Sonntag, 17. Dezember 2017

Landsberg

28. Januar 2012 23:00 Uhr

Serie (Teil 2)

Versunkenes Schloss und weiße Fräulein

Viele Sagen am Lechrain drehen sich um seltsame Erscheinungen, Geister und andere Spukereien

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LechrainDie Zeit, in der’s früh dunkel wird und sich düstere Gedanken schnell einnisten – diese Zeit ist die beste, um sich am warmen Feuer Gruselgeschichten zu erzählen. Unheimliche Sagen, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden, gibt es zur Genüge aus dem Lechraingebiet. In einer Serie stellt das LT einige dieser Sagen vor. Im heutigen Teil geht es um den Spuk im Westerholz und andere seltsame Erscheinungen.

Eines vorweg: Es gab im Laufe der Zeit viele Menschen, die nicht wollten, dass die alten Geschichten vergessen werden. Sie hielten sie schriftlich fest. So beispielsweise Karl Freiherr von Leoprechting, der durch seine Aufzeichnungen in unserer Region längst ein Begriff ist, (Näheres siehe Infokasten) und von dem in dieser LT-Serie noch einiges zu lesen sein wird. Aber auch andere befass(t)en sich mit der Thematik: Im Buch „Sagen und Märchen aus dem Bayerischen Oberland“ (erschienen 2011 im Husum-Verlag) hat Autorin Gundula Hubrich-Messow viele Geschichten aus verschiedenen Quellen zusammengetragen. Leoprechting wird darin (ausnahmsweise) nicht genannt. Dafür viele andere, die Texte über alte Sagen verfasst haben – beispielsweise Alexander Schöppner, geboren 1820 in Fulda, gestorben 1860 in München. Er war Pädagoge und Schriftsteller und bekannt als Sammler bayerischer Sagen.

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Fersengeld zur Nachtzeit

Im „Spuk“-Kapitel des Buches von Hubrich-Messow sind einige von Schöppner niedergeschriebene Sagen zu finden. Eine davon spielt im Westerholz zwischen Kaufering und Scheuring, in der Nähe der Burgruine Haltenberg.

Die Erzählung geht so: „Die Befestigungsspuren im Westerholze, welches sich zwischen dem Dorfe Kaufering und dem alten Ritterschlosse Haltenberg ausdehnt, nennen die Leute ’Burggräben’, und sowohl der Name als diese Gräben selbst weisen auf eine alte Burg hin. Das Volk sagt, hier sei vormals ein Schloss gestanden, welches versunken ist. Deshalb habe man schön öfters weiße Burgfräulein gesehen, und Leute, welche zur Nachtzeit vorübergehen mussten, haben allerlei Spuk vernommen.

Hochbetagte Leute erzählen noch, wie einmal ein Mann aus Kaufering zur Nachtzeit vorbeigegangen sei und am Eingange in diese Verschanzungen drei weiß gekleidete Fräulein gesehen habe, welche ihm bedeuteten, er solle hereinkommen. Der Mann aber sei mutlos geworden, habe Fersengeld gegeben und sei voll Angst nach Hause gerannt.“ Doch damit noch nicht genug des Spuks, Schöppner berichtet weiter: „Ein anderer Mann aus Scheuering soll ebenfalls die Erscheinung eines solchen Fräuleins gehabt haben, derselben aber nicht gefolgt sein, sondern sich mit dem Spruche entfernt haben: ’Alle guten Geister loben Gott den Herrn, was ist dein Begehren?‘ Dieser Mann hatte sich nämlich eines frühern Vorkommens erinnert, wo ein Vorübergehender von dem Fräulein in die Burg gelockt worden, viele wunderbare Dinge gesehen hätte und mit Geld beschenkt worden wäre. Schwer beladen sei der Mann nach Hause gezogen, aber am andern Morgen habe er in der Kiste, worin er dieses Geld aufbewahrte, nichts als dürftiges Laub gefunden (...)“

Die Kiste voll Laub und der unterirdische Gang

Auf einer anderen Seite des Westerholzes, in südöstlicher Richtung, so berichtet Schöppner weiter, hat man ebenfalls seltsame Dinge wahrgenommen. „Hier steht am Eingange in den Wald, neben dem sogenannten Lechweg, eine Martersäule, die vor mehr als hundert Jahren schon zum Andenken an einen grausamen Mord gesetzt worden sein soll. Da erzählen nun alte Leute, dass hier ein unterirdischer Gang laufen müsse, weil man schon öfters unter der Erde ein großes Geröll, bald wie das Rauschen eines Stromes, bald wie das Knarren eines schweren Wagens oder auch wie das Getön eines Donners, gehört hat. Es sind noch keine 30 Jahre, als einige Männer von Kaufering in ihr Dorf zurückkehrten und erzählten, wie sie dieses Getös vernommen hätten (...).“ Ein anderer Mann habe sogar behauptet, unter ihm habe der Fußboden gewankt – so schließt Schöppner diese Geschichte.

Eine liebliche Frucht und ein kleines Lichtlein

Und er weiß noch von einem weiteren Spuk in Kaufering zu berichten – in der Geschichte „Lichtlein unter dem Apfelbaume“: „Unterhalb des Dorfes Kaufering stand ein schöner Apfelbaum, welcher eine Frucht trug, die ein rötliches Fleisch hatte und sonst gut zu essen war. Die Knaben des Dorfes wurden natürlich durch diese Frucht angereizt, den Baum zu besteigen, aber sie getrauten sich nicht allemal; denn man sah vorzeiten unter diesem Baume zur Nachtzeit ein Lichtlein wandeln, das offenbar die Anwesenheit eines Geistes bedeutete.“

Laut Schöppner „ging die Sage, dass hier einmal ein altes Weiblein verhungert sei und nun auf Erlösung aus dem Reinigungsorte harre, welche sie wahrscheinlich von einem Vorübergehenden zu erlangen hoffte. Man erzählt noch immer von diesem Lichtlein, obschon der Baum nicht mehr steht. Aber das Lichtlein selbst wird auch nicht mehr gesehen.“

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Schlagworte

Kaufering | Fulda | München | Scheuring

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Ein Artikel von
Regina Miller

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Ressort: Lokalnachrichten Landsberg


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