Landkreis Für viele Bürger war sie eine große Erleichterung. Dass sie nun darauf verzichten müssen, wollen einige nicht so einfach akzeptieren. "Geben Sie uns unsere Blaue Tonne zurück", fordern zum Beispiel die Initiatoren einer Unterschriftenaktion in Kaufering von Landrat Walter Eichner. Der verweist auf den Beschluss des Kreistages vom April vergangenen Jahres, der besagt, dass die Blaue Tonne im Landkreis nicht eingeführt wird. Seither gebe es keine neuen Erkenntnisse, die eine andere Entscheidung rechtfertigen würden. Von Thomas Wunder


In ihrem Schreiben an Walter Eichner bitten Elke und Thomas Konter aus Kaufering, den Bürgern eine Wahlfreiheit bei der Entsorgung von Altpapier zu geben. Bis gestern hatte das Ehepaar über 100 Unterschriften gesammelt. Die Unterzeichner wollen die Blaue Tonne unter anderem behalten, weil somit Fahrtkosten und Zeitaufwand für die Fahrten zur Sammelstelle reduziert werden könnten und nicht in jedem Ort flächendeckend eine Papiersammlung durch Vereine stattfinde. Dass Pappe dabei nicht mitgenommen wird, sei ein weiteres Problem. Die Blaue Tonne habe die Entsorgung der "nicht unbeträchtlichen Mengen" erleichtert. Daher solle das Thema erneut im Kreistag beraten werden.
Das lehnt Landrat Walter Eichner ab. Es sei keine Willkür seinerseits, sondern die Entscheidung der Mehrheit des Kreistages gewesen, auf die Blaue Tonne zu verzichten. Im Kreisausschuss sei zudem einstimmig beschlossen worden, Remondis die Sammlung zu untersagen - was zuletzt auch erfolgte (LT berichtete). Und so sammelt das Entsorgungsunternehmen derzeit seine Blauen Tonnen in den Gemeinden im Landkreis wieder ein.
Die Beschwerden, die jetzt beim Landratsamt eingehen, halten sich in Grenzen, wie Johann Bernauer von der Kommunalen Abfallwirtschaft sagt. Dies deckt sich mit einer Umfrage des Landsberger Tagblatts vom Herbst, in der vor allem in den ländlichen Gebieten die Blaue Tonnen mehrheitlich abgelehnt wurde. Die Befürworter leben vor allem in verstädterten Bereichen und in den Gemeinden entlang des Ammersees.
54 Vereine sammeln im Landkreis Altpapier. Im vergangenen Jahr waren es 2380 Tonnen. Deutlich weniger als in den Jahren zuvor, als es noch keine Blaue Tonne gab. Die Einführung der gewerblichen Sammlung wird auch bei den absoluten Zahlen deutlich. So wurden 2009 von den Vereinen und an den Sammelstellen des Landkreises 8700 Tonnen Altpapier gesammelt, im Jahr zuvor waren es noch 9100 Tonnen gewesen und 10 100 im Jahr 2007.
Bis auf Landsberg wird überall im Landkreis flächendeckend gesammelt. Die Vereine müssen dies mindestens sechs Mal im Jahr tun, um in den Genuss der Prämie des Landkreises zu kommen. Wer zum Beispiel sechs Mal sammelt, erhält pro Tonne 52 Euro, wer doppelt so oft ausrückt, darf sich über 70 Euro je Tonne freuen. Im vergangenen Jahr wurden 143 800 Euro an die Vereine ausgezahlt, im Jahr zuvor 142 000 Euro, sagt Johann Bernauer.
Vereine wurden vom Landratsamt angeschrieben
Die Abstände zwischen den Sammlungen der Vereine sind unterschiedlich, in der Regel findet sie alle zwei Monate statt. In Landsberg wurden alle Vereine von Seiten des Landratsamtes angeschrieben, ob sie nicht in bestimmten Gebieten der Stadt die Sammlung übernehmen, sagt der Leiter der Kommunalen Abfallwirtschaft. Derzeit seien aber nur das Rote Kreuz und der EV Landsberg 2000 aktiv.
Die Vereine sammeln allerdings nur Altpapier ein. Pappe und Karton müssen zu den Sammelstellen des Landkreises gebracht werden. Laut Johann Bernauer gibt es zwei Gründe dafür: Zum einen ist das Einsammeln von Pappe und Karton aufwendiger, zum anderen ist der Rohstoff nicht so wertvoll wie das Altpapier.
Aktion Wer die von Elke und Thomas Konter aus Kaufering initiierte Unterschriftenaktion "Mein Altpapier auch in die Blaue Tonne" unterstützen möchte, kann dies per E-Mail tun unter
pro-blaue-tonne-landsberg@arcor.de
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