Sonntag, 23. April 2017

Landsberg

05. Februar 2017 15:56 Uhr

Snowdance Filmfestival

Sehen und gesehen werden

Landsberg ist Filmstadt. Beim Speedcasting präsentieren sich Schauspieler einem Fachpublikum. Von Silke Feltes

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Beim Speedcasting im Sitzungssaal des Historischen Rathauses präsentierten sich 60 Schauspieler einem Fachpublikum.
Foto: Julian Leitenstorfer

Angst liegt in der Luft. Aufregung und eine Prise Hoffnung. Diese Mischung aus Schweiß, Ehrgeiz und Konkurrenzdruck. Dazu ist es fast unerträglich laut im Sitzungssaal des Historischen Rathauses, wo sonst der Stadtrat tagt. Heute sitzen dort junge Menschen, die Schauspieler sind oder werden wollen. Sie sitzen anderen, meist älteren Menschen gegenüber, die professionelle Caster sind, Regisseure, Produzenten oder andere „besetzungsrelevante“ Personen. Alle fünf Minuten ertönt eine helle, nicht überhörbare Hupe, dann rutschen die jungen Damen und Herren einen Stuhl weiter. Erneut heißt es, äußerste Konzentration, sich so gut wie möglich präsentieren und Eindruck hinterlassen. Womöglich wird eine Rolle daraus. Vielleicht sogar eine Karriere. Willkommen zum Speedcasting.

Landsberg ist Filmstadt in diesen Tagen. Im Begleitprogramm des Snowdance-Festivals gibt es, wie bisher jedes Jahr, das Speedcasting. Dahinter steckt der Kauferinger Thomas Bauer mit seinem Schauspielermagazin „castmag“, in Kooperation mit dem Münchner online Casting-Portal „castforward“. Die Kernidee stammt vom Speed-Dating, bei dem man innerhalb kurzer Zeit einen neuen, passenden Flirtpartner zu finden hofft. Dieses Prinzip wird mittlerweile auch bei Job-, Azubi- oder Wohnungssuchenden angewendet. Wieso also nicht auch für Schauspieler und Regisseure?

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„Es gibt so viele wahnsinnig gute Schauspieler, die einfach nicht gesehen werden“, sagt Thomas Bauer und erzählt wie er aus einem Scherz heraus im Jahr 2010 das Speedcasting – damals noch im Rahmen des Filmfestes München – ins Leben rief. Den ausgebildeten Marketingkaufmann, Schauspieler und Redakteur beschäftigte schon länger die Frage, was zu tun sei, um Schauspieler nicht in ständiger Konkurrenz aufzureiben, sondern, um sie zu unterstützen und zu fördern. Er hatte bereits einen eigenen Verlag gegründet, der Deutschlands einzige Fachzeitschrift für Schauspieler herausgab. Nun also das Speedcasting, finanziert von Sponsoren und kostenfrei für alle Schauspieler.

Dreimal fand das Speedcasting in München statt, dann startete 2014 die Kooperation mit Snowdance. Bauer: „Ich muss die Stadt wirklich loben. Wir haben hier ideale Bedingungen. Wie können heuer das komplette Rathaus nutzen, das Casting im Sitzungssaal, nebenan die Vorbereitungsräume, später das Get-Together im Herkomersaal, unten unsere Fotoausstellung. Ich bin begeistert.“ Tom Bohn, Mitbegründer und Organisator des Festivals, bezeichnet das Speedcasting gar als „Anfang für ein neues Denken, Fühlen und Miteinander.“ Ihm sei aufgefallen dass mehr und mehr Schauspieler sich zu Gruppen zusammenfinden und Filme selber gestalten und produzieren. Für ihn eine wichtige Entwicklung. „Eine super Sache“, findet auch Schauspieler und Produzent Heiner Lauterbach. Hier gehe es nicht darum, die nächste Hauptrolle zu besetzen, sondern gerade in der heutigen Zeit einen direkten Kontakt aufzubauen.

540 Schauspieler haben sich beworben, 60 von ihnen wurden per Online-Jury ausgewählt, beim Speedcasting teilzunehmen. In der Jury und im Rathaus am Samstagvormittag sitzen Casting-Größen wie Emrah Ertem (unter anderem verantwortlich für viele Til Schweiger Filme), Uwe Bünker (Bünker Casting), Alexander Ollig (Produzent bei der Bavaria) und Franziska Aigner, Casting-Direktorin und – so Heiner Lauterbach - „eine der besten Casterinnen Deutschlands“.

Fünf Minuten haben die einzelnen Paare Zeit, dann wird gewechselt. Fünf Minuten erscheinen viel in einer Zeit, wo oft der erste Eindruck zählt. Und doch verfliegen die fünf Minuten nur so und viele Paare können sich schwer lösen. Sympathie entscheidet wie so oft im Leben. Franziska Aigner steigt sehr freundlich ins Gespräch ein: „Ich lass mir gerne die Vita in eigenen Worten erzählen, was war und ist wichtig im Leben des Betreffenden, wo wollen sie hin?“ Sie stellt Fragen wie: „Wenn Sie sich selbst besetzen würden, welche Rolle würden Sie sich geben?“ Und: „Auf was hätten sie so richtig Lust?“ Aigner beurteilt ganz allgemein das Charisma und stellt sich selbst die Frage, will ich den oder diejenige wiedersehen?

Dem Regisseur und ehemaligen Kameramann Jörg Schneider (Rosenheim Cops) geht es ebenfalls hauptsächlich um die Ausstrahlung. Er stellt auch mal ungewöhnliche Fragen, um zu testen, wie die Probanden reagieren. „Super Vorauswahl hier“ lobt er, „von sechs Schauspielern würde ich fünf nehmen.“ Mittlerweile hat sich auch Heiner Lauterbach für die zweite Runde Castingrunde eingeschlichen und auf einen der Caster-Stühle gesetzt. Man sieht ihn lachen, erzählen und Schulterklopfen. Ob er jemand gefunden hat?

Thomas Bauers elfjährige Tochter Julina ist die Herrin der Hupe. Nach sieben Mal Stuhlwechseln gibt sie das Endzeichen und die Entspannung ist förmlich zu greifen. Aufregung weicht fröhlichem Lachen und einigen nachdenklichen Blicken. Jeder scheint sich zu fragen: Wie ich wohl war? Fünf Minuten Pause, dann kommen schon die Nächsten und alles beginnt von vorne.

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