Landsberg Es war ein zufälliger Fund. Als Steinmetze das Epitaph eines Arztes in der südwestlichen Vorhalle der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt entfernten, sahen sie zu ihrer Überraschung eine gekalkte Fläche, auf der sich rote und schwarze Schriftzüge sowie einfache und ungelenke Malereien befanden. Wie sich bei näherer Untersuchung herausstellte, haben sich Ende des 15. Jahrhunderts an dieser Stelle der Kirche Menschen in Form von Graffiti verewigt. Die freigelegte Fläche musste aus statischen Gründen wieder geschlossen werden. Wer die Schriftzüge und Zeichnungen dennoch sehen will, muss einen Blick in die neueste Ausgabe der Landsberger Geschichtsblätter werfen, in der sich ein reich bebilderter Artikel über den Zufallsfund findet. Von Thomas Wunder


Einige künstlerisch und stadtgeschichtlich bedeutende Epitaphe, das sind Grabinschriften oder Denkmäler zum Gedenken an einen Verstorbenen, wurden im Zuge der Renovierung der Stadtpfarrkirche zum Schutz gegen Umwelteinflüsse ins Innere der Kirche versetzt. So auch das Grabmal eines Arztes, das mit der Jahreszahl 1510 datiert ist. Wie Franz Bernhard Weißhaar in den Geschichtsblättern schreibt, ließ es sich ohne Komplikationen aus dem Mauerwerk lösen.
Die darunter sichtbar gewordene Fläche liegt an der Westmauer des südlichen Seitenschiffes in der Eintiefung einer Nische. Die durch den Ausbau freigelegte Fläche wurde fotografiert und dokumentiert. Die Inschriften wurden an einem zur damaligen Zeit prominenten Ort, der Vorhalle des Hauptportals der neuen Marienkirche, angebracht. Eine besondere Bedeutung kommt der Nische durch das Neben- und Übereinander deutscher und hebräischer Inschriften zu, schreiben die Autoren Heide Weißhaar-Kiem, Franz Bernhard Weißhaar und Klaus Münzer.
Die Graffiti an der Landsberger Stadtpfarrkirche sind kein Sonderfall. Es scheint im 15. und 16. Jahrhundert nicht unüblich gewesen zu sein. Mit Rötel oder Kohle verewigten sich wohl Reisende, Pilger, Handwerker oder Händler auf Wanderschaft auf diese Art und Weise. Meist schrieben sie "Hic fuit" (= er ist hier gewesen) mit Namen und Herkunftsort. Mehr jedoch verraten die Schreibenden über sich selbst nicht. Inmitten der deutschen Schriftzeichen findet sich, ebenfalls mit Rötel gemalt, die Darstellung einer Stadt, unschwer als einfache Zeichnung der Landsberger Altstadt zu erkennen. Deutlich ist die Stadtpfarrkirche auszumachen.
Der 108. Jahrgang der Geschichtsblätter bietet einen Gang durch beinahe zwei Jahrtausende der Geschichte der Region Landsberg. Nach Meinung von Schriftenleiter Klaus Münzer liefert die Darstellung der Anfänge der Stadt von Stadtarchivarin Elke Kiefer neue Erkenntnisse. Anton Lichtenstern hat ein handgeschriebenes Merkheft einer Heilerin aus dem nördlichen Landkreis untersucht. Neben Kochrezepten, Notizen zur Familiengeschichte und anderem enthält das Büchlein eine große Zahl von Gebeten, Beschwörungsformeln und Rezepten der Volksmedizin. Die Bäuerin (* 1893, † 1977) wirkte laut Anton Lichtenstern viele Jahre als Gebetsheilerin.
Eher zufällig ist Klaus Münzer beim Betrachten der Romwegkarte des Erhard Etzlaub aus dem Jahr 1500 auf die Pilgerstation "romakessel" gestoßen. Sein Artikel beschäftigt sich in erster Linie mit dem Namen des geschichtsträchtigen Wirtshauses an der Rottstraße zwischen Landsberg und Schongau. Die Deutung des Hausnamens als "Römerkastell" ist nach Meinung von Klaus Münzer nicht zu belegen. Auch die Ableitung von einer kesselförmigen Ausbuchtung des Lech passe nicht zur Form des Namens.
Vieles spreche dafür, dass sich der Name von einem Familiennamen ableitet. Er passe zu einer Wirtschaft und war auch im naheliegenden Seestall beheimatet. Der Name könnte laut Klaus Münzer "räume (säubere und leere) den Kessel" bedeutet haben. In Landsberg und Seestall fanden sich ähnliche Namen wie Ramenkössel, Romenkhößl, Romenkhessel, Ramenkhessel, Romekössel und Romenkössel.
Für die Landsberger Geschichtsblätter eher ungewöhnlich farbenprächtige Aufnahmen garnieren den Artikel von Dagmar Dietrich zum Bildprogramm der Landsberger Jesuitenkirche Heilig-Kreuz. Dagmar Dietrich beschäftigt sich darin mit der Geschichte der Jesuiten in Landsberg und ihrer Kirche sowie den zahlreichen Gemälden und der jesuitischen Kreuz-Ikonografie.
Die Zeitgeschichte im Blick haben Walter Meier (Der Bahnhof Kaufering im Dritten Reich) und Barbara Fenner (Zur Erinnerung an Colonel Irving Heymont). Werner Hemmrich hat den "Landsberg Bavarian" und andere Zeitungen untersucht, die von 1946 bis 1957 für die in Landsberg stationierten US-Soldaten gedruckt wurden. Der Landsberg Bavarian wurde als beste amerikanische Air-Force-Zeitung der Welt ausgezeichnet.
Wolfgang Weiße stellt die barocke Standuhr des Landsberger Großuhrmachers Antoni Hartmann vor, die wohl im Jahr 1730 hergestellt wurde. Interessant und lesenswert sind auch die Miszellen, etwa jene von Anton Lichtenstern über die Schmieden in Lechmühlen oder eine Lithografie von Schloss Pöring aus der Zeit des Freiherrn Karl von Leoprechting.
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