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Landsberg

14. Februar 2015 13:52 Uhr

Karneval

Maschera di Geltendorf

Gunther Schmid stellt venezianische Masken her, obwohl er mit Fasching eigentlich nicht viel am Hut hat Von Maren Martell

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Gunther Schmid aus Geltendorf fertigt venezianische Masken. 

Mit Karneval und Fasching hat Gunther Schmid eigentlich wenig am Hut. Doch Venedig und seine Maskenfeste und Karnevalsgeschichte faszinieren ihn schon lange. Erstmals besuchte er die italienische Lagunenstadt 1983. Damals traf er in vielen Hinterhöfen Werkstätten an, in den kunstvolle Masken von den Maschereri noch traditionell von Hand gefertigt wurden. Sehr schnell entwickelte sich daraus bei ihm eine Leidenschaft: Schmid eignete sich in seinem damaligen Wohnort Bonn bei einer Italienerin die Fertigkeiten zum Maskenbau an und begann, selber welche herzustellen. Seit gut elf Jahren lebt er nun in Geltendorf. Auch hier baut er in seiner Freizeit an venezianischen Masken – am liebsten bei einem guten Glas Rotwein, etwas italienischer Salami und Oliven.

Das ist eine große Liebhaberei, aber nicht kommerziell“, betont Schmid, der sich schon als Krimiautor Gunther Lennert einen Namen gemacht hat („Schnee im August“). Ihn interessieren vor allem die Masken (Maschera) aus dem Straßentheater, aus der Commedia dell‘arte. „Daraus wurden die Masken entwickelt für das sehr ausschweifende Leben in Venedig Ende des 18. Jahrhunderts, als der Carnevale di Venezia fast orgienhaft gefeiert wurde bis dann Napoleon dem Ganzen ein Ende bereitete“, berichtet Schmid. So baut der gebürtige Münchner seine Masken nach den alten Vorbildern und mit den tradierten Techniken. Für die Herstellung einer „Bauta“, der wohl beliebtesten Straßenmaske, benötigt er zwischen 20 und 25 Arbeitsstunden. „Da ist dann aber noch nicht die Trocknungszeit mit eingerechnet.“

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Die einzelnen Produktionsschritte erläutert Schmid: Ausgangsbasis ist eine Negativform aus Gips, die mit Vaseline oder Trennwachs ausgerieben wird. Anschließend wird die Form mit einem speziell eingeweichtem Papier ausgekleidet, die verschiedenen Lagen mit Tapetenkleister verbunden. Nach dem Trocknen löst man die Maske aus der Form, beschneidet den Rand und die Augen. Die Ränder werden dann mit Seidenpapier „gekettelt“, damit sie später nicht ausfransen. Anschließend wird die Maske innen mit Gaze ausgekleidet und mit weißer Fassadenfarbe grundiert. Ganz am Schluss wird die Maske bemalt, entweder mit traditionellen Farben nach den alten Vorbildern oder frei nach Fantasie. „Und wenn es besonders schön werden soll, wird auch Blattgold oder -silber aufgelegt oder die Maske mit wertwollen Borten und prächtigen Federn verziert“, betont Schmid.

Seine Inspiration holt sich der Hobby-Maschereri aus Geltendorf immer wieder aus Venedig. Regelmäßig besucht er mit seiner Familie die Stadt. In den vergangenen Jahren seien die traditionellen Werkstätten aber immer mehr verschwunden. „Es gibt fast nur noch billige Massenprodukte mit angemalten Plastikverzierungen. Die Herstellung ist fest in der Hand von Chinesen und Pakistani“, bedauert Schmid. Aber er findet immer wieder ein paar alte Werkstätten. Mit den italienischen Maskenmacher unterhält er sich dann auf Englisch oder „mit Händen und Füßen“.

In Geltendorf hat Schmid auch einige Originalformen der Commedia dell’arte. „Die habe ich damals von meiner italienischen Lehrerin in Bonn übernehmen können.“ Zwischen 150 und 180 Masken hat er bislang schon gebaut, schätzt er. Immer wieder wird er von Freunden und Bekannten gefragt. Viele Masken macht er aber auch einfach nur für sich selber „aus Spaß an der Freud“. Im Schnitt kosten seine Masken um die 80 bis 85 Euro. Mit einer Blattgoldauflage können es aber schnell über 100 Euro sein. In Geltendorf schmückt ein silberner Löwenkopf das Wohnzimmer, eine Mondmaske hängt im Flur.

Ein größeres Projekt hat sich Schmid noch vorgenommen: „Ich will eine Maske als Gesicht mit einer weiteren Maske davor auf einer Leinwand bauen, quasi in 3D-Optik.“ Doch dafür fehlt dem 62-Jährigen, der eigentlich als Berater in der Getränkeindustrie arbeitet, etwas die Zeit. Denn im Moment lebt der studierte Brauereiingenieur eine zweite Leidenschaft aus und schreibt gerade an seinem nächsten Krimi. „Und der spielt auch in Venedig und handelt vom Handel mit biologischen Waffen. Nur Masken kommen darin nicht vor“, verrät Schmid alias Lennert.

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Geltendorf | Venedig | Bonn

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