Landsberg (hön) - Ein Buch gegen das Vergessen, ein Buch, die düstere Vergangenheit Landsbergs aufzuhellen und dem Verblassen historischer Spuren entgegenzusteuern - ein Anspruch, den der Landsberger Historiker und Buchautor Dr. Hermann Kriegl seinem neuesten Werk "Die Hitler-Stadt" zugrunde legt.
Der Nationalsozialismus kam in Landsberg nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Vielmehr beschäftigte Dr. Hermann Kriegl schon in früheren Werken wie zum Beispiel in "Adolf Hitlers treueste Stadt" (2003), eine seiner Erkenntnis nach prekäre und frühe Symbiose zwischen Garnison und Lechgemeinde, die ein Milieu erzeugte, an das Hitler-Anhänger nahtlos anknüpfen konnten.
So berichtet der "engagierte Historiker" (Kriegl über Kriegl) von der ersten NS-Außenstelle, die am 25. September 1920 bereits am Lech etabliert wurde. "Wir müssen uns an die Fakten halten", insistiert Kriegl immer wieder und beklagt damit auch gleichzeitig die, wenn auch wenigen, aber in Landsberg noch immer existenten "tonangebenden Weichzeichner". Es gab nun mal eine enge Verflechtung zwischen Militär und Stadt in Landsberg, er sieht sich jedoch als Erster vor Ort, der dieses Phänomen eingehend untersucht habe. Dabei wolle er nicht angreifen oder gar persönlich werden ("Ich bin kein Richter oder Moralist"), habe aber das Anliegen der Analyse und die Aufgabe, aus einer Fülle von Quellen ein Netz zu flechten. Die Umhüllungsstrategien ("Landsberg ist ein Ort wie jeder andere") will er entlarven, spannt einen Bogen vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis in die Zeit nach dem Untergang des Dritten Reichs. "Der Antisemitismus", so berichtet Hermann Kriegl, sei beim Militär sehr ausgeprägt gewesen und habe in Verbindung mit einem ausgeprägten Nationalstolz einen guten Nährboden für die NS-Ideologie geboten. Als Anhänger der "Bielefelder Schule" (betont die Bedeutung sozialstruktureller Phänomene) wählt Kriegl eine direkte, sehr eindeutige und oft harsche, anklagende Sprache, die zunächst durchaus abschreckend wirkt. "Bei harten Fakten darf man nicht säuseln", erklärt Kriegl. Der Gebrauch beeinflusse keineswegs die objektive Geschichtsarbeit, "wichtig sind die Fakten". Man müsse nur darauf achten, diese diszipliniert darzustellen.
Dies nimmt er auf über 262 Seiten für sich in Anspruch. Die kurzen, übersichtlichen Kapitel behandeln unter anderem die "Gescheiterte Revolution", die "NS-Missionszentrale am Lech", "die judenreine Garnison" oder gar den "Ort mit NS-Stigma". Dr. Hermann Kriegl scheut sich nicht, Personen oder Organisation zu benennen, die heute noch in Landsberg den Alltag zum Teil maßgeblich prägen. So geht er immer wieder auf die Rolle des Historischen Vereins Landsberg ein ("Ich bin selbst seit vielen Jahren Mitglied"), da bis heute über diesen Teil der Vereinsgeschichte nichts zu hören gewesen sei. "Ich bin kein Nestbeschmutzer, aber ich stelle die Dinge so dar, wie sich der Verein im 3. Reich gegeben hat." Kriegls Anliegen der "schonungslosen Aufklärung" ist vor allem an die Jugend und die Nachgeborenen gerichtet: "Sie sollen sich informieren und sich anhand der Fakten selbst ein Bild machen von dem, was damals in Landsberg vor sich ging." Überregionale Anerkennung für "Die Hitler-Stadt" bekam Kriegl inzwischen in den USA, vom Fritz-Bauer-Institut (Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust) sowie vom Staatsarchiv München.
Die "Hitler-Stadt" - Hass auf Juden-NS-Dynamik - "Endlösung" ist erschienen im Kriegl Verlag, 26.50 Euro, ISBN 978-3-938774-03-8.
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