Utting Es ist schon eine Weile her, dass die große Strickwelle durchs Land brandete. In Bussen, Bahnen, Hörsälen, bei Parteiversammlungen und Bildungsdebatten - überall klapperten die Nadeln. An jeder Straßenecke entstand ein Wolllädchen. Und die Orthopäden registrierten Sehnenscheidenentzündungen und überanstrengte Handgelenke … Ist es jetzt wieder so weit? Eine Nachfrage nach dem Handarbeitsnachmittag im Uttinger Bürgertreff gibt es auf jeden Fall. Dort trifft man sich seit Ende des vergangenen Jahres alle zwei Wochen. Es gibt Kaffee und Kuchen, eine Kerze brennt.


Heute hält sich die Teilnehmerzahl in Grenzen, nur drei "Stammstrickerinnen" sind gekommen. Alle drei aus Dießen, weil es dort keine Einrichtung wie den "Bürgertreff" gibt, also auch keinen Handarbeitsnachmittag. Ellen Regier: "Vor Weihnachten waren noch drei, vier Frauen mehr hier, die zum Teil noch Geschenke zu Ende gestrickt oder gehäkelt haben", sagt sie.
Wolle von Angorakaninchen
Eine, die von Anfang an dabei ist, ist Leni Lachner aus Holzhausen. Sie hat ihr Leben lang gehandarbeitet, früher sogar gesponnen. "Das Spinnrad habe ich noch", erzählt sie. "Die Wolle kam von eigenen Schafen und von unseren Angorakaninchen. Die haben wir selbst geschoren, dann wurde das Material weggeschickt und kam als Wolle zurück. Dann hat der Vater weiche lange Unterhosen gestrickt bekommen."
Sie erinnert sich auch noch an eine Strickmaschine, die aber schnell in die Ecke gestellt wurde. "Die war so laut, und man konnte auch nur gerade Stücke stricken." Jetzt nadelt sie an einem großen wollweißen Teil. Pullover? Nein. Ein Minirock, der zweite schon. "Den tragen die Schwiegertöchter über den Jeans. Die sind ganz begeistert."
Am liebsten Puppenkleider
Helma Schmidt: "Ich find's einfach schön, so zusammenzusitzen. Und man schafft auch mehr. Zu Hause bleibe ich nie so lange am Strickzeug wie hier." Die dunkelrote Mütze ist bald fertig. Ellen Regier strickt auf vier Nadeln einen dunkelblauen Schlauch. "Ich weiß noch gar nicht, was das wird", lacht sie, "Ich mach einfach weiter." Alle sind sich einig: Am liebsten stricken sie Sachen für Kinder, noch lieber: Puppenkleider. Geht schön schnell und ist niedlich. Die Initiatorinnen des Nachmittags - Marieluise Sonnhof und Ellen Regier - wünschen sich noch regere Beteiligung. Und noch vielfältigere Handarbeiten wie sticken, häkeln oder nähen. Dann könnte man sich austauschen. Im Wechsel mit dem Handarbeitsnachmittag gibt es alle 14 Tage einen "Kreativtreff", bei dem gebastelt, gemalt oder geknetet wird. Kinder sind willkommen und können mitwerkeln.
Termine Die Treffen sind immer donnerstags von 15 bis 16.30 Uhr. Der nächste Handarbeitsnachmittag ist am 27. Januar. Am 3. Februar wird gewerkelt. Ort: Bürgertreff "17 und Wir" in der Bahnhofstraße 17, Utting. Infos bei Marieluise Sonnhof 08806/2458 und bei Ellen Regier 08807/1223.
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