kilometern. Viele lockt es aber sogar aus Italien oder der Schweiz. Besondere Bedeutung habe der Markt aber auch deswegen, weil er nicht nur Sammler, sondern auch Vertreter von bedeutenden Galerien und Museen nach Dießen fahren. So sei hier beispielsweise fast jedes Jahr die Pinakothek der Moderne aus München präsent.

Viele Fotos zum Töpfermarkt in unserer Bildergalerie.

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