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03. April 2009 04:46 Uhr

Mit der Posaune getupfte Beats

Dießen Es sind eher Theaterkünstler von Off-Bühnen, die nach dem Motto des "Work in Progress" arbeiten: Ein Werk wird bei jeder Aufführung verändert, Ideen pflanzen sich fort und gestalten sich neu. Jede Inszenierung wird daher eine Generalprobe der nächsten, wohlgemerkt ohne Abstriche an Professionalität, denn jede Fassung ist gerade im Moment wichtig und richtig. Von Andreas Frey

Bei Micha Achers Klangarrangements wird man unwillkürlich an dieses "Work in Progress" erinnert, denn es geht kaum ein Jahr ins Land, in dem der jetzige Riederauer nicht mit einer neuen Instrumentierung und Formation aufwartet. Die jüngste Gruppe, eine sechsköpfige Jazzband, trägt noch nicht einmal einen Namen, und doch sorgte sie im Rahmen von "Goys letzte Montage" für ein komplett überfülltes "kult.café" im Blauen Haus.

Mit einer starken Bläserbesetzung stand das Jazz-Sextett eigentlich gar nicht so weit entfernt von der "Tied and Tickled"-Konzeption, doch fand sich die instrumentelle Balance einigermaßen verändert, am augenfälligsten durch die Posaune. Mit diesem eigens für ihn angefertigten Instrument setzte Mathias Götz nicht nur kraftvolle Akzente im Triospiel, sondern zog sich ab und zu sogar in die Rhythm-Section zurück.

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Mit der Posaune getupfte Beats - ein durchaus reizvolles Verfahren. Die elektronischen Beats hingegen blieben aus, denn neben Schlagzeug (Matthias Gmelin) und Kontrabass (Andreas Kurz) dominierte eindeutig die klassische Bläser-Gruppe. Die umfasste neben der Posaune auch die flexibel zwischen Saxofon und Bassklarinette wechselnde Melodiestimme vom Windacher Bläser Stefan Schreiber. Nicht zu vergessen natürlich Micha Acher selbst, der an Trompete und Flügelhorn dem Gebläse die entsprechende Nachschärfung gab.

Reiner Jazz mit nordamerikanischem Stil

Das Resultat waren Elemente von reinrassigem Jazz im nordamerikanischen Stil, bei dem inspirierte Soli - mit herzhaftem Zwischenapplaus bedacht - in Big-Band-Sätze en miniature mündeten. Die Balance zwischen rhythmischen Figuren und leicht dissonant gewendetem Spiel sorgte für einen intellektuellen, urbanen Jazz-Eindruck.

Und doch bot das Sextett auch mehr - und anderes. Denn typisch für den Komponisten und Soundbastler Micha Acher bleibt auch im neuen Musikprojekt der Wechsel vom Groove zum Drift. Besonders prädestiniert für diesen Effekt war das alte Rhodes-Keyboard, an dem Jan Eschke mit strudelnd hohen Strukturen die Technizität der sonst von Micha Acher gern genutzten Computersamples in eine Atmosphäre der späten Sechziger überführte. Sekundiert wurden die hohen Klänge von Metallxylofonen, die Micha Acher auch schon mal selbst bespielte. Durch das strenge Muster des hellen Klöppelschlags gewann etwa das von "Tied and Tickled" bekannte Stück "Chlebnikov" einen geradezu psychedelischen Pulsschlag.

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