Die Herzgruppe Geltendorf gibt es jetzt seit 20 Jahren
Geltendorf Der Mittwochabend ist seit fast 20 Jahren ein fest fixierter Termin im Kalender des Greifenbergers Kurt Zirwick: Dann nämlich geht er zur Herzgruppe nach Geltendorf. Zirwick, der früher eine Entwicklungsabteilung in einer Elektronikfirma geleitet hat, erlitt 1991 nach einer beruflichen Stressphase einen Herzinfarkt. Nach Krankenhausaufenthalt und Rehabilitation empfahl ihm damals sein Arzt dringend die Teilnahme an einer Sportgruppe und Kurt Zirwick befolgte diesen Rat umgehend.
Geschicklichkeit und Kondition werden trainiert
Seine Frau begleitete ihn. „Ich hatte damals aufgrund einer Schilddrüsenüberfunktion leichte Herzprobleme und mein Arzt riet mir, meinen Mann zu begleiten“, erzählt Barbara Zirwick. Sie blieb mit Begeisterung dabei. „Wenn ich heute mal zwei Wochen nicht teilnehme, fehlt mir richtig was“, sagt Barbara Zirwick. Den Eheleuten bekommt die Herzgruppe sichtlich gut. Zu Beginn des eineinhalbstündigen Programms gibt es eine Aufwärmphase (vorher werden Blutdruck und Puls kontrolliert), danach stehen vielfältige Geschicklichkeits- und Konditionsübungen auf dem Programm, am Schluss wird zur Freude aller Ball über die Schnur gespielt, bevor sich die derzeit 21 Teilnehmer einer ausgedehnten Entspannung widmen. „Wir sind begeistert und erstaunt, was unseren Übungsleiterinnen immer einfällt. Sie gestalten das Programm sehr abwechslungsreich, da kommt nicht eine Sekunde Langeweile auf“, sagen Barbara und Kurt Zirwick. Ein Arzt oder eine Ärztin ist immer dabei, ein Defibrillator und ein Notfallkoffer gehören zur Pflichtausrüstung. So fühlen sich die Teilnehmer immer sicher.
„Das Programm ist nämlich ganz schön anspruchsvoll“, erzählt Kurt Zirwick. „Wenn man zuschaut, käme man gar nicht auf die Idee, dass da kranke Menschen dabei sind“, ergänzt seine Frau. In der Übungsstunde kontrollieren die Patienten selbst zwischendurch ihren Puls, jeder kennt vom Gruppenarzt den Puls, den er maximal erreichen darf. Schließlich ist das Ziel ja, Herz und Kreislauf wieder zu stabilisieren und bestehende Risikofaktoren wie Bluthochdruck, hohes Cholesterin oder Bewegungsmangel abzubauen. Die Teilnehmer sollen lernen, ihre Belastbarkeit selbst einzuschätzen. „Das geht inzwischen sehr gut“, bestätigt Kurt Zirwick.
Der Sport steht im Mittelpunkt der Gruppe, die von Diplom-Sportlehrerin Christa Rieß, ihrem Mann Dr. Gotthard Rieß und Susanne Bühler aus Eresing vor 20 Jahren ins Leben gerufen wurde. Damals noch in Eresing wechselte die Gruppe 2003 nach Geltendorf, wo der TTC als Trägerverein fungiert. Kardiologe Dr. Rieß, Oberarzt im Klinikum München-Bogenhausen, ist wie seine Frau auch Diplom-Sportlehrer. Ihm ist der Präventionsgedanke besonders wichtig: „Die Patienten sollten alles tun, um einen zweiten Herzinfarkt zu vermeiden.“
Wichtig ist auch der Kontakt mit anderen
„Wir haben unsere Gruppe aber ganz bewusst nicht Herzsportgruppe, sondern schlicht Herzgruppe genannt“, erklärt Christa Rieß. Denn auch psychosoziale Aspekte sind wichtig für die Teilnehmer: „Der Kontakt mit anderen, die richtige Ernährung, die Aufklärung über Risikofaktoren, das alles wird bei uns auch thematisiert“, erklärt Christa Rieß, die gemeinsam mit Eva Tomazic die Übungsstunden leitet. Dr. Bernadette Tost, Dr. Petra Seufert und Dr. Rieß sind abwechselnd als betreuende Ärzte mit dabei.
Für alle Teilnehmer ist das wöchentliche Training eine Herzensangelegenheit. Auch nach den Sportstunden trifft man sich ab und zu und immer wieder mal sorgt ein gemeinsamer Ausflug für den Zusammenhalt und gute Stimmung.
Am Freitag wurde das 20-jährige Bestehen gefeiert. Ein Festvortrag von Dr. Ulrich Hildebrandt aus Prien ging dem gemütlichen Teil voraus. (sr)
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