Die Polizei hat am Donnerstagabend in Walleshausen ein umfangreiches Waffenlager ausgehoben, nachdem der Hauseigentümer, ein 54-jähriger Mann, verhaftet worden war.
Ihm wird laut Polizei der Versuch einer räuberischen Erpressung vorgeworfen. Laut Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer hat er einen ehemaligen Arbeitgeber schriftlich mit dem Tod bedroht und Geld gefordert. Der Mann wurde schon mehrfach auffällig, in Transparenten vor seinem Haus bringt er seit Jahren sein Misstrauen gegen den Staat oder Nachbarn zum Ausdruck.
Sein Sohn wurde vor einem Jahr beim Herumexperimentieren an alten Kriegswaffen schwer verletzt. Beamte der Kripo Fürstenfeldbruck und Spezialeinheiten aus München gelangten über ein Fenster in das Haus, da die Tür verbarrikadiert war.
Der 54-Jährige bedrohte die Polizisten mit einer Lanze, konnte aber überwältigt werden. Er befindet sich jetzt in Untersuchungshaft. Seine Frau verletzte sich an herumliegenden Glassplittern und wurde ins Krankenhaus gebracht. Ein scharfer Schuss sei nicht abgegeben worden, sagt Kammerer zu Berichten über einen "Knall".
Raffinierte Verstecke im und am Haus
Die Beamten durchsuchten das Haus, um Beweismittel für die räuberische Erpressung zu finden und stießen dabei auf das Waffenarsenal. Die Durchsuchung gestaltete sich laut Kammerer schwierig, da auf dem Anwesen und im Haus wenig Ordnung herrschte und die Waffen auch in bewusst konstruierten Verstecken untergebracht gewesen seien, beispielsweise hinter zweiten Schrankwänden oder in mit Holz abgedeckten Vertiefungen außen in der Hauswand.
Außerdem habe man vorsichtig vorgehen müssen, da mit explosiven Materialien zu rechnen gewesen sei. Die genaue Bestimmung der Waffen wird noch geraume Zeit dauern. Klar ist laut Kammerer, dass es sich bei den drei gefundenen Pistolen um Waffen handelt. Inwieweit neben dem Verstoß gegen das Waffengesetz auch einer gegen das Sprengstoff- oder das Kriegswaffenkontrollgesetz vorliegt, müssen die weiteren Ermittlungen erst noch ergeben.
Bei einigen Langwaffen könnte es sich auch um sogenannte Dekowaffen handeln, die man an die Wand hängt, so Kammerer. Ein Waffenspezialist müsse dies abschließend klären. Kammerer ging gestern davon aus, dass die Durchsuchung erst in der kommenden Woche abgeschlossen werden könne.
Das Anwesen werde daher über das Wochenende versiegelt. Über den Beschuldigten gibt es laut Kammerer bei der Polizei schon eine Reihe von Vorgängen, beispielsweise wegen Beleidigung. Im Sommer 2008 sei er zudem zu einer Bewährungsstrafe wegen unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt worden.
Kurze Zeit später, im August, hatte sich sein damals 24-jähriger Sohn bei einer Explosion in einer Garage lebensgefährliche Verletzungen zugezogen. Er und ein 17-jähriger Freund hatten an einem Flakgeschoss aus dem Zweiten Weltkrieg herumexperimentiert.
Der nun Verhaftete fühlt sich offenbar vom Staat verfolgt, wie er in einem Transparent äußert, und von Nachbarn bedroht. Umgekehrt hielten auch eine Reihe von Walleshauser Bürgern den Mann, der wenig Kontakt zur Dorfgemeinschaft hatte, für schwierig. Laut Kammerer ist die Schuldfähigkeit des 54-Jährigen schon einmal überprüft worden. Zum Ergebnis konnte der Polizeisprecher keine Angaben machen. Stephanie Millonig