Landsberg "Ich habe da zurzeit zwei neue medizinische Baustellen", entschuldigt sich Klaus Kreuzeder zu Beginn seines Konzerts im Landsberger Stadttheater. Aber sich von einer Krankheit bestimmen lassen - das ist nicht sein Ding, das hat er sein ganzes Leben lang nicht.

VOn Stefan NOwicki
Mit eineinhalb Jahren erkrankte er an Polio. Zur Stärkung seiner Lungen gab man ihm eine Blockflöte. Später entschied er sich für das Saxophon und mit 16 begann er eine erstaunliche Musikerlaufbahn. Nicht zum ersten Mal ist Kreuzeder in Landsberg und die zahlreichen Freunde seiner Musik, die sich im Stadttheater versammelt hatten, wollte er nicht enttäuschen. Sein Programm "Best of Kreuzeder" hat durchaus Vorteile, so bekennt er schmunzelnd, "da kann ich spielen, worauf ich Bock habe. Und da es mir nicht gut geht, suche ich mir eben Stücke aus, für die ich nicht so viel Puste brauche." Die Stücke, die er spielt, offenbaren einige Facetten seines Musikerlebens. Einst wurde der heute 59-Jährige von der Poplegende Stevie Wonder in einer Fußgängerzone entdeckt. Seitdem stand er mit nahezu allem, was Rang und Namen hat auf der Bühne. Das spiegelt sich im Programm wieder, da sind Stücke von Sting, Klassiker, neu arrangiert vom Jazzpianisten David Gazarov, der zurzeit mit den Klazz-Brothers tourt und sich einen gewichtigen Namen in der Welt des Jazz geschaffen hat. Der von ihm arrangierte Evergreen "What a beautiful world" wird zu einem neuen Stück und die klaren Tonfolgen, die Klaus Kreuzeder dazu improvisiert sind wunderschön. Kreuzeder gibt dem Saxophon eine andere Dimension. Denkt man allgemein beim Saxophon eher an Quietschen, Schreien oder erdige Töne, so zeigt Kreuzeder, dass es ganz anders geht. Nicht selten ist der von ihm gespielte Klang geradezu poetisch. Dazu kommen kleine Schnörkel, Triller und nicht zuletzt unglaublich lange angehaltene Töne, die er wie ein Didgeridoo-Spieler durch ausgefeilte Atemtechnik zustande bringt. Auch wenn er aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes das Programm im Stadttheater kürzer hielt als vorgesehen gelang es ihm doch, alle zu begeistern. Und seine Freude an der Musik und über die "vorbildliche Betreuung durch die Crew des Stadttheaters" auszudrücken. Auch wenn es ihm schwer fiel, ließ er sich zu einer Zugabe hinreißen und erntete lang anhaltenden Applaus von einem dankbaren Publikum, das es teilweise nicht auf den Sitzen hielt.
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: