"Wir sind jung. Das Handwerk ist jung!" Dass Kreishandwerksmeister Ernst Höss diesen Ausruf durchaus wörtlich nimmt, wurde bei der Freisprechungsfeier in der Aula der Staatlichen Berufsschule Landsberg nur allzu deutlich.
Denn nicht er, sondern Bettina Dollinger und Manuela Rill, zwei frisch ausgebildete Friseurgesellinnen, übernahmen "im Namen der jungen Macher" die Begrüßung der rund 400 Gäste - unter ihnen zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens sowie Lehrer, Ausbilder und Eltern der Junghandwerker einschließlich der Berufsabsolventen aus den Bereichen Bank, Büro, Einzelhandel und Industrie.
Dabei verkannten die beiden Sprecherinnen keineswegs, dass sie viel Fleiß, Können und Durchhaltevermögen investiert hätten, "um zu beweisen, was in uns steckt. Und heute ernten wir mit dem Empfang der Prüfungszeugnisse die verdienten Früchte unserer monatelangen Arbeit, Büffelei und so mancher geopferten Partynacht."
Ein Eingeständnis, das Landrat Walter Eichner nur allzu gut nachvollziehen konnte, an die Adresse des beruflichen Nachwuchses gerichtet versicherte er: "Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie sehr Sie sich auf diesen heutigen Tag gefreut haben." Dabei gab er ihnen mit auf den Weg: "Für Sie geht heute die Tür zu Ihrer beruflichen Zukunft auf. Aber bitte bedenken Sie: Das Zeugnis, das Ihnen heute überreicht wird, ist eben nur ein Türöffner, nur eine Etappe. Ab morgen müssen Sie sich aufs Neue bewähren. Sie müssen ein Leben lang lernen, ständig neue Herausforderungen annehmen und Ihr Wissen und Ihre beruflichen Kentnisse mit Hilfe von Fort- und Weiterbildung ausbauen."
Nachdem namens der Stadt Landsberg Bürgermeister Norbert Kreuzer den jungen Absolventen gratuliert hatte, versicherte Kreishandwerksmeister Höss seinen jungen Kolleginnen und Kollegen auch im Namen der anwesenden Obermeister der Innungen: "Von Ihnen geht ein Aufbruchsignal für unser gesamtes Gemeinwesen aus. Jeder von Ihnen verkörpert Mut zur Eigeninitiative, Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung und Bekenntnis zu Leistungswillen. Jeder Einzelne von Ihnen steht für Optimismus und Tatkraft im Handwerk. Das Handwerk ist das Herz unseres Landes. Sie sind das Herz des Handwerks in unserer Region."
Höss nannte am Schluss seiner Rede auch Zahlen. So hätten 62 Prozent der neuen Handwerker einen Hauptschulabschluss, davon 27 Prozent Frauen. Von den 67 Lehrlingen hätten 62 mit teilweise sehr guten Leistungen die Prüfung bestanden. Ebenso weitere 110 Prüflinge aus den Bereichen Banken, Handel und Industrie.
Bevor Oberstudiendirektor Oswald Kurr als Leiter der Berufsschule die besten Schüler mit dem Staatspreis auszeichnete, schrieb er dem beruflichen Nachwuchs ins Stammbuch: "Sie werden ab heute als Facharbeiter, Geselle, Gehilfe oder Gehilfin auf der Basis dessen, was Sie hier gelernt haben, aufgefordert sein, kreative, machbare und bezahlbare Lösungen zu finden."
Für den Landesverband des Bayerischen Einzelhandels (LBE) zeichneten Sandra Kaulfersch und Ralf Heimsch als Bildungsbeauftragter die Klassenbesten ihrer Zunft aus. Dabei bestätigte ihnen die LBE-Referentin Kaulfersch: "Gerade im Einzelhandel sind die Aufstiegschancen gewaltig. Deshalb packen Sie die Möglichkeiten am Schopf, die sich Ihnen bieten werden." Die vom Blechbläserensemble Landsberg unter der Leitung von Hans-Günter Schwanzer umrahmte Feier schloss Ernst Höss mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Freispruch.
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