Kritische Worte zum Wandel in der Landwirtschaft

„Die drei Säulen der landwirtschaftlichen Energieerzeugung – aus der Sicht des Maschinenring-Vorsitzenden“ lautete das Thema eines Vortrags, den Christian Leis auf dem Jahrtag der Bauernbruderschaft hielt. Und aufgrund eigener Erfahrungen seiner 15-jährigen Vorstandszeit im Maschinenring sparte er dabei auch nicht mit Kritik. Seine Begründung: „Grundsätzlich hat sich die Landwirtschaft von der reinen Nahrungsmittelerzeugung schleichend weg entwickelt zur Energieerzeugung.“ Diese stehe mittlerweile auf drei Säulen.
„Zunächst war es das Holz als Brennstoff in Form von Scheiten, das aber technisch bald überrollt wurde und als Hackschnitzel Einzug fand in großen Anlagen, die ganze Stadtteile versorgen“, erklärte Leis. Die Folge: Mittlerweile sei Holz Mangelware.
„Die zweite Säule“ so Leis weiter, „ist die Erzeugung von Strom mittels Fotovoltaik.“ Für die Landwirte „eine echte Erfolgsgeschichte. Denn große Dachflächen und gute Beleihungswerte haben es ermöglicht, ohne jeglichen Arbeitseinsatz und ohne den Betriebsleiterfaktor Vorratswirtschaft zu betreiben. Nach spätestens zehn Jahren sind selbst hundertprozentig finanzierte Anlagen getilgt und es entsteht reine Kaufkraft.“
Als „dritte Säule“ bezeichnete Leis das Biogas. „Bayernweit erzeugen rund 2000 Anlagen eine Leistung von 0,5 Gigawatt.“ Allerdings würden damit bereits 200000 Hektar Futterfläche gebunden. „Für uns Landwirte ist die Biogaserzeugung jedoch völliges Neuland, was die Dimension und die Investition angeht.“ Anlagen, die 300 bis 400 Hektar Anbaufläche und einen Kapitalbedarf von drei bis vier Millionen Euro erfordern, seien nicht mehr mit einem Stallbau für 100 Kühe zu vergleichen, wobei aber die Last auf gleich vielen Schultern liege. Leis: „Natürlich weiß ich, dass die Kalkulation Biogas sehr verlockend ist und dass viele Anlagen sehr gut laufen. Wir haben aber auch Kunden, mit denen wir keine Geschäfte mehr machen.“
Auf der anderen Seite machten Kapriolen auf dem Pachtmarkt den reinen Nahrungsmittelerzeugern schwer zu schaffen. „Kalkulationen, die fast nur noch auf Bauchgefühl und Emotionen beruhen, schaffen auf Jahre hinaus Verwerfungen unter Berufskollegen, die nicht nötig sind.“
Deshalb sein Rat an die bäuerlichen Kollegen: „Durch den Zukauf von Substrat, für den es gute Beispiele im Landkreis gibt, kann diese Problematik – auch durch neutrale Vermittlung seitens des Maschinenrings – deutlich entschärft werden.“
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: