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08. Februar 2010 18:55 Uhr

Performance: Tanz, Inspiration und Malerei

Dießen Am vergangenen Sonntag eröffnete das Fritz-Winter-Atelier die neue Ausstellung "Figuren und Farbräume" von Jacques Gassmann mit der großartigen Performance "Tuscher". Die Tänzerin Natalia Maria Wojciechowska, Solistin an der Nationaloper in Warschau, trat tanzend in Dialog mit dem Maler und Performance-Künstler Gassmann. Zugleich veranschaulichte die Aktion die Spontaneität des Künstlers, seine Inspiration durch das ständige Wahrnehmen der Umgebung, die sich in geballten Farbladungen gezügelt oder ungezügelt entlädt. Zuletzt ließ er sich von seinen eigenen Motiven inspirieren, einer liegenden, zur Landschaft erstarrten Gestalt. Der Titel der Performance "Tuscher" ist mehrdeutig und beinhaltet einerseits den französischen Begriff "toucher", also körperliches oder sinnliches Berühren, andererseits spielt er auf die Farbe, mit der Gassmann agiert, die Tusche an. Von Gudrun Szczepanek

Performance: Tanz, Inspiration und Malerei
Foto: ALFA

Bewegungen aus dem Kontrast

Im Kontext unendlicher Farbräume und abstrakter Farbformationen, die sich mit lasierender Tusche gestisch spontan auf Papier oder Leinwand entfalten, entwickelt der Künstler abstrakte Figuren. Diese erscheinen skizzenhaft in schwarzer Tinte oder Tusche, wobei sie ihre Spannungen und Bewegungen aus dem Kontrast zwischen hauchdünnen Umrissen und verdichteten Liniengeflechten ziehen.

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Ausgestellt sind rund 40 Arbeiten, die vor allem aus zwei Zyklen stammen. Da sind die grünen Bilder aus der Werkreihe "Ogrody" (polnisch: Garten), in denen sich der Betrachter verlieren kann. Ihnen gegenübergestellt sind Arbeiten aus der Serie "Apart of me", in denen feingliedrige abstrakte Tuschefiguren expressiv, mitunter auch aggressiv, in ungegenständlichen Farbräumen agieren. Je nach Malgrund variieren die Kontraste. Denn auf den großformatigen Packpapieren verschwindet die Brillanz der farbigen Tuschen. Stattdessen dominieren erdige, warme Töne, die die schwarzen, teilweise schattierten Umrissfiguren aufnehmen. Auf den weißgrundierten Leinwänden erstrahlen die Farben, und der Kontrast zur schwarzen Zeichnung könnte kaum größer sein. Besonders ausdrucksstark erscheinen die kleinen Papierarbeiten im Kabinett, die seit 2009 entstanden sind. Denn aufgrund des kleinen Formats sind die farbigen Flächen reduziert und konzentriert, und die kleinen Figuren und Architekturzitate stehen vieldeutig und spannend im Bildraum.

Jacques Gassmann, 1963 in Heidelberg geboren, ist Autodidakt, der zunächst musikalisch arbeitete und sich dann auch der bildenden Kunst zuwandte. Er ist ein Suchender, der offen ist für Experimente. Schon früh interessierte ihn das Medium der Performance als Ausdrucksmittel. Neben der Musik beginnt er zu malen und probiert unkonventionelle Malmittel wie Schellack oder Malgründe wie Wellpappe. Auch Tinte und Tusche haben aufgrund ihrer Fließeigenschaften und ihrer Transparenz und Dichte ein Potenzial, das Gassmann ausschöpft. Während die Farbgründe auch dekorativ wirken, haben die in ihren Liniennetzen gefangenen Figuren mitunter etwas Martialisches an sich.

Ausstellung Sie ist bis zum 5. April 2010 im Fritz-Winter-Atelier, Forstanger 15a in Dießen zu sehen. Weitere Bilder von ihm zeigt die Galerie im Unteren Schloss in Pähl.

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