Zum 25. Mal kommen Teilnehmer aus dem Ausland nach Herrsching

Unterbeuern, Oberbeuern Beide sind nach Deutschland gekommen, um die Situation der Jugendlichen auf dem Land in ihrer Heimat zu verbessern: Theodore Nsabimana aus Ruanda und Guilherme Mattoso aus Brasilien. Sie gehören zu den 70 Teilnehmern des alle zwei Jahre stattfindenden Internationalen Workshops für Führungskräfte der Landjugendarbeit, der noch bis Ende Juli in Herrsching stattfindet.
Den Gästen aus 40 Ländern wird neben theoretischen Seminaren auch Praxis vermittelt: Am Sonntag besuchten der Ingenieur Nsabimana aus der Hauptstadt Kigali und der Journalist Mattoso aus Rio de Janeiro die Familie Happach in Oberbeuern. Bei einer Führung durch die Ställe erfuhren die beiden, wie ein bayerischer Bio-Bauernhof betrieben wird.
Die Verständigung lief auf Englisch, Bauersfrau Katharina Happach übersetzte. „In Ruanda haben die Bauern viel weniger Fläche, um die fünf Hektar, und eine Kuh gibt nur etwa vier Liter Milch am Tag“, erzählt der 33-Jährige. Bei Bauer Happach produziert eine Kuh im Durchschnitt 16 Liter Milch am Tag, erfährt Nsabimana.
Die Happachs stellten vor einiger Zeit auf „Bio“ um. Für die biologische Landwirtschaft, jenseits der Massentierhaltung, interessiert sich der Brasilianer Mattoso besonders. Zu Hause in Rio arbeitet er für eine Nicht-Regierungs-Organisation, die sich speziell für Jugendliche in ländlichen Gebieten einsetzt: „Wir zeigen den Jugendlichen, wie man selbstständig einen kleinen Betrieb führt. Wie man Gemüse, Obst oder Kakao anbaut.“ Alles in kleinem Umfang und in Bio-Qualität.
Die Umwelt mit Chemikalien verpesten
„Die Großproduzenten machen in Brasilien Regenwälder kaputt und verpesten die Umwelt durch Chemikalien“, berichtet der Journalist. Er reist von Dorf zu Dorf und hilft den Jungunternehmern eine Internetseite einzurichten, organisiert kulturelle Veranstaltungen vor Ort und hat einen Blog gegründet.
Auch sein Kollege aus Ruanda arbeitet mit Jugendlichen. Er hilft jungen Männern einen Job auf dem Bau zu bekommen. In Deutschland interessiert ihn vor allem die Bauweise der Stallungen. Er möchte Anregungen für die Arbeit zu Hause bekommen. Dort werden jedoch andere Materialien verwendet, wie Blech, Holz und Ziegel, erzählt Nsabimana. Fasziniert war der Ingenieur auch von der vollautomatischen Melkmaschine des benachbarten konventionell betrieben Hofs von Norbert Graf in Unterbeuern. Hier muss die Kuh nur in einen abgetrennten Bereich treten, die Melkschläuche legen sich automatisch an, der Computer zeigt den Milchfluss auf.
Später, beim gemeinsamen Mittagessen, wollten die Happachs noch etwas über das Leben in Ruanda erfahren. Diesmal half eine gebürtige Irin bei der Übersetzung. „Im Moment ist es friedlich“, so Nsabimana.
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