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28. Januar 2012 23:00 Uhr

Holocaust

Neue Impulse für die Gedenkarbeit

Veranstaltungen in Landsberg erinnern an Verbrechen der Nationalsozialisten. Neuer Termin am 27. April?

Landsberg Für Uri Chanoch ist es eine erschreckende Nachricht. 20 Prozent der Deutschen aller Bevölkerungsschichten sollen latent antisemitisch eingestellt sein. Ursache seien Klischees, Vorurteile oder schlichtes Unwissen über Juden und das Judentum. Zu diesem Schluss kommt der Forschungsbericht „Antisemitismus in Deutschland“, den eine unabhängige Expertenkommission Anfang der Woche vorgelegt hat. Uri Chanoch, Jude und Überlebender des Holocaust, hat davon auf dem Flug nach Deutschland in der Zeitung gelesen. Beim Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in der Welfenkaserne rief er deswegen zur Wachsamkeit auf.

Auch der Standortälteste, Oberst Klaus Schuster, ließ die Ergebnisse des Forschungsberichts in seine Rede einfließen. Auch wenn die Worte fast schon etwas abgedroschen klingen mögen, sie seien sehr ernst gemeint: „Das Gedenken soll uns ermahnen, damit wir aus der Geschichte lernen, um die Gegenwart friedlicher zu gestalten.“ Dies müsse an jenen Orten geschehen, die selbst Symbol für die grausamen Taten geworden seien. Um den im Forschungsbericht beschriebenen Entwicklungen und Strömungen Einhalt zu gebieten, sei der Gedenktag ins Leben gerufen worden.

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Die Gedenkarbeit in Landsberg ist nach Meinung von Klaus Schuster ein im Wachsen befindliches Pflänzchen. „Das gemeinsame Bestreben, die Erinnerung in den Vordergrund aller Bemühungen zu stellen, hat Raum gewonnen.“ Allerdings, die Reform der Bundeswehr bringe Veränderungen. Mit der Auflösung des Waffensystemunterstützungszentrums müsse die Gedenkarbeit durch das Systemzentrum Avionik mit weniger und neuen Mitarbeitern gestaltet werden. Ob 100 Führungen im Bunker für etwa 2500 Besucher pro Jahr gehalten werden können, sei fraglich.

„Umso mehr liegt es mit daran, dass die Gedenkarbeit in Landsberg zügig und koordiniert vorangetrieben wird und neue Impulse erfährt. Es gibt kein Zurück mehr“, sagte der Standortälteste. Als neuen Impuls schlug er eine zentrale Veranstaltung am regional bedeutsamen 27. April vor. Jenem Tag, an dem die Lager des KZ-Außenkommandos Kaufering im Jahr 1945 befreit wurden. Einer der Überlebenden war auch Bernard Marks. Er musste auf der Baustelle für den Bunker arbeiten und trug bei der Gedenkveranstaltung ein jüdisches Gedicht zur Verehrung der Toten und zur Bewahrung der Erinnerung an sie vor.

Uri Chanoch, der die Gedenkfeier seit Jahren besucht, erinnerte an das Leben in den Lagern. So lange er die Kraft dazu habe, werde er nach Landsberg kommen. „Dieser Platz ist nicht nur eine Kaserne, sondern ein Ort der Erinnerung.“ Über die Flamme des Gedenkens, die am Leben erhalten werden muss, sprach Oberbürgermeister Ingo Lehmann. Für ihn sei es wichtig zu betonen, dass sich die Stadt zu den Schattenseiten ihrer Geschichte bekennt.

Erinnerung an Václav Havel

Laut Anton Posset, dem Ehrenpräsidenten der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung, muss Erinnerung am Ort des Holocaust geschehen – unter anderem der KZ-Gedenkstätte Kaufering VII. Dort wurde gestern der Internationale Holocaustgedenktag der Vereinten Nationen begangen. Dabei erinnerte Anton Posset an den im Dezember verstorbenen früheren Präsidenten der Tschechischen Republik, Václav Havel. Er sei ein Vorbild und habe maßgeblich zur Versöhnung zwischen Tschechen und Vertriebenen beigetragen. Der Konsul der Tschechischen Republik, Vladimir Krnavek, legte ein Blumengebinde am Gedenkstein seines Landes nieder, der einst auf Veranlassung von Václav Havel aufgestellt wurde.

Am Nachmittag gedachten Stadt Landsberg und Markt Kaufering am Todesmarschdenkmal an der Neuen Bergstraße der Opfer.

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