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08. Februar 2012 17:10 Uhr

Neue Musiken

Werke mit besondere Ausstrahlung

 Bei der Veranstaltungsreihe Neue Musiken des Oboisten Christoph Hartmann stand diesmal des Werk von Heinz Hollinger im Fokus. Von Alois Kramer

Christoph Hartmann im Landsberger Stadttheater: Der Musiker gab einen Einblick in das Werk von Heinz Hollinger.
Foto: Alois Kramer

Die „Neuen Musiken“ - Reihe im Stadttheater Landsberg gehört zu den herausragendsten und aufregendsten musikalischen Ereignissen der Lechstadt. Vor wenigen Jahren ins Leben gerufen, haben sie trotz der auf den ersten Blick sperrigen Musik eine stille und treue Fan-Gemeinde gefunden, die kontinuierlich wächst.

Der gebürtige Landsberger Christoph Hartmann, Oboist bei den Berliner Philharmonikern, ist, neben Organisator Edmund Epple, eine der treibenden Kräfte dieser musikalischen Richtung, gleichzeitig auch als Solist Zentrum der Aufführungen.

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Es ist Musik, die das Etikett „modern“ trägt, sich dem Mainstream entzieht, jedoch hörbar ist und sich jedesmal einer besonderen Komponistengestalt widmet. Das waren in den vergangen Jahren der Grieche Nikos Skalkottas (1904-1949) und der zeitgenössische Oboist und Komponist Dirk-Michael Kirsch, Jahrgang 1965. Die neuen Musiken werden jeweils zu Beginn des Jahres geboten, fast wie ein musikalischer Auftakt zum beginnenden Jahr. Am Sonntagabend trat Christoph Hartmann zusammen mit Tamoko Takahashi am Klavier, Edicson Ruiz am Kontrabass und Wolfgang Heininger an der Elektronik unter dem begeisterten Beifall von etwa 160 Zuhörern auf.

Im Fokus des Konzerts stand diesmal der berühmte Schweizer Komponist, Oboist und Dirigent Heinz Holliger.

„Als Oboist ist er der Größte“, wie Christoph Hartmann ihn in seiner Moderation bezeichnete und er schilderte Holliger lebensnah als einen höchst peniblen Musiker, einen Menschen mit ganz besonderer Ausstrahlung, der es geschafft hat, die Oboe als Soloinstrument für die Musik der Moderne zu gewinnen.

Das reizvolle Konzert am Sonntag bot einen interessanten Einblick in das Schaffen dieses Musikers insofern als Stücke aus verschiedenen Schaffens- und Lebensperioden vorgetragen wurden, die ganz unterschiedliche Ansätze Holliger verrieten: Virtuos, experimentell und strukturell. Christoph Hartmann eröffnete den Abend mit der „Sonate für Oboe solo“, die Holliger als Siebzehnjähriger komponiert und 1999 überarbeitet hatte. Hier zeigt sich noch ganz die Freude am Können.

Die Beherrschung des Instruments steht im Vordergrund. Die Oboe wird zum Erzählinstrument. Sie weint, lacht, tanzt, singt, macht Kapriolen und kann aber, wie die „Aria“ des 3. Satzes zeigt auch ganz traurig und elegisch sein. Hartmann beschloss den Abend mit einem sehr ungewöhnlichen, höchst neuartigen Werk aus dem Jahre 1971, der „Cardiophonie für Oboe und 3 Magnetophone“.

Die eigenen Herztöne hören

Während Hartmann die verschiedenen Spielmöglichkeiten der Oboe auslotete, Töne durch Ansaugen der Luft und Blasen zu produzieren, Mehrtönigkeit zu erzeugen oder die Klappen als Rhythmusgeber zu benutzen, waren seine eigenen Herztöne zu hören.

Diese Beats bildeten den Grundrhythmus des Stücks. Aufregend genug, sahen die Zuschauer dann, wie die Partitur es vorschrieb, einen beinahe kollabierenden Solisten auf der Bühne des Stadttheaters. Edicson Ruiz, 1985 in Venezuela geboren und mit 17 Jahren bereits Mitglied der Berliner Philharmoniker, spielte ein ganz wunderbares „Konzert für Kontrabass und Klavier“ Nr. 15 des Komponisten Johannes Matthias Sperger (1750-1812).

Es war erstaunlich, wie dieses Instrument, das ja notorisch im Schatten der anderen Streicher steht, ein Eigenleben entwickelt, wie es einen Klang bekommt, der an den Gesang der Violoncelli erinnert, aber doch ganz eigenständig und faszinierend wirken kann.

Für Ruiz hatte Holliger im Jahre 2010 ein „Preludio e Fuga für Kontrabaß solo“ geschrieben. Es schien hier als löste sich die klassische Struktur Bachscher Prägung in reine Klangteppiche auf.

Die mehrstimmige Fuge war kaum mehr zu erkennen, doch der Charme und Witz, mit der Ruiz spielte, war überwältigend.

Viel Beifall und Bravorufe für diesen besonderen Dialekt, in dem die Musik dargeboten wurde, denn Musik ist vielsprachig, wie Edmund Epple es treffend formulierte.

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