Freitag, 24. November 2017

Landsberg

16. Dezember 2016 21:17 Uhr

Schondorf

Korruption in Puerto Leguízamo?

Kolumbianischer Bürgermeister wurde festgenommen. Er soll umweltschädigenden Goldabbau begünstigt haben. In Schondorf wurde darüber bislang geschwiegen.

i

Der Bürgermeister der Gemeinde Puerto Leguízamo, Juan Carlos Paya Torrijos, ist wegen Korruptionsverdachts festgenommen worden. Das Bild zeigt ihn zusammen mit Schondorfs Bürgermeister Alexander Herrmann im März. 

Dieser Tage berichtete nicht nur die Schondorfer Gemeinderätin Stefanie Windhausen-Grellmann über Puerto Leguízamo in Kolumbien, als sie einen Beitrag für ihren Blog schrieb. Wenige Tage zuvor war auch in den kolumbianischen Medien über die abgelegene Urwald-Gemeinde am Putumayo-Fluss berichtet worden. Allerdings ging es etwa in den Berichten auf der Internetseite hsbnoticias.com nicht um den Klimaschutz, sondern um die Festnahme von Bürgermeister Juan Carlos Paya Torrijos. Davon weiß inzwischen auch sein Schondorfer Kollege Alexander Herrmann. Einer Bewertung des Vorgangs will er sich aber weitgehend enthalten.

Mit einer im Rahmen der Klimapartnerschaft in den kolumbianischen Urwald gebrachten Wasserkraftturbine und einer kleinen Fotovoltaikanlage soll in dem 236-Einwohner-Dorf Jiri Jiri klimafreundlich Strom produziert werden, berichtete Windhausen-Grellmann. Und ihr Blog-Eintrag hinterlässt zugleich den Eindruck, dass die Ureinwohner allein durch ihre Existenz den Regenwald schützen, zum Beispiel, wenn sie den finanziellen Verlockungen der Ölindustrie widerstehen und keine Bohrungen in ihren Gebieten zulassen. Allerdings plagen die Menschen in Puerto Leguízamo durchaus Umweltprobleme, die möglicherweise durch das Verhalten ihres Bürgermeisters noch verschärft werden. Am Putumayo und am Caquetá, an dem Jiri Jiri liegt, wird nämlich Gold abgebaut – und dabei wird Quecksilber freigesetzt. Der Vorwurf gegen den festgenommenen Bürgermeister lautet nun, er habe Geld angenommen und das illegale Baggern nach Gold am Flussufer begünstigt, wird mit Verweis auf die Anklagebehörden berichtet. Den kolumbianischen Medienberichten zufolge soll er dafür rund 25 Millionen Pesos erhalten haben – umgerechnet rund 8000 Euro. Hinter dieser Goldförderung soll ein größeres Netzwerk stehen. Dieses gewinne an zahlreichen Gewässern der Region monatlich 87,5 Kilogramm Gold, was einem aktuellen Marktwert von rund drei Millionen Euro entspricht.

ANZEIGE

Korruption ist ein großes Problem in Kolumbien

Korruption ist ein großes Problem in Kolumbien, das dürfte auch den Schondorfer Besuchern in Puerto Leguízamo nicht verborgen geblieben sein: Wohl aus der Absicht, Korruption vorzubeugen, ist es in dem Land üblich, dass Amtsträger nach einer Wahlperiode nicht wiedergewählt werden können. So kam vor rund einem Jahr auch der Wechsel an der Spitze der Gemeinde Puerto Leguízamo zustande. Und nicht nur der jetzige Bürgermeister, sondern auch sein Vorgänger sei auch schon mit Korruption in Verbindung gebracht worden: „Er war auch schon in Untersuchungshaft“, berichtet Bürgermeister Herrmann. Der Verdacht habe sich dann in Wohlgefallen aufgelöst. Daraufhin habe der frühere Bürgermeister begonnen, Jura zu studieren, um nicht noch einmal in eine solche Situation zu kommen. Ähnlich sei es auch der Gouverneurin ergangen, die abgesetzt worden war, aber inzwischen in ihr Amt zurückgekehrt sei. Herrmann will deshalb nicht ausschließen, dass solche Ermittlungen und Festnahmen auch einen politischen Hintergrund haben können. Deshalb wolle man erst einmal abwarten, was weiter passiert. Auch hier müsse der Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ gelten.

Die durch die Goldgewinnung entstehenden Umweltprobleme sind für Herrmann, Windhausen-Grellmann und Michael Deininger, die bereits mehrfach in Puerto Leguízamo waren, nichts Neues. So berichtet Herrmann von Katamaranen in der Größe und Fertiggaragen, die auf dem Putumayo fahren und den goldhaltigen Schlamm pumpen. Wenn daraus das Gold gewonnen wird, wird Quecksilber ausgeschwemmt, das großflächig und dauerhaft die Umwelt vergiftet. Der schlechte Zustand des Trinkwassers in Puerto Leguízamo ist auch auf die Goldwäscherei zurückzuführen.

Fünf Brunnen sollen die Trinkwasserversorgung verbessern

Hier setzt nun das zweite Projekt der Klimapartnerschaft mit der kolumbianischen Gemeinde an: Fünf Brunnen sollen die Trinkwasserversorgung verbessern, die bisher aus Fließgewässern gespeist wird. Das Geld hierfür stellt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit zur Verfügung. Abgewickelt werden die Zahlungen über die Schondorfer Gemeindekasse. Dass die Gelder – insgesamt mehr als 90000 Euro – ausgezahlt werden können, dafür gab der Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwoch eine entsprechende Ermächtigung. Von den aktuellen Vorgängen um den Bürgermeister von Puerto Leguízamo verlor dabei weder Bürgermeister Herrmann noch Stefanie Windhausen-Grellmann ein Wort, die in den ersten Dezembertagen in Puerto Leguízamo war, als die Korruptionsvorwürfe bekannt wurden.

i

Ihr Wetter in Landsberg
24.11.1724.11.1725.11.1726.11.17
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                wolkig
	                                            Wetter
	                                            Regen
                                                Wetter
                                                wolkig
Unwetter4 C | 14 C
1 C | 5 C
0 C | 3 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Ein Artikel von
Gerald Modlinger

Landsberger Tagblatt
Ressort: Lokalnachrichten Ammersee


Bauen + Wohnen

Alle Infos zum Messenger-Dienst
Top-Angebote

Unternehmen aus der Region

Partnersuche