Ein Haufen edler Herren, wahre Ruhmesritter auf schnellen Pferden, eine scheinbar edle Dame und ein scheinbar einfältiges Mädchen, verbunden mit Besitzdenken, Eifersucht und Neid und einer guten Portion Romantik, sind die Hauptzutaten des diesjährigen Stückes der Seebühne Utting.

Kleists "Das Käthchen von Heilbronn oder die Feuerprobe" ist von Florian Münzer und Werner Högel mit leichter Hand inszeniert. Bewusst wird mit einfachen Mitteln und vielen Details gearbeitet, um dem Stück die Schwere zu nehmen. Beispielsweise dürfen die Pferdattrappen, die die tapferen Ritter tragen, mit wehenden Stoffbahnen unterschiedliche Temperamente darstellen. In ihrem elften Jahr hat die Seebühne auf professionelle Schauspieler verzichtet, die Inszenierung stützt sich ganz auf Laiendarsteller.
Mit einem Femegericht geht es los
Zu Beginn steht ein Femegericht: Schauerlich anzusehen, ziehen Männer mit schwarzem Kapuzengewand ein. An das Femegericht hat sich Heobald Friedeborn, Waffenschmied aus Heilbronn, gewandt, um Friedrich Wetter Graf vom Strahl der Hexerei zu beschuldigen. Der Ritter soll des Schmieds Tochter, das Käthchen, in Bann geschlagen haben. Diese stürzte aus dem Fenster, lag sechs Wochen im Fieber, verschwand von zu Hause und läuft seither dem Grafen hinterher. Vor Gericht beteuert dieser seine Unschuld. Nachdem sich das Käthchen in Widersprüche verwickelt, wird der Graf frei gesprochen und das Käthchen will von ihm ablassen.
Weiter geht es mit der Auseinandersetzung zwischen dem Ritter und Freifrau Kunigunde von Thurneck um Besitztümer. Die mit allen Wassern gewaschene Freifrau Kunigunde bezirzt den Grafen, der sie noch kurz zuvor als Megäre bezeichnet hatte. Da kommt jedoch wieder das Käthchen und der Freifrau in die Quere. Prompt wird sie in eine brennende Burg geschickt, vorgeblich um ein Portrait des Liebsten zu retten. Letztendlich entschlüsselt sich, warum das Käthchen und der Graf trotz aller Standesunterschiede füreinander bestimmt sind. Ein wenig langatmig, diese Entwicklung, da müssen Weissagungen, Träume, ein Bischof, der Kaiser und ein Cherub nachhelfen. Aber zum Schluss kann Hochzeit gefeiert werden.
Wandlungsfähige Kunigunde
Freifrau Kunigunde im leuchtend roten Kleid wird dargestellt von Dagmar Herfort, die diese sehr wandlungsfähig zeigt. Der damaligen Zeit gemäß setzt sie ihren Willen mit Ohnmachten und Schmeicheleien durch. Aber auch ein Mann fällt in Ohnmacht, wenn Visionen wahr werden. So ergeht es dem Grafen vom Strahl, sehr ordentlich dargestellt von Bernhard Mayr. Das Ensemble spielt auf gutem Niveau, wenngleich manche Rollen einige Darsteller an ihre schauspielerische Grenze bringen. Für Auflockerung und Spaß sorgen die Musikanten unter Leitung von Michael Bauer und die jungen Gaukler. In den sorgfältig gestalteten Kostümen von Dany Mayland kommen die verschiedenen Stände zum Ausdruck.
Geschrieben wurde das Stück im Jahr 1810 mit einem durchaus entlarvenden Blick auf die Umstände in die Zeit der Ritter und Edelleute. Das Komische behält die Oberhand, es gibt viel zu schmunzeln und das Publikum unterhält sich gut.
Weitere Bilder finden Sie im Internet unter
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