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03. Januar 2010 18:00 Uhr

Nicht immer waren die Sternsinger unterwegs

Landkreis Prächtige Gewänder, funkelnde Kronen, leuchtende Sterne: Im Landkreis sind heuer fast 1000 Sternsinger unterwegs. Mit dem Kreidezeichen "20+C+M+B+10" bringen sie als die Heiligen Drei Könige den Segen "Christus segne dieses Haus" zu den Menschen und sammeln für Not leidende Kinder in aller Welt. Doch das war nicht immer so. Vor 150 Jahren schrieben die Hausbesitzer in unserer Region den Segensspruch selbst auf die Türen. Es waren wohl staatliche Verbote in Folge der Säkularisation, die dazu führten, dass im Jahr 1855 der Brauch nicht mehr aufrechterhalten wurde. "Das Wandern der heiligen drei Könige, sonst auch am Lechrain stattfindend, ist längst abgekommen", schreibt Karl Freiherr von Leoprechting in seiner Sitten- und Sagensammlung "Aus dem Lechrain". Doch das Brauchtum, das sich in Deutschland für das 16. Jahrhundert erstmals urkundlich nachweisen lässt, verschwand nie aus den Köpfen der Menschen. Bis ins 20. Jahrhundert gingen meist arme Kinder in Eigeninitiative von Haus zu Haus und sammelten Naturalien und Geld für sich und ihre Familien. Seit 1959 gibt es in Deutschland das zentral gesteuerte Dreikönigssingen. Für die Menschen auf den Dörfern zwischen Ammersee und Lech hatte noch vor 100 Jahren die Dreikönigsweihe hohe Bedeutung. Am Vorabend brachten die Menschen Salz, Wasser, Weihrauch und Kreide in den Gottesdienst. Von Thomas Wunder

"Dreikiniwasser" auf Feldern

Die Gaben wurden dort geweiht. Aus Salz und Wasser mischte die Bäuerin einen Teig, der getrocknet als "Salzstua" hinter die Stubentüre gehängt wurde, schreibt Martin Wölzmüller im Buch "Der Lechrainer und seine Sprache". Mancher Bauer spritzte einen Teil seines "Dreikiniwassers" auf seine Felder um Dämonen abzuhalten. Dazu wurden mit geweihter Kreide über die Türen von Haus und Stall die Initialen der Weisen sowie die Jahreszahl geschrieben. Die Kreuze zwischen den Anfangsbuchstaben sollten unheilbringenden Geistern den Eintritt verwehren. Zum Anschreiben gehörte laut Wölzmüller auch der Räuchergang. Die ganze Familie, zu der damals auch Dienstboten gehörten, zog durch Haus, Stall und Obstgarten, um mit geweihtem Rauch die Dämonen zu bannen. Der 6. Januar war für die Lechrainer der Beginn des Jahres. Glückwünsche wurden erst dann überbracht. Nachbarn und Verwandte wurden besucht, um "a guads nais Johr" zu wünschen. Mancherorts wurde der Dreikönigstag das "große Neujahr" genannt.

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Die Zeiten haben sich geändert. Heute stehen die Sternsinger im Mittelpunkt, die als Caspar, Melchior und Balthasar von Haus zu Haus ziehen. "Kinder finden neue Wege" heißt das Leitwort des Dreikönigssingens 2010. Das Beispielland ist der Senegal. Mit dem Leitwort "Kinder finden neue Wege" wollen die Sternsinger heuer darauf aufmerksam machen, dass Mädchen und Buben in vielen Ländern mit ihren Lebensperspektiven die Zukunft ihres Landes gestalten. Sie würden sich in den Ländern der sogenannten "Dritten Welt" täglich neu auf den Weg machen, um ihr Leben in eigene Hände zu nehmen.

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