Sonntag, 17. Dezember 2017

Landsberg

22. Februar 2017 00:35 Uhr

Interview

„Ich habe verschiedene Heimaten“

Die gebürtige Italienerin Annunciata Foresti organisiert die Kreiskulturtage. Sie fühlt sich dort zu Hause, wo sie Traditionen verstehen und leben kann

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Was ist Heimat? Was verbindet jeder einzelne mit diesem Begriff, wenn die Globalisierung eine weltoffene Gesellschaft immer mehr herausfordert? In diesem Sommer werden erstmals Kreiskulturtage veranstaltet. Überall im Landkreis setzen sich dann Künstler verschiedener Genres mit dem Thema auseinander. Die Kreisrätin Annunciata Foresti ist die Beauftragte für die ersten Kulturwochen des Landkreises. Die Malerin lebt heute in Dießen, stammt aber ursprünglich aus dem norditalienischen Bergamo. Sie kam als Sechsjährige mit ihren italienischen Eltern per Eisenbahn über die Alpen. Das Landsberger Tagblatt hat sich mit ihr über das Thema Heimat unterhalten.

Schnittstelle Heimat, so lautet das Motto der ersten Kreiskulturtage. Schnittstelle Heimat? Eine Wunde oder eine Anschlussstelle?

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Ich denke, eine Anschlussstelle ist immer auch eine Wunde. Aber Wunden heilen und Wundheilung bedeutet immer auch Erneuerung. Darin liegt die Chance einer Schnittstelle. Nichts auf der Welt ist völlig abgekapselt, sie ist wie ein großer Organismus, der pulsiert durch die Schnittstellen.

Wie kam es zu diesem Motto für die ersten Kreiskulturtage?

Foresti: Heimat ist ein aktuelles und lebendiges Motto, das sehr viele Bereiche und die verschiedensten Kulturen betrifft. Ich hatte es dann etwas spezifiziert, weil der Heimatbegriff schon so abgenutzt ist: Durch die Schnittstelle haben sich neue Optionen, Sicht- und Denkweisen ergeben.

Was ist unverortete Heimat, was verlorene Heimat? Ist Heimat überhaupt an einen Ort gebunden?

Foresti: Nach meiner Sicht muss Heimat nicht an einen Ort gebunden sein, aber beheimatet zu sein ist nach meiner Ansicht ein Grundbedürfnis. Es gibt und gab Menschen, die ihre Heimat aus Not verlassen mussten, denken wir an die Heimatvertriebenen oder die Flüchtlinge jetzt. Sie werden von der Not getrieben und müssen sich eine neue Heimat suchen. Der Stellenwert des Begriffs Heimat ist angesichts von Globalisierung und Flüchtlingskrisen gezeichnet. Heimat hat da eine äußere und innere Existenzproblematik. Wenn wir selbst unseren Heimatbegriff immer wieder korrigieren, uns als Teil des Ganzen sehen, uns mit unseren Traditionen nicht abschotten, sondern öffnen, kann ein notwendiger Wandel der Zeit geschehen. Jede Ansicht, Begriff und Gesellschaft unterliegen einem Wandel. Heimat und Freiheit und damit auch die Demokratie gehören zusammen. Heimat ist auch ein Kulturbegriff, einer Kultur, die auch Wertschätzung einfordert für gewachsene und neue Strukturen, die sich bilden, wie Baukultur, Brauchtum, Landschaft, Kunst, denen im Kontext des Wandels begegnet werden soll, aber immer im Sinne einer demokratischen Ordnung. Mit der Kultur ist ein Austausch und gemeinsames Wachsen möglich, Kultur ist dabei ein Trägerstoff und ein wichtiger Bestandteil eines sozialen Miteinanders.

Was bedeutet Ihnen Heimat? Wo fühlen Sie sich zu Hause? Und was macht dieses Gefühl aus?

Ich habe verschiedene Heimaten. Ich bin in Italien geboren, in Bayern aufgewachsen. Das sind schon mal zwei Heimaten. Ich bin Künstlerin und fühle mich in der Kunst zu Hause, als die Beatles aufkamen, war Beat meine musikalische Heimat. Auch sind Natur und Landschaft für mich meine Heimat. Ich fühle mich da zu Hause, wo ich wertgeschätzt werde, wo ich ankommen darf, wo ich als Bürger in Freiheit leben kann und wo ich positive Anbindung an das Leben habe. Ich fühle mich da zu Hause, wo ich nicht ausgeschlossen werde, wo ich Traditionen verstehen und leben kann, sofern ich es möchte. Diese, meine „Heimatgefühle“ sind ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens. Aus diesem Blickwinkel begreife ich Heimat, und das repräsentiert sie für mich auch im Kontext meiner persönlichen Biografie.

Schnittstelle Heimat? Was kann oder soll dieses Motto für den Landkreis und seine Menschen bringen?

Foresti: Das war eine Anregung für die verschiedenen Gruppen, sich aktiv damit auseinanderzusetzen. Manche Veranstalter haben es sehr ernst genommen und manche etwas lockerer. Das ist okay so. Im Grunde das, was Kultur grundsätzlich bringen kann: Kultur kann verbinden, wir können gemeinsam staunen, lachen. Wir wollten mit einem Motto und einer Kulturförderung möglichst breit im Landkreis wirken und ich glaube, das ist uns gelungen. (lt)

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Landsberg | Alpen | Dießen | Bergamo | Italien

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