Montag, 21. August 2017

Landsberg

28. Juli 2015 18:52 Uhr

Kreis Landsberg

Selbst die Spezialisten sind infiziert

Die viel beachtete Konservierung des Konzentrationslagers Kaufering VII steht kurz vor dem Abschluss.

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Mit jedem Haus, das man baut, wird die Arbeit leichter. Was der Volksmund konstatiert, gilt auch für die Sanierungsmaßnahme im ehemaligen KZ-Außenlager Kaufering VII an der Erpftinger Straße. Selbst ein erfahrener Architekt wie es Franz Hölzl einer ist, gibt zu: „Im vergangenen Jahr haben wir viel dazugelernt.“ Damals, im März, begann die bundesweit viel beachtete Konservierung der Tonröhrenunterkünfte, die es in diesem Erhaltungszustand nirgendwo anders mehr gibt. Jetzt steht das 700000 Euro-Projekt kurz vor dem Abschluss. Die Gebäude II, III und IV sind gesichert, und zwar so, dass sie auch künftig begehbar sind. Das ist eine der ersten Abweichungen von den ursprünglichen Plänen, denn eigentlich war man davon ausgegangen, dass man die diffizilen Tonröhrengewölbe von innen mit einer Gerüstkonstruktion dauerhaft gegen das Einstürzen sichern müsse. Ein Schicksal, das die Bauwerke I und VI bereits ereilte.

Dann hatte jedoch Restaurator Thomas Salveter (Bachhagel, Landkreis Dillingen) ) eine geradezu geniale Idee. Warum nicht die Decken, über die eine Betonverschalung gezogen wurde, mit Spezialdübeln daran aufhängen. Gesagt getan. Am ersten Gebäude, das noch am besten erhalten war – es diente nach dem Zweiten Weltkrieg kurzzeitig sogar als Getränkelager –, wurden nur zwei Betonstreifen über das Dach gezogen. Es folgten Gebäude III und II. Franz Hölzl: „Deren Zustand machte allerdings eine komplette Sicherung durch Beton nötig.“ Insgesamt wurden pro Unterkunft bis zu 500 Dübel gesetzt. Diese Arbeiten sowie die Sicherung der Tonröhren sind inzwischen abgeschlossen, nun sichert das Team um Thomas Salveter die Schildwände der eingefallenen Gebäude, also quasi die Giebelmauern, oder das, was davon noch übrig ist. „Dabei geht es darum, die Stellen mit einem Kalk-Zement-Gemisch zu verfüllen, dass schon damals beim Bau der Unterkünfte verwendet wurde.“ Damit werde man den Einsturz der Gebäudereste nicht verhindern können, doch „den Verfallszeitraum der Mauerreste deutlich verlängern“.

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Für Franz Hölzl sind Spezialisten wie Thomas Salvator, aber auch der Bauunternehmer Markus Heindl (Pähl/Fischen) von unschätzbarem Wert, die sich über die Maßen in solchen Sondermaßnahmen engagieren und damit identifizieren. Franz Hölzl: „Wenn das Team nicht passt, funktionieren solche Dinge nicht.“ Schließlich habe noch niemand zuvor solche KZ-Unterkünfte konserviert, die Fortschritte entspringen aus den gemachten Erfahrungen. Eine solche Baustelle sei wie ein Organismus, der sich immer wieder verändere und weiter entwickle.

Daher ist Hölzl auch froh, dass man mit dem am besten erhaltenen Gebäude angefangen hat und die gemachten Erfahrungen dann der marodesten Unterkunft jetzt am Ende zugutekamen. Zu diesem Kernteam rechnet er auch den Landsberger Manfred Deiler, der die Projektleitung übernommen hatte. Zu privaten Bauherrn hat der Architekt normalerweise keinen besonders guten Draht, „doch das Engagement von Manfred Deiler ist mit Geld nicht zu bezahlen.“

So kümmerte sich der Ruheständler und Vizepräsident der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung nicht nur um Fördergelder, den Kontakt zur Landespolitik und Wissenschaft, sondern er knüpfte auch Kontakte zur Mittelschule, deren Leiter Christian Karlstetter ein Denkmalprojekt an die Erpftinger Straße verlegte und mittlerweile eine Kernmannschaft von Schülern nennen kann, die den Archäologen im Lager VII regelmäßig zur Hand gehen. In diesen Tagen verfüllen sie zum Beispiel wieder die Fundamente einer freigelegten Heizkammer, die am Gebäude V angeflanscht war. Aus den einstigen verfallenen Resten eines der Außenlager des Konzentrationslagers Dachau wurde inzwischen durch die Konservierungsarbeiten ein multi-disziplinäres Projekt, das jetzt schon die eingesetzten finanziellen Mittel gerechtfertigt hat. Landeskonservator Dr. Bernd Vollmer zeigte sich bei einem Besuch gegenüber dem LT sehr zufrieden: „Das Projekt ist bisher einzigartig und hat uns viele Erkenntnisse gebracht.“

Nun geht es darum, zu entscheiden, wie man mit dem ehemaligen Außenlager VII nachhaltig weitermacht. Die Machbarkeitsstufe sollte dabei mehr als nur eine Entscheidungshilfe sein (siehe auch Bericht unten).

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Ein Artikel von
Dieter Schöndorfer

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Ressort: Lokalnachrichten Landsberg


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