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22. Dezember 2008 19:05 Uhr

Von Damasia und anderen Geschichten

Dießen Einst erhob sich am (anstelle?) des Ammersees eine stolze Stadt namens Damasia, in der zerstrittene Schwestern hausten. Die Ältere sorgte dafür, dass die Stadt in den Fluten des Sees unterging. So weiß es zumindest die Sage, die nach Gisela Schinzel-Penth noch im 19. Jahrhundert erzählt wurde in Dießen, dem Ort, der der Überrest der einstigen großen Stadt sein soll. "Sagen und Legenden um Werdenfelser Land und Pfaffenwinkel" nennt sich das 291 Seiten starke Buch, in dem die Autorin viele Erzählungen aus der Region gesammelt hat. Von Stephanie Millonig

Und gerade jetzt, in der Weihnachtszeit, in der für die Altvorderen übernatürliche Mächte am stärksten zu spüren waren, lesen sich die Erzählungen von Wilder Jagd, Percht und Moorgeistern besonders gut.

Aus der Sammlung von Karl Freiherr von Leoprechting aus Pöring sind ebenso Erzählungen zu finden, wie vom Dießener Volkskundler Bruno Schweizer oder aus den Sammlungen des ehemaligen Landrats Bernhard Müller-Hahl.

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Im Ammermoos hausten die "fuirigen Mand"

Viele der Erzählungen muten bekannt an: Die Gruselgeschichten von der wilden Jagd, die von Allerheiligen bis Heilige Drei Könige über den Nachthimmel jagt, oder über das Brauchtum des Perchtengehen um den Heiligdreikönigstag herum. Und es gibt natürlich Geister aller Art: Um Fischen, Pähl und Raisting trieben die Feuermänner, "die fuirigen Mand" wie Bruno Schweizer eine Einheimische zitiert, ihr Unwesen. Außer Glühen und Feuersprühen taten diese Wesen den Menschen aber offensichtlich nichts. 79 Anmerkungen, wie die von Schweizer, finden sich in Schinzel-Penths Buch, Anmerkungen, die kurze Erläuterungen oder weitergehende Zitate bieten.

Historische Erzählungen und Volksaberglaube

Freilich wünscht man sich als Leser noch mehr Einordnung und Definition der Geschichten, die von der Darstellung realen Brauchtums, historischen Erzählungen bis zum Volksaberglauben reichen.

Und sogar Narrengeschichten gibt es über die Stadt Weilheim: Erzählungen, die eine ganz andere Sprache sprechen wie die Geistergeschichten.

Und man liest verwundert über Sagengestalten, die man hier gar nicht vermutet, neben den Zwergen, Erz-fräulein und Venedigermandln, unglücklichen Burgfräulein, die als weiße Frauen durch die Vollmondnacht wandeln oder ehemalige Bösewichte, die umgehen müssen, bis ein guter Mensch sie aus ihrem Geisterdasein holt. Gestalten, die man in ganz Europa antreffen dürfte und die auch das Panoptikum der bayerischen Sagenwelt bevölkern. Aber Geschichten von Werwölfen vermutet man eher in den Karpaten und Elfen im hohen Norden. Aber im gesamten Alpenraum soll es Erzählungen von einem "besonderen, andersartigen Volk, das seine Heimat in versteckten Tälern und abgelegenen Hochebenen in den Bergen hat", geben, verrät Schinzel-Penth. Und aus Zaumberg im Allgäu weiß sie von der Entlarvung eines "Wolfgängers", also eines Werwolfs zu berichten.

Die weinende Madonna im Marienmünster

Weniger schwarze Magie denn ein Zeichen des Himmels gibt die Geschichte von der weinenden Madonna von Dießen wieder. Einem strengen Bischof war die Darstellung einer Marienfigur im Stile des Barock zu weltlich, sodass er sie entfernen lassen wollte.

Doch die Madonna hatte plötzlich Tränen auf der Wange und durfte bleiben. Schinzel-Penth liefert in ihrem Buch nicht nur die vom ehemaligen Kirchenpfleger Wolfgang König zur Verfügung gestellte Fotografie, sondern auch einen LT-Bericht, der 2007 eine ganz schnöde Erklärung für das "Wunder" hatte, wieder: Der Madonnenfigur war Wasser auf die Wange getropft.

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