Eine Gruppe skurriler Figuren begrüßten die zahllosen Besucher im Kunstforum des Blauen Hauses. Der Bildhauer Gregor Oehmann hat sie von seiner Wirkungsstätte in Großaspach mitgebracht. Dagegen zeigt Beate Oehmann, Mutter des Bildhauers, übergroße, handbestickte Wandbehänge in der Ausstellung "rund und flach".
Weit über hundert Kunstinteressierte können sich nicht irren, so viele Besucher hatte die Vernissage zur Ausstellungseröffnung "rund und flach" der beiden Künstler Oehmann. Außergewöhnlich auch, dass die Besucher diesmal nicht mit langen Reden, sondern mit einem Kasperltheater von Gregor Oehmann unterhalten wurden. Zugleich führte Hausherr Jürgen Bahls die Künstlerin Annunciata Foresti als neue Kuratorin des Kulturforums ein.
Verletzlich wie dünne Fahnen im Wind, hängen sie vor den Wänden, könnten wegfliegen oder zerfallen, die großen Tücher der Kunsterzieherin Beate Oehmann. Nur noch Farbe, Komposition, Struktur, Gewebe und Gewicht kommen als Beschreibungskategorien in Betracht. Es ist in der Tat sehr genau hinzuschauen und hinzufühlen - zumindest gedanklich - will man hinter das Geheimnis kommen. Die Stoffe haben verschiedenen Charakter, sind dicker oder dünner, teils fest, teils luftig, teils steif, teils zart. Beate Oehmann gibt ihnen neues Leben, sie bedruckt sie, malt auch und montiert sie dann zu den Tüchern in riesigem Ausmaß. Meistens bekommen sie Partner, treten in Dialog mit Geschwistern, Kumpanen oder Spiegelbildern.
Die Künstlerin und ihre Arbeiten jedoch auf diese arglos-zwiespältige, angeblich erfreuliche Vordergründigkeit festzulegen hieße, sich einen sowohl genüsslichen wie auch aufschlussreichen Rundgang durch gedankliche wie materielle Vielschichtigkeiten, textile wie soziale Verstrickungen entgehen zu lassen.
Sehgewohnheiten bei textilen Mustern oder Formen stellt sie auf den Prüfstand, entblößt sie ihrer vordergründig schmückenden Aufgaben um für eigene Geschichten Raum zu schaffen. Dabei bleibt sie der Welt der textilen Materialien und Techniken treu, schafft sich jedoch ein eigenes Vokabular und Handwerkszeug.
Große Skulpturen beherrschen das Bild des großen Galerieraumes. Gregor Oehmann, der diesesmal Holz als seine Material erkannt hat, stellt das natürliche "Menschenbild" gegen das kommerziell geschaffene Zerrbild. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten steht die menschliche Figur und ihre Körperhaltung. In ironischen Brechungen, humorvollen Anspielungen und karikierenden Übertreibungen in den Skulpturen ist das Gegenständliche ein wesentlicher Ausdruck seiner verschiedenen Themen. Seine Figuren stimmen heiter und regen zum Nachdenken an. Die Weise, wie Oehmann mit der Formensprache umgeht, und seine Art, den Baum zu wählen, zu behauen, zu behandeln, die Formen zu ahnen, zu entwickeln, zu reduzieren, weisen Parallelen auf, die einer durch und durch konsequenten, integren und originären künstlerischen Haltung entspringen. Vermittels einer solchen Lesart wird aus Bildhauerei plötzlich Poesie und Prägnanz, mehr noch: Erzählung, Parabel, Vexierspiel und Komödie, denn aus Gregor Oehmanns Werk klingt eine Note delikaten Humors mit.
Info: Die Ausstellung "rund und flach" im Blauen Haus läuft bis 30. März und ist Donnerstags bis Sonntags von 15 Uhr bis 18Uhr zu sehen.
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