Kaltenberg Nur drei Millimeter beträgt der Abstand der Schienen einer Modelleisenbahn aus Japan, die voll funktionsfähig ist: Diese war die kleinste Anlage auf dem Modelleisenbahntreffen in Kaltenberg am Wochenende. Die größte war die C-Kuppler-Dampflok der Spurweite siebeneinviertel Zoll (184 Millimeter), die durch Kohlenfeuer und Wasserdampf angetrieben wird. Zusammengebaut und gefahren wird diese Lok von Steffen Eichler zusammen mit seiner Frau Pia aus Fürstenfeldbruck, die dieses Hobby mit viel Freude teilen.
Der Zustrom zu dieser bereits mehrfach abgehaltenen Veranstaltung war auch dieses Mal wieder enorm: Bereits vor der Eröffnung stürmten einige 100 Modelleisenbahnfans die Stände der Privatverkäufer, die ihre privaten Schätze anboten. Auch Bürgermeister Wilhelm Lehmann wurde auf der Ausstellung für seine Polizei-Sammlung fündig, die in seiner Vitrine zu Hause ihren Platz finden.
Das heurige Thema beim Modelleisenbahntreffen war die Bahnpost, die von Günter Gruber aus Türkenfeld im Modell in Szene gesetzt wurde. Auch originale Bahnpostuniformen mit Schirmmütze, die sich von Bahnpolizei und Bahnbediensteten unterscheiden, durften nicht fehlen.
Viele schöne Dioramen zogen die Eisenbahn-Fans magisch an, weil sie liebevoll gebaut und ausgestattet sind, so wie das Kloster Wessobrunn von Ernst Blank mit einem Szenario aus den 1950er Jahren. Einige Stimmen konnte man unter den Besuchern hören: „Da war die Welt noch in Ordnung.“ Auch die Wuppertaler Schwebebahn von Roland Pollack, die auf einer kleinen Fläche ihre Bahnen zog, war ein Hingucker. Eine Ansammlung von Güterwagen in vielen verschiedenen Spurgrößen, die mit Holz und anderen Baumaterialien beladen waren, zogen ebenso die Blicke der Zuschauer an sich.
Immer wieder eine Augenweide
Eine große Anlage, die seit ein paar Jahren präsentiert wird, ist immer eine Augenweide: Spur 1. Aber diesmal war noch eine größere Lok auf der Ausstellung, die im Biergarten vor der Ausstellung ihre Runden drehte. Diese mit Steinkohle befeuerte Dampflok wiegt alleine schon 200 Kilogramm. Bereits am Samstag fuhren bei herrlichem Sonnenschein viele Besucher – und zwar nicht nur Kinder – mit, die sich Kohlenrauch und Wasserdampf um die Nase wehen ließen.
Wer kennt sie nicht? Die alte Geltendorfer Bahnsteigbedachung aus dem Jahre 1905 in ihrer grünen Farbe. Leider musste sie einer modernen und bei Regen undichten Überdachung weichen. Reste dieser alten Bedachung befinden sich das ganze Jahr an der Ritterschwemme zu Kaltenberg, wo sie im Sommer im Biergarten Schatten spendet. Oliver Mitter aus Greifenberg und Gerald Habla aus Moorenweis vom Kottgeiseringer Modelleisenbahnverein suchten nach einer geeigneten Nachbaugröße und kamen auf das Verhältnis 1:37, das der Spur 1 in der Modellbahnszene entspricht. Originalgetreu präsentierten sie ihre Geltendorfer Bahnsteigbedachung auf der Ausstellung, die eine Länge von etwa zwei Metern aufweist.
Bei vielen ausgestellten Anlagen wurde man an seine Kindheit vor einigen Jahrzehnten zurückversetzt. Man erinnerte sich an die Zeit, als man mit Oma und Opa mit der Bimmelbahn nach Landsberg oder München gefahren ist.
Veranstalter Michael Weberschock hatte auch wieder eine Tombola mit schönen Preisen organisiert. Als Hauptgewinn wurde eine Führerstandsmitfahrt auf der großen Dampflok 41 028 des Bahnparks Augsburg verlost. Der Erlös der Tombola wird zur Erhaltung der historischen E-Lok 18 08 im Bahnpark Augsburg gespendet.