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16. Mai 2008 19:40 Uhr

"Samtfinger" und "Engel"

Dießen Die Erzählung der Liebesgeschichten großer Persönlichkeiten hat Konjunktur. Besonders gerne stürzen sich die Vortragskünstler auf die Schriftsteller, denn dort gibt es einen reichen Fundus an Briefen, Prosa und Lyrik. Elisabeth Regenhard indessen wählte mit Fréderic Chopin einen Musiker. Auch über diesen gibt es genügend Quellen, denn sein Leben spiegelt sich in den empfindsamen Briefen seiner Partnerin George Sand.

"Samtfinger" und "Engel"
Foto: ALFA

Interessiert lauschte das Publikum den bescheidenen Anfängen Chopins in Paris, wo er sich als Klavierlehrer durchschlug. Einer unter vielen: "Ich weiß wirklich nicht, ob es irgendwo mehr Esel und Virtuosen gibt als hier", zitierte sie aus einem Brief des Halbpolen Chopin.

Da kommt Liszts Einladung in einen Salon, welche die Begegnung mit George Sand arrangiert. "Ihr Gesicht ist mir nicht sympathisch, und sie hat mir überhaupt nicht gefallen", wird Chopin kurz darauf sagen. Doch die Sand, welche eigentlich Amantine Aurore Dupin heißt, hat Feuer gefangen.

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Hatte Elisabeth Regenhard bis dahin noch ein wenig bewölkt gelesen, gewann sie bei Sands "Gewissensbisse-Brief" an Pointierung. Die Hypothesen über die Mehrung von Chopins Glück, in denen die Sand verschiedene Beziehungskonstellationen des Komponisten durchspekulierte, wurden von der Münchner Schauspielerin mit angenehmer Stimme transparent gemacht.

Sands geradezu mathematisch genaue Argumentationsketten machten ebenso staunen wie ihre Bereitschaft, sich nötigenfalls von ihrer großen Liebe zurückzuziehen: "Ich möchte keineswegs die Rolle des bösen Engels spielen."

Die Illustration der aufkeimenden Gefühle Chopins oblag Wilhelm Ricchiuti. Grazile Läufe, die trotz ihres romantischen Liebreizes von einer kaum spürbaren Melancholie durchflort waren: Das ließ träumen, schwelgen und auch ungeheuer wach werden, denn Ricchiuti versteckte "zwischen den Zeilen" der Hauptmelodie ganz zarte Nebengedanken, von denen man natürlich keinen verpassen wollte.

Kurzweilig und spannend auch im zweiten Teil

Dankenswerter Weise hatte keiner der Protagonisten langwierige Passagen ausgesucht, und so blieb der Abend kurzweilig und spannend. Dies galt auch für den zweiten Teil, in dem Elisabeth Regenhard besonders die widrigen Wohnumstände des Mallorca-Aufenthaltes illustrierte.

Kurze Briefzitate Chopins lockerten die fesselnde Erzählung auf, zeigten sie den Komponisten doch als überraschenden Selbstironiker: "Der erste Arzt sagte, ich werde krepieren, der zweite, ich sei am krepieren, der dritte, ich sei bereits krepiert", schrieb Chopin über seinen Husten.

Besondere Dichte gewann Regenhards Skizzierung des Aufenthalts in der halb verfallenen "Kartause", die Chopin offenbar tief mit inneren Ängsten erfüllte. "Das Kloster war für ihn ein Ort der Schrecken und der Geister", resümierte George Sand, die ihren Partner abends oft "mit irrem Blick" antraf und ihn ein neues Prélude vorspielen hörte.

Ricchiuti beschränkte sich auf drei dieser kurzen Meisterwerke, und er spielte sie mit hingebungsvollem Herzen. Unheildräuend und doch feierlich brandeten Forti, ruhig und verschwebend ging es ins Piano: Atemlos lauschte das Publikum dieser stolzen, beredten Melancholie, geboren aus einer Mischung von sentimentalem Schmerz und gleichzeitiger Überklarheit des Geistes.

Das Gewitter kam passend zum Text

Wundersamerweise hatte sich just zum Ende des Konzerts ein heftiger Gewitterschauer über dem Augustinum entladen. Eine bessere Illustration zur Unwettersituation auf Mallorca hätte es kaum geben können.

Es war dies auch der Anfang der Entfremdung zwischen Chopin und Sand, und Regenhard las in geschickter Verknappung nur zwei Brief-Auszüge, in denen sich das einstige Paar in kühlen Zeilen mit "Sie" anredet.

Die wie trunken klingenden Anschläge der Polonaise As-Dur op. 53 setzten dann den passenden Schluss-akzent, dem als Zugabe noch Liszts "La Campanella" folgte. "Schließlich war Liszt an der Verbindung ja nicht ganz unschuldig gewesen", wie Regenhard maliziös feststellte.

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