Landsberg "Kunst ersetzt uns den Psychiater." Ein kluges, ja ein weises Wort hat Nathalie Robinson ihren kleinen und großen Musikschülern da in den Mund gelegt. Gefallen ist es in dem Musical "Die Waisen von Vaudeville", das im Landsberger Stadttheater seine Uraufführung erlebte. Das Musical stammt - natürlich - aus der Feder von Nathalie Robinson, einer Vollblutmusikerin mit reicher Phantasie, unzähligen Ideen und einem Musikstudio, in dem sie die Ideen mit ihren Schülern ausprobiert und einstudiert. Das neueste Werk aus ihrem Kopf ist die Geschichte von Kindern in einem Waisenhaus, die urplötzlich auf die Straße gesetzt werden und fortan ihr Leben in die eigenen Hände nehmen (müssen) - bis sie "entdeckt" werden.
Der Zuschauer erlebt das aus der Sicht eines damals dabei Gewesenen. Ein ganz reizender, cool mit Pfeife hantierender Geschichtenerzähler (Stephan Ziegler) schildert da immer wieder zwischendurch, wie es zuging in seiner Kindheit. Der Vorhang öffnet sich, und die Szenen, die sich zunächst auf einer notdürftig als Unterkunft eingerichteten Baustelle, später im Theater zutragen, werden gespielt, von Kindern und Jugendlichen, die wirken, als hätten sie bereits Bühnenerfahrung hinter sich. Sie singen und tanzen, bringen ihre Talente wie Geige oder Mundharmonika spielen als Straßenmusiker und im Rahmen einer französischen Revue im Theater ein und singen ohne mit der Wimper zu zucken, die Texte von lustig nachdenklich bis skurril zu eingängigen, von Nathalie Robinson auf dem Klavier begleiteten Melodien.
Hitverdächtig ist beispielsweise im zweiten Teil der Geschichte, als die Kinder im Theater auftreten dürfen, die Vogelhochzeit, wie sie die Musiklehrerin feiern würde. Da trampeln Ohrwurm und Sündenbock, Partylöwe und Pistensau, Schluckspecht und Schnapsdrossel von einem Fettnäpfchen ins andere - und "die Zeitungsente berichtet in ihrer Glosse, die Vogelhochzeit war eine einzige Posse". Was Kindern alles einfällt, "Wenn unsere Eltern ausgeh'n" und sie allein zu Hause sind - hoffentlich haben die kleinen Zuschauer ihre Ohren da nicht allzuweit offen gehabt, ein paar der auf der Bühne vorgebrachten Anregungen waren recht heiß. Die Nachwuchsmimen rapten und rockten, sangen von Sudokus und vom Waisentraum. Die Harmonie "in der Stadt" wurde wieder und wieder beschworen - ein Schelm, wer dabei an Anspielung denkt. (löbh)
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