Sonntag, 23. April 2017

Landsberg

07. Januar 2017 12:31 Uhr

Landsberg

Jede Technik hat ihre Tücken

Druckwerkstatt im Herkomer Museum hatte mit einem Workshop für Kinder Premiere. Von Minka Ruile

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Gut Ding will Weile haben, und so braucht es auch in einem vergleichsweise kleinen Haus wie dem Ende 2015 eröffneten Herkomer Museum seine Zeit, bis alle Planungen bis ins letzte Detail umgesetzt sind. Die Inbetriebnahme der Druckwerkstatt vergangenen Mittwoch markiert einen letzten Schritt.

Geschäftiges Treiben hatte es im ehemaligen Herkomeranwesen Anfang Dezember noch einmal gegeben, als sperrige Transportkisten die schmalen Treppen hinauf ins Dachgeschoss gehievt wurden, sämtlicher Inhalt seinen Platz gefunden hatte und nach tagelangem Arbeitseinsatz die Spezialisten Museumsleiterin Sonia Fischer melden konnten: „Die Druckwerkstatt ist eingerichtet.“ Herzstück der museumspädagogischen Zwecken vorbehaltenen Räume ist die über hundert Jahre alte, mechanische Handpresse aus den Beständen des Stadtmuseums.

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Nach einem ersten Probelauf und verschiedenen kleineren Nachbesserungsarbeiten stand der Premiere am Mittwoch dann aber nichts mehr im Wege: Acht Kinder – zwei Mädchen und sechs Buben im Alter zwischen sieben und 14 Jahren – hatten sich für den Ferienworkshop „Lithografie – Druckwerkstatt im Herkomer Museum“ angemeldet und waren gespannt, wie das wohl funktionieren würde, einen Steindruck zu erstellen.

Erst einmal gab es aber eine kurze Führung mit Museumspädagogin Anke Schupp. „Hubert“, so stellte sie Herkomer den Kindern vor, sei ein Junge voller Fantasie und Ideen gewesen, so zappelig aber, dass er zum Schulkind wenig taugte und deshalb meistens vom Vater unterrichtet wurde, kein „Null-Bock-Typ“, vielmehr ein Hansdampf in allen Gassen mit außergewöhnlichen Talenten, die dazu führten, dass sich der Junge aus ärmlichen Verhältnissen am Ende in einem Selbstporträt im roten Talar eines Oxford-Professors darstellen konnte und sich sowohl Sir als auch Ritter nennen durfte. „Der schaute gut hin und malte die Leute – Arme und Reiche – so, dass man genau sehen konnte, wie es ihnen geht“, fand Schupp gemeinsam mit ihren kleinen Zuhörern Herkomers Erfolgsrezept heraus. „Und genau das dürft ihr jetzt selbst versuchen“, entließ sie die Kinder in die Druckwerkstatt.

Dort hatte Kursleiter Andreas Pfies schon alle Vorbereitungen getroffen, und so lagen an den Arbeitsplätzen die präparierten Lithografiesteine. Zuerst aber ging es an die Schleifstation. Und weil das notwendige Glätten der Gesteinsoberfläche ein rechtes „Gebritschel ist“, bekam jeder der jungen Künstler erst mal eine Schürze umgebunden. „Die Steine aus der Gegend von Solnhofen sind eigentlich nichts anderes als versteinerter Schlamm - herabgesunkenes Plankton, zersetzter Muschelkalk und anderes, das jedes Lebewesen natürlich auch hinter sich lässt – aus dem Urmeer“, erfuhren die Kinder, und dass sie sehr wohl verstanden hatten, was mit diesem „anderen“ gemeint war, verrieten sie Nase rümpfend beim Reiben und Anlösen des Materials.

Vielleicht nicht ganz zufällig wählte eine der drei Gruppen als es anschließend ans Zeichnen auf den eigenen Stein ging, auch deshalb ein WhatsApp-Emoji, das offenkundig dampfend ganz ähnliche Assoziationen hervorrief – „cool“, waren sich da besonders die Jungs einig.

Andere ließen die Silvesternacht noch einmal aufleben, in einer mitternächtlichen Zugfahrt etwa, bei der die Reisenden durch die Fenster hindurch das Feuerwerk beobachten, oder in einer Szene, wie sie der jüngste Teilnehmer zwei Tage vorher wohl erlebt hat: „Hier sind die Silvesterraketen am Himmel und da unten eine Knallerbatterie. Und da“, zeigt der siebenjährige Mio auf einen Fleck sich kreuzender und wild auseinanderfahrender Striche am unteren Bildrand, „hat ein Böller zwei Schmetterlinge getroffen.“ Den Einwand, dass es die zu der Jahreszeit eigentlich nicht gibt, kontert er überzeugend: „Doch, in der Fantasie schon!“

Von Meister Andreas ins „Geheimnis der Lithografie“ eingeweiht, das – mehr sei hier nicht verraten – viel mit Wasser und Fett sowie gegenseitiger Anziehung oder dem genauem Gegenteil tun hat, greifen dessen kleine Lehrlinge nacheinander nun zu so sonderbar klingenden Dingen wie Gummiarabicum, Shellsol oder Corelin und gibt es am Ende drei „druckreife“ Steine, fertig für die Presse. Dass diese dann das Emoji-Motiv wie gewünscht zweimal ausspuckt und auch Mios Schmetterlinge mehrfach unter Böllerbeschuss geraten, der Zug aber nur einmal seine Fahrt in die Silvesternacht antreten kann, weil der Stein beim zweiten Druckversuch die Farbe auf der gesamten Fläche annimmt, bekümmert die drei Eisenbahnerjungs wenig. Wozu gibt es schließlich die neueste Technik.

Der die Lithografie bekommen hat, hat zu Hause einen Scanner, alle drei einen Computer, und als Andreas den beiden leer Ausgegangenen einen Abzug von einer der Zeichnungen der anderen Gruppen anbietet, haben die bereits ihre Email-Adressen ausgetauscht und das Problem – auf moderne Art – gelöst. „Klar, jede Technik hat ihre Tücken“, verstehen die Kinder nun auch, warum es in der Ankündigung des Workshops heißt, dass es sich bei der Lithografie um ein „heute kaum noch angewendetes Verfahren“ handelt, das fast nur noch im künstlerischen Bereich eingesetzt wird.

Kontakt Der Workshop „Lithografie - Druckwerkstatt im Herkomer Museum. Wir erstellen einen Steindruck!“ kann gebucht werden von Kleingruppen ab circa acht Personen, wendet sich aber, in Ergänzung zum Kunstunterricht, vor allem an Schulklassen.Näheres zum museumspädagogischen Angebot telefonisch unter 08191/128360 oder per E-Mail an neues.stadtmuseum@landsberg.de

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