Der Fraktionssprecher der Dießener CSU, Franz Sanktjohanser, legt dem Bürgermeisterkandidaten seiner Partei, Dr. Wolfgang Salzmann, nahe, seine Kandidatur niederzulegen und sein politisches Engagement zu beenden, "bevor er richtig begonnen hat, um nicht noch mehr Schaden anzurichten". Sanktjohanser, der seit 1978 CSU-Mitglied und seit 1990 Gemeinderat ist, verwahrt sich in einer Pressemitteilung gegen Kritik an der Gemeinderatsarbeit. Von Stephanie Millonig
"Als CSU-Gemeinderat distanziere ich mich auch im Namen mehrerer CSU-Mitglieder von den Veröffentlichungen im Internet unter www.wolfgang-salzmann.de und www.zukunft-diessen.de." Die letztgenannte Homepage wurde von Dießener Bürgern eingerichtet, die einen politischen Wechsel fordern, und sich für den CSU-Kandidaten Salzmann aussprechen.
Sanktjohanser betont die offene Arbeit im Gemeinderat, "die partei- und fraktionsübergreifend stattfindet". Dabei sei jeder frei in der Abstimmung und seiner Verantwortung verpflichtet. Er versteht nicht, warum Salzmann bemängle, dass 64 Prozent der Tagesordnungspunkte nichtöffentlich beraten werden. "Vertrags-, Personal- und Grundstücksangelegenheiten unterliegen dem Datenschutz und müssen nichtöffentlich verhandelt werden." Das gelte auch für Auftragsvergaben.
Dreimal angesprochen
Wie Sanktjohanser gegenüber dem LT sagt, sei er nicht von vorneherein gegen eine Kandidatur von Salzmann gewesen, habe dem in einer Vorstandssitzung im Frühjahr zugestimmt. Dreimal habe er Salzmann aber schon intern angesprochen und sich gegen dessen Kritik an der Arbeit im Gemeinderat verwahrt. Was Sanktjohanser missfällt, ist, dass sich Salzmann "Informationen zum Wahlkampf von einem Unterstützerkreis holt und dabei ohne Anstand und mit Arroganz Verwaltung, Bürgermeister, den gesamten Gemeinderat - damit auch die Ratsmitglieder aus den eigenen Reihen - als dumm, unfähig und als genötigte Ja-Sager abstempelt". Als ein Beispiel zitiert Sanktjohanser die Moosstraße. Hier sei Salzmann mit der Behauptung auf Stimmenfang gegangen, man hätte Streitigkeiten vermeiden können, "wenn ein vom Bürgermeister wohlbegründeter und entsprechend klar abgefasster Bebauungsplan aufgestellt worden wäre."
Sanktjohanser erläutert, dass der Gemeinderat über den Bebauungsplan entscheide, dessen zeichnerische und textlichen Festlegungen in Dießen meist der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München abfasst.
Sanktjohanser hat der CSU-Fraktion am Sonntag eröffnet, dass er gegen Salzmann an die Öffentlichkeit gehen wolle, wie der CSU-Ortsvorsitzende Markus Tafelmair bestätigt. Er betont, dass Sanktjohansers Meinung nicht die der Fraktion und nicht die des Vorstandes seien. Auf der Homepage von Salzmann könne er nichts entdecken, was nicht CSU-konform sei oder nicht mit dem Vorstand abgesprochen. "Wenn Franz Sanktjohanser etwas herausliest, bei dem er sich angegriffen fühlt, ist dies seine persönliche Meinung." Tafelmair ist auch über den Zeitpunkt der Veröffentlichung verärgert. Dr. Salzmann sei im Urlaub und könne sich selbst nicht äußern. Von der Unterstützergruppe will sich Tafelmair nicht distanzieren, betont aber, dass die Inhalte dort nichts mit der Arbeit der CSU zu tun hätten.
Er habe auch noch kein negatives Feedback zu Salzmann bekommen. Als Konsequenz werde er der CSU-Fraktion vorschlagen, sich schnell einen neuen Sprecher zu suchen.
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