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29. November 2008 05:40 Uhr

Wenn Schlüssel den Che formen

Dießen (rg) - Volles Haus bekam der Kunsthistoriker Dr. Thomas Raff bei seinem Vortrag zum Thema "Die Sprache der Materialien" im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Goys Letzte Montage" im Dießener Kultcafé. Obwohl Veranstalter Sebastian Goy um das große Interesse in einem traditionell und aktuell mit Kunst verbundenen Ort wie Dießen wusste, zeigte er sich doch angesichts des eher spröden Themas überrascht von der Besucheranzahl.

Raff, Professor für Kunstgeschichte an der Universität Augsburg, sprach über das Thema seiner Habilitationsschrift. An dieser hatte Raff lange gearbeitet, unzählige Bücher waren zu lesen und dabei war die Ausbeute an Aussagen zum Material von Kunstwerken vor 1900 und dessen Bewertung für das Kunstwerk oft sehr spärlich. Die Kunsthistoriker hätten sich damit nicht beschäftigt, auch große Inschriften an Kunstwerken seien schlicht ignoriert worden, erzählte Raff. Die Bewertung sammelte er in Texten über das Werk, beispielsweise Eröffnungsreden oder Legenden.

Für die Verwendung eines Materials, sei es nun Bronze, Eisen oder Granit, spielt seine Symbolik in der jeweiligen Zeitepoche eine Rolle. Ob es eine Bedeutung bekommt, hängt entscheidend davon ab, warum es verwendet wurde, wie ein aktuelles Beispiel Raffs zeigte: Im Sommer wurde über ein Denkmal des Revolutionärs Che Guevara berichtet, zu dessen Herstellung Bürger 175 000 Schlüssel und andere Objekte abgegeben haben. Deklariert wurde es als Bronzedenkmal. Denn eine Tradition zu Statuen sagt: "Ein ordentliches Denkmal ist aus Bronze, früher auch Erz genannt." Die Bronze stehe für die Unvergänglichkeit. Eine weitere Tradition gibt hier dem Material eine zusätzliche Bedeutung: Die Figur des Volkshelden entsteht aus Gaben aus dem Volk.

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Ein anderer Fall der Wiederverwertung ist die Verwendung von Beutegut aus Kriegszügen. So wurden eingeschmolzene Kanonen aus erbeuteten Kriegsgut in der Zeit von Napoleon für Kunstdenkmäler verwendet. Ein besonderes Beispiel ist hier die Pariser Vendôme-Säule, die Napoleon errichten ließ. Auf deutscher Seite wird in der "eisernen Zeit" diese Idee auch aufgenommen.

Anschaulich und kurzweilig

Raff sprach über sein Thema anschaulich und kurzweilig. Viel Hintergrundwissen lieferte er in im Plauderton gleich mit. Interessant ist auch der Aspekt, warum Material lange eine untergeordnete Rolle zugesprochen bekam: So bewertete beispielsweise Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der Ästhetik lehrte, die Sache so: "In einem wahrhaft schönen Kunstwerk soll der Inhalt nichts, die Form aber alles thun". Dementsprechend galt bei ihm die Architektur am wenigsten, Poesie und Musik am meisten. Auch Johann Wolfgang von Goethe sah Musik als höher zu bewerten als andere Künste. Im zweiten Teil des Abends mit Fragen und Diskussion zeigte sich, dass die Sprache der Materialen bei den Zuhörern zum Nachdenken anregte.

Informationen Thomas Raff: Die Sprache der Materialien - Anleitung zu einer Ikonologie der Werkstoffe, herausgeben vom Waxmann Verlag. ISBN 978-3-8309-1881-3

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