Landsberg Der "Neue Weg", den Kurt Suttner vor 36 Jahren mit der Gründung des "via-nova-chors" begonnen hat, wird auch unter neuer Führung konsequent weiter beschritten. Das machte das hochkarätige Konzert des Chors unter der Leitung von Florian Helgath in der Landsberger Stadtpfarrkirche Zu den Heiligen Engeln deutlich. Lediglich zwei Motetten waren nicht neueren Datums, alle anderen Chorsätze entstanden erst in jüngster Zeit - sogar eine Uraufführung war dabei. Die Musik war unter das Motto "Lux - Werke zu Tod und Ewigkeit" gestellt, farblich abgestimmte Lichtinstallationen von Peter Platz unterstrichen die jeweilige Thematik.


Der Landsberger Kirchenmusiker Bernhard Brosch führte das Motto konsequent weiter, mit zwei Stücken für Orgel von Max Reger und Marco Enrico Bossi, dessen sehr anspruchsvolles "Pièce héroique" von Brosch hinreißend interpretiert wurde. Am Beginn stand ein 1997 komponiertes Werk des Finnen Jaako Mäntijärvi, das den Untergang der Ostseefähre Estonia zum Inhalt hatte. Das Schiffsunglück mit 852 Toten gilt als das schwerste der europäischen Nachkriegsgeschichte. Der Komponist hat an den Beginn eine kleine Melodie gestellt (Sopran Jella Mährle), die an den Gesang eines Klageweibs erinnert. Von den Chorsängern ununterbrochen gemurmeltes "Lux aeternam" bildet das Gerüst. Michael Schinke (Bariton) bringt den nüchternen Nachrichtentext von damals ins Spiel, erst dann beginnt der chorische Gesang, überlagert Sopran und Bariton mit vertonten Textstellen aus dem Psalm 107.
Dieser erste Programmpunkt bereits zeigte die Stärken des via-nova-chors auf: höchste Aufmerksamkeit und Konzentration, unbedingte Führungswilligkeit gegenüber Florian Helgath, Klarheit und Reinheit von massiven Akkordblöcken im stärksten Fortissimo bis zu verhauchten Melodiestellen in zartestem Pianissimo.
Barocke Schütz-Motette
Bei der folgenden, barocken Schütz-Motette "Selig sind die Toten" schwelgte der Chor in sanft fließenden Harmonien und entwickelte dabei eine besondere Dynamik, die auch der später gesungenen Brahms Motette "Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen" zu eigen war. Nach "I'm a pilgrim" von Julian Anderson kam "Der Engel der letzten Stunde" von Kay Westermann zur Uraufführung. Das Werk ist eine Auftragsarbeit des via-nova-chores und besteht im Wesentlichen aus Texten von Rainer Maria Rilke und einem Gedicht von Jean Paul. Weil die beiden Schriftsteller in unterschiedlichen Stilen zu Hause sind, ist auch die Musik kontrastierend, mal dramatisch-betont, dann wieder ruhig, beinahe lyrisch. Eine Zusammenführung der Gegensätze gibt es nicht. Auch "Lux aurumque" von Eric Whitacre ist die Vertonung eines Gedichts.
Hier glänzte der Chor mit sorgfältiger Intonation der wechselnden Tonarten und schillernden Klangfärbungen. Durch den Tod ins Licht - Thomas Jennefeit hat die These mit dem Chorsatz "O Domine" musikalisch besonders intensiv verarbeitet. Chor und Simone Brückner (Mezzosopran) singen Textstellen aus dem Requiem eindringlich steigernd bis zum dramatischen Höhepunkt, um von hier wieder abwärts zu wandern bis zu einem stillen Ende, das eine offene Tür verheißt und eine Fortführung des Daseins auf einer anderen, einer spirituellen Ebene.
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: