Freitag, 22. September 2017

Landsberg

29. November 2014 00:34 Uhr

Metropoltheater

Jubel für das „Geldstück“

Intelligente Inszenierung mit musikalischem Pep über das Finanzwesen Von Bärbel Knill

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Der Bürger ist stets der Gelackmeierte, verdeutlichten (von links) Marc-Philipp Kochendörfer (Banker 1), Butz Buse (Anleger 2), Philipp Moschitz (Anleger) und Paul Kaiser (Banker 2) in „Schuld und Schein“, dem „Geldstück“ des Metropoltheaters aus München im Stadttheater Landsberg.
Foto: Thorsten Jordan

Geld, Finanzen, Bankwesen, und das auch noch im Theater? Langweilig! Kompliziert! Anstrengend! Denkt man erst. Genau das Gegenteil bewies das Metropoltheater München mit der Aufführung des Stückes „Schuld und Schein – ein Geldstück“ von Ulf Schmidt in einer Inszenierung von Jochen Schölch. Das Publikum im voll besetzten Stadttheater genoss einen witzigen, frechen und informativen Abend mit hoher Unterhaltungsqualität, der Begeisterungsstürme erntete.

Nicht umsonst erhielt das Stück den Theaterpreis 2014 für die beste Inszenierung vom Verband freie darstellende Künste Bayern, dessen Vorsitzender übrigens der Landsberger Wolfgang Hauck ist, der wiederum den meisten durch seine Projekte mit den Stelzern bekannt sein dürfte.

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Frech, temporeich, witzig und gewürzt mit peppigen Musik- und Tanzeinlagen war das „Geldstück“ ein reiner Spaß. Auch wenn das Lachen oft bitter schmeckte, weil so viel Wahrheit in der überspitzten und vereinfachten Darstellung von der Geschichte des Geldes steckte. Im Zeitraffer reißt die Truppe aus fünf Darstellern die Zuschauer mit, von der Entstehung des Geldes mit der ersten Goldmünze und dem ersten Schuldschein dafür bis zu den wildesten Auswüchsen des Finanzwesens („Future-Index-Options-Contract-Bundle“). Und eines wird dabei überdeutlich: Der Bürger ist stets der Gelackmeierte, der für alles zahlt, während Banker und Investoren mit seinem sauer Verdienten lustige Spielchen treiben, die ihnen völlig irrationale Gewinne bringen.

Wir lernen etwas zu jedem Grundkapitel des Geldwesens: die Entstehung von Schulden, Zins, Aktien, die Rolle des Staates und der Banken, Inflation, EZB. Und alles wird so klar und einfach von vorn aufgerollt, dass es jeder verstehen muss. Darüber hinaus amüsiert man sich ständig über den tumben Sparer (großartig und glaubwürdig: Butz Buse), folgt der Moderation des smarten Anlegers mit der schönen Singstimme (Philipp Moschitz in der Paraderolle) und amüsiert sich über die Tricks und Betrügereien der Banker (schön aalglatt: Paul Kaiser und Marc-Philipp Kochendörfer). Und Herr Kaiser (Hubert Schedlbauer) wechselt mühelos vom Monarchen über Napoleon zum großen Diktator, versucht dann vergeblich, sein klebendes Hitlerbärtchen wieder loszuwerden (ein sinnfälliger Gag). Bei allem Spaß verleiht das Stück dem Zuschauer das Gefühl, endlich Durchblick durch die komplexe Welt des Finanz- und Bankwesens zu gewinnen, zu erfahren, dass Inflation kein Naturgesetz ist, sondern von Staat und Banken gemacht, und dass der Begriff Ratingagenturen durchaus etwas mit dem deutschen Wort „raten“ zu tun hat.

Professionell gesungene Musikstücke wie Abbas „Money, Money, Money“, „Money Makes the World Go Round“ aus dem Musical „Cabaret“ und, sehr mitreißend, „Baby, bitte mach dir nie mehr Sorgen um Geld“ von Cro machen mit der gelungenen Choreografie von Philipp Moschitz richtig Laune und bringen nochmals Tempo in die Inszenierung.

Natürlich bezieht das Stück eindeutig die Position der Österreichischen Schule der Nationalökonomie nach Ludwig von Mises, die von vielen Wirtschaftswissenschaftlern abgelehnt wird. Natürlich war das alles extrem vereinfacht dargestellt. Aber es bleibt der nagende Gedanke, dass eine tiefe Wahrheit darin liegt, dass Banken, Staat und Investmentbanker den dummen Bürger übers Ohr hauen. Und im Gedächtnis bleibt die schwungvolle, intelligente und amüsante Inszenierung mit der überzeugenden Leistung der fünf Darsteller vom Metropoltheater, die zu Recht Jubel und lang anhaltenden Applaus erntete.

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