Nik Bärtschs Ronin im Stadttheater

Landsberg Ganz langsam entwickelt sich an diesem Donnerstagabend im Stadttheater die Musik von „Ronin“. Minutenlang wummern starke Bässe von der Bühne herab. Es erinnert ein bisschen an die Eingangssequenz von „2000 Lightyears from home“ von den Rolling Stones. Geschrieben im Jahre 1967.
Die Musiker stehen im Dunkeln. Ihre Instrumente auf dem Podium wirken wie die Installation eines Künstlers. Metall blinkt. Dann setzen nacheinander Gitarre, Klavier Saxophon, Schlagzeug und Perkussion ein.
Die Zeit bleibt stehen
Stroboskopartige Blitze zucken, Schweinwerfer erhellen für Sekunden die Musiker, sie werden in Rauch gehüllt. Die Zeit bleibt stehen. Schließlich begrüßt der Schweizer Pianist Nik Bärtsch, Kopf des 2001 gegründeten Zen-Funk-Quintetts Ronin das Publikum. Eine halbe Stunde ist vergangen. Ein einziges Stück wurde gespielt. Unglaublich. Er hat sich Bärtschs Ronin als Abschluss seiner ECM-Trilogie mit Maria Farantouri und dem Charles Lloyd Quartett sowie dem Tarkovsky-Quartett gewünscht, sagt Edmund Epple, verantwortlich beim Stadttheater für die Musiksparte, bei der Begrüßung und fügt hinzu, „ohne Rücksicht auf Verluste“. Es ist seine Lieblingsgruppe, gesteht er.
Minimale Mittel, maximale Wirkung
Mehr als eineinhalb Stunden spielen Bärtsch am Klavier, Björn Meyer am Bass, Kaspar Rast an den Drums, Andi Pupato an den Perkussionsinstrumenten und Sha an der Bass- und Kontrabassklarinette. Ronin, das ist, wie Bärtsch auf seiner Webseite erklärt, der Versuch, mit minimalen Mitteln eine maximale Wirkung zu erzielen. Der Name kommt aus dem Japanischen. „Ronin“ ist ein umherstreifender Samurai. Vielleicht auch so etwas wie ein Steppenwolf, im Sinne von Hermann Hesse. Er ist bindungslos, wie ein wildes Tier.
Die Stücke gehen ineinander über, können gar nicht klar voneinander abgegrenzt werden. Es bildet sich ein Klangteppich aus immer wiederkehrenden Motiven, wenigen Phrasierungen, die ständig neu zusammengesetzt werden und doch kristallisiert sich eine unverkennbare musikalische Handschrift heraus. Es entsteht ein musikalisches Ganzes aus einer bewundernswerten Klanggestaltung und Stückdramaturgie. Minimalismus pur. Kein Instrument führt, alles fügt sich zusammen. Nur manchmal wird der Rhythmus schneller. Dann wirkt alles wunderbar explosiv. Musikhören wird zu einem intensiven Erlebnis. Dafür bedankten sich etwa 200 Zuhörer mit begeistertem Applaus.
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