Lastwagen könnten auf dem Gelände von Ilim Timber Bavaria auf Waggons verlagert werden Von Thomas Wunder

Landsberg Güter und Waren von der Straße auf die Schiene zu verlagern, dafür soll Transitects, das derzeit größte europäische Verkehrskonzept im Alpenraum, umsetzbare Lösungen finden. Im Rahmen des Projekts wurde ein Konzept für eine Rollende Landstraße von Landsberg nach Trient erarbeitet. Demnach könnten die Lastwagen von Spediteuren aus Oberbayern und Schwaben auf dem Werksgelände von Ilim Timber im Frauenwald auf Waggons verladen und dann gen Süden transportiert werden. Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen, doch nach Aussage der Beteiligten macht es große Fortschritte.
Bei einem Workshop im Landratsamt in Landsberg wurden die Pläne erstmals auch mittelständischen Spediteuren und Logistikunternehmen aus der Region vorgestellt. Koordiniert wird Transitects vom Logistik-Kompetenz-Zentrum (LKZ) aus Prien am Chiemsee. Die im Vorfeld ausgewählten acht Standorte konzentrierten sich bis auf München-Riem zwischen Augsburg und Landsberg – letztlich erfüllte aber nur das Gelände von Ilim Timber Bavaria im Frauenwald die Voraussetzungen. Allerdings müssen noch einige Details geklärt werden, wie LKZ-Geschäftsführer Karl Fischer sagte. Es gelte noch gut 25 offene Punkte abzuarbeiten.
Einen davon nannte Stadtkämmerer Manfred Schilcher: den Emissionsschutz für die Anlieger in Igling, Kaufering und im Landsberger Westen. Denn das Konzept sieht vorläufig vor, dass an den 230 Betriebstagen im Jahr pro Tag zwei Züge beladen mit 21 Lastwagen auf das Gelände ein- und ausfahren. Damit könnten pro Jahr bis zu 100000 Lastwagen von der Straße auf die Schiene verlagert werden. Innerhalb von 24 Stunden würden also 42 Lkw im Frauenwald an- und abfahren – auch früh morgens.
Aufwertung des Frauenwalds
Wie Manfred Schilcher bei einer Pressekonferenz im Anschluss an den Workshop sagte, steht die Stadt Landsberg dem Vorhaben positiv gegenüber. „Das wertet den Standort Frauenwald auf.“ Auch Landrat Walter Eichner sieht darin eine Chance für örtliche Unternehmen und eine Steigerung der Attraktivität des Wirtschaftsstandorts. Eine weitere Verbesserung erwartet Manfred Schilcher im kommenden Jahr. Denn bis dahin soll die Unterführung der Bahnlinie München-Lindau bei Igling fertiggestellt sein. Damit bestünde eine direkte Verbindung vom Frauenwald auf die Kreisstraße Igling-Kaufering und damit zur Bundesstraße.
Nicht zuletzt die Verkehrsanbindung im Frauenwald hat laut Karl Fischer in einer Machbarkeitsstudie überzeugt. Die geplante Elektrifizierung der Bahnstrecke Buchloe-Geltendorf im Jahr 2016 bedeute eine weitere Verbesserung. Zusätzliche Vorteile nannte Franz Dirnbauer vom Betreiber der Rollenden Landstraße Ökombi. Auf dem Gelände von Ilim Timber seien bereits Ladegleise und Zufahrtsstraßen mit Parkmöglichkeiten für Lkw vorhanden, zudem wären die Gleise für die speziellen Züge befahrbar.
Allerdings müsste laut Franz Dirnbacher auch kräftig in den Standort investiert werden. Er nannte einen Investitionsbedarf von gut 200000 Euro, unter anderem für die Versorgung mit Energie und Wasser. Negativ sei auch, dass die Züge nicht direkt aufs Gelände fahren können, sondern mit einer Diesellok vom Bahnhof in Kaufering aus beigestellt beziehungsweise abgezogen werden müssen. Nur maximal zwei bis drei Zugpaare pro Tag seien im Vergleich zu anderen Standorten – in Bayern gibt es eine Rollende Landstraße von Regensburg nach Trient – eher wenig.
Auslastung erhöhen
Dr. Ekkehard von Bodelschwingh, Leiter Logistik Rundholz bei Ilim Timber Bavaria in Landsberg, sieht durch das Projekt Synergieeffekte für sein Unternehmen, betont aber, dass das Kerngeschäft davon nicht beeinflusst werden soll. Mit der möglichen Verladestation auf dem Gelände im Frauenwald könnte die Auslastung deutlich erhöht werden. Denn größtenteils werde das Rundholz mit Lastwagen angeliefert. Auch das im Werk gefertigte Schnittholz werde vor allem mit Lkw ausgeliefert. Der Transport von Hackschnitzel erfolge per Zug.
Karl Fischer und Franz Dirnbauer ziehen nach dem Workshop zwar ein positives Fazit, wissen aber auch, dass es noch einige Hürden aus dem Weg zu räumen. So fehlen zum Beispiel derzeit auch die Waggons auf denen die Lastwagen transportiert werden können.
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