Montag, 24. Juli 2017

Landsberg

17. Juli 2017 20:00 Uhr

St. Ottilien

Nur vier Mal im Jahr läuten alle Glocken

Bei der Außenrenovierung der Klosterkirche in St. Ottilien wurden auch Rostschäden am Glockenstuhl festgestellt. Die Sanierung ist teuer. Daher startet die Erzabtei Aktionen wie das Motivläuten samt Orgelkonzert . Von Romi Löbhard

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Eigentlich, so dachte der Konvent des Klosters Sankt Ottilien, sollte die Außenrenovierung der Klosterkirche, in der seit 118 Jahren ununterbrochen Gotteslob stattfindet, abgeschlossen und mit der Innensanierung begonnen werden können. Doch dann wurden am Turm, der über dem Altarraum aufragt und Wahrzeichen von St. Ottilien ist, nicht nur Risse im Mauerwerk, sondern auch massive Rostschäden am Glockenstuhl aus Stahl entdeckt (LT berichtete).

Um die immensen Kosten, die auf das Kloster zukommen, schultern zu können, startete die Erzabtei jetzt eine Spendenaktion. Auftakt dazu waren Motivläuten und Orgelkonzert am Benediktusfest. Das Motivläuten begleitete Pater Tobias Merkt mit sachkundigen Erklärungen zu Glocken und deren Einsatz in der Liturgie. Für das anschließende Orgelkonzert hatte Wolfgang Görner an der Sandtner Orgel Platz genommen. Die acht Glocken der Klosterkirche werden von Pater Tobias Merkt nicht nur betreut, sondern sind ihm vielmehr eine Herzensangelegenheit. Das war bei seinen Erläuterungen während des Motivläutens zu spüren.

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Mit dem Humor eines Schwarzwälders

Die vielen Zuhörer auf dem Hof vor der Kirche bekamen nicht nur sachliche Informationen, sondern erfuhren auch Stimmungen und Eigenheiten, vorgetragen mit dem Humor des Schwarzwälders. Das heutige Geläut stammt aus den Jahren 1949 und 1950, die vorherigen Glocken mussten wie anderswo auch, während des Zweiten Weltkriegs abgegeben werden.

Beim „Glocken-Konzert“ stellte Pater Tobias die Glocken einzeln vor und ließ als erstes die kleinste Glocke läuten. Die in h gestimmte Burkard-Kapitelsglocke läutet zur Komplet. Zur Vigil (außer an Hochfesten) ruft die nächstgrößere, in gis gestimmte Ulrichsglocke. Die Bartholomäus-Apostelglocke (fis) „hat so einen wimmernden Beiton“, machte Pater Tobias aufmerksam, „das ist charakteristisch für die Advents- und Fastenzeit.“ Die nach der Klosterpatronin benannte Ottilia (e) mit der Aufschrift ‘Heilige Ottilia unsere Patronin, erflehe Licht den Blinden“ bimmelt am häufigsten. Sie läutet an den Werktagen im Jahreskreis.

Von angenehm-warmem Ton ist ist die Annuntiata-Angelusglocke (cis). Die ersten Worte der Verkündigung „Ave Maria gratia plena“ hat sie als Inschrift. Sie läutet zum angelus, an den Werktagen der Weihnachts- und Osterzeit, ist Sterbeglocke der Gemeinde. Die dem 1950 veröffentlichten Dogma zur Aufnahme Mariens in den Himmel gewidmete Assumpta-Jubiläumsglocke (H) läutet nicht nur die nächst tiefere Oktav ein, sondern auch die Sonntage in Advent/Fastenzeit/Jahreskreis und den Angelus während der Osterzeit. „Heervater der Mönche“ ist die Inschrift auf der dem Ordensgründer gewidmeten Gloriosa-Benediktusglocke (A). Die Sonntage in der Weihnachts- und Osterzeit sowie Hochfeste zweiter Ordnung werden von ihrem Klang begleitet. Zusätzlich wird sie donnerstags als so genanntes „Angstläuten“ angeschlagen, als Erinnerung an Jesus am Ölberg.

Ein absolutes Prunkstück

Absolutes Prunkstück in Sankt Ottilien ist die Salvaterglocke oder Herz Jesu Glocke (Fis). Sie ist die tiefste und damit auch mächtigste Glocke in der Diözese Augsburg. Im Münchner Liebfrauendom gibt es noch eine schwerere Glocke, die wird aber wie Pater Tobias zu wissen glaubt, aus Sicherheitsgründen derzeit nicht angeschlagen. Die Salvatorglocke läutet an den höchsten Festtagen/Hochfesten erster Ordnung, zum Angelus und ist Sterbeglocke für Mönche. Für das Komponieren von Motivläuten werde als erstes eine Läuteordnung erstellt, erklärte Pater Tobias, in Sankt Ottilien seien das die Glocken 3, 4, 5, 6. Von da aus gehe es in Mehrung oder Minderung. Alle Motive sind erneut Tagen im Jahreskreis gewidmet. Pater Tobias stellte das Geläut zur Vesper während der Karwoche vor „die beiden Glocken mit dem jammernden Ton. Mit einer dritten Glocke haben wir ein harsches cis moll.“ Im Advent sind „Variationen in H“ zu hören, zur Laudes gibt es das große Gloriamotiv. Nach Zimbelgeläut mit den „Kleinen“ und ein wenig Big Ben wagt sich Pater Tobias an Plenum: Vier Mal im Jahr, an Weihnachten, Epiphanie, Ostern und Pfingsten, läuten alle Glocken auf einmal – eine Herausforderung für den maroden Turm.

Eine Besonderheit ist das „Cluny-Läuten“. Es hat seinen Namen in Erinnerung an die im 10. Jahrhundert gegründete Benediktinerabtei, mit der bis zum Neubau des Petersdoms in Rom, größten Kirche der Christenheit. Das 20-minütige Cluny-Läuten startet als Plenum, danach läuten alle acht Glocken, von der größten bis zur kleinsten einzeln, um abschließend wieder gemeinsam zu erklingen.

Spenden Für die Turmsanierung wurde ein Spendenkonto eingerichtet: Sparkasse Landsberg-Dießen IBAN DE59 7005 2060 0000 0053 97, Verwendungszweck Sanierung Kirchturm. In den kommenden Monaten finden weitere Benefizveranstaltungen statt.

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