Beim der Maikundgebung des DGB in Landsberg spricht Diakon Erwin Helmer

„Der Sozialstaat, den wir einmal hatten, existiert nicht mehr.“ Diese deutlichen Worte hat Diakon Erwin Helmer von der katholischen Betriebsseelsorge bei seiner Ansprache bei der Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Landsberg am Montagabend im Gasthaus Siebentisch gefunden. Helmer beschrieb dann ausführlich die soziale Schieflage in Deutschland und deren Auswirkungen.
Nach seinen Worten gebe es mittlerweile „Menschen zweiter Klasse“, die unaufhaltsam in die Armut abrutschen. Dazu gehörten die fünf Millionen Beschäftigten, die weniger als 8,20 Euro in der Stunde verdienen, und deren Rente später einmal nur das Mindestniveau erreichen wird. Eine große Anzahl weiterer Arbeitnehmer sei von „prekären Beschäftigungsverhältnissen“ betroffen, wie etwa von Leiharbeit oder Werksverträgen, die nur als Mittel für „Lohndumping“ dienten. Als erschreckend bezeichnete Helmer das Ergebnis einer Untersuchung, dass sogar die Lebenserwartung der Geringverdiener deutlich unter dem Durchschnitt liege.
Kritisch setzte sich der Betriebsseelsorger dann auch mit den Arbeitsbedingungen bei dem in der Region vertretenen großen Internethändler und einer Drogeriekette auseinander. Hier habe aber letztlich der Kunde durch sein Kaufverhalten die Möglichkeit zu einer Einflussnahme, beschrieb Helmer.
Leider sei gerade im Landsberger Bereich die Betriebsratskultur eher unterentwickelt, merkte der Diakon an. Sicherlich war dies auch einer der Gründe dafür, dass nur etwas über 30 Gewerkschaftsmitglieder zur Kundgebung gekommen waren.
In seiner Begrüßung war Anton Reich, der Vorsitzende des Landsberger DGB-Ortsvereins, auf das Motto des diesjährigen 1. Mai eingegangen, das die Solidarität der Beschäftigten in ganz Europa betont. Die Finanzkrise der südeuropäischen Staaten treffe hauptsächlich die Arbeitnehmer, meinte er und warnte davor, dass Europa „kaputt gespart“ werde.
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