Freitag, 20. Oktober 2017

Landsberg

19. Juni 2017 20:16 Uhr

Riederau

Wie alt ist das Strandbad?

Kioskbetreiberin Michaela Horvat wollte das 50-jährige Bestehen der Anlage in Riederau begehen. Doch der Blick ins Archiv verrät einen anderen Eröffnungstermin. Von Alois Kramer

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So ganz sicher war sich die Betreiberin des Strandbades Riederau, Michaela Horvat, nicht, als sie den 50. Geburtstag der Schwimmanlage auf Plakaten verkündete. „Ein Teil der Badegäste behauptete, das Bad wäre vor 50 Jahren, der andere Teil war felsenfest der Meinung, die Anlage am Ammerseewestufer wäre erst 1968 eröffnet worden“, sagt sie unserer Zeitung. Stephan Widler vom Verschönerungsverein Riederau – immer eine gute Adresse für Nachfragen zur Ortsgeschichte – gab prompt die klare Antwort. Er hatte in alten Dokumenten und Archiven nachgeschaut. Das Freibad in Riederau wurde am 30. Juni 1968 eröffnet.

Michaela Horvat wird das Jubiläum dennoch mit einem Geburtstagsfest am Freitag, 23. Juni, im Strandbad feiern. 50 Jahre hin oder her. Ab 14 Uhr steigt das Fest und ein DJ spielt Hits von den 1970er-Jahren bis heute. Dabei gibt es auch Aktionen wie Kinderschminken und eine Spendentombola. Abends wird am Buffet gespeist.

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Sogar der Landtagspräsident kam zur Eröffnung

Feierlich startete das Bad 1968 mit dem ungewöhnlich gestalteten Kiosk in seine Zukunft. In einer lokalen Zeitung vom Mittwoch, 3. Juli, war unter der Überschrift „Strandbadeinweihung mit prominenten Gästen“ zu lesen: „Der herrliche und wie es sich für eine Strandbad-Einweihung gehört, so strahlend heiße Sommertag dürfte in der Chronik von Riederau ein besonderes Ruhmesblatt einnehmen. Die offizielle Weihe-Feier hat nicht nur geladene Prominenz zur Teilnahme bewogen auch nahezu 1000 Badegäste rings auf den luftigeren Liegewiesen gelagert.“

Selbst Landtagspräsident Dr. Rudolf Hanauer gab sich am Eröffnungstag die Ehre eines Besuches zum Festakt. Da er in Herrsching seinen Wohnsitz hatte, war es für ihn wohl nur ein Katzensprung. Andächtig werden in dem Bericht die Honoratioren aus Kirche, großer Politik und Lokalpolitik bei Namen und Titel genannt. Riederaus Bürgermeister Theodor Seibold blickte in seiner Begrüßung auf die Anfänge des Bades vor 60 Jahren, also 1908, zurück. Der Platz war vor allem als Langholzablage und Floßlände in Benutzung. Lediglich sechs Kabinen standen den Badenden zur Umkleide zur Verfügung. Die Entscheidung zum Bau des Strandbades fiel 1964, mit den Arbeiten begann man dann ein Jahr später.

Den Anstoß zum Bau gab Riederaus damaliger Bürgermeister, der Diplom-Ingenieur Robert Weber. Er konnte die Fertigstellung nicht mehr erleben, er war nämlich Anfang März 1968 verstorben. Die Kosten für das Strandbad beliefen sich auf 573.000 D-Mark, was heute umgerechnet rund 285.000 Euro entspricht. 230.000 Euro sind gegenwärtig für den Dießener Kiosk in den Seeanlagen angesetzt. Allein der Umbau des Kiosks in der Carl-Orff-Schule beläuft sich auf 407.000 Euro, wie jüngst in der Sitzung des Schulverbandes bekannt gegeben wurde – um Vergleichszahlen zu nennen.

Im Sommer sind die Arbeitstage im Bad lang

Mit 230.000 D-Mark beteiligte sich der Staat am Bau des Bades, der Landkreis mit 30.000. Eigenmittel in Höhe von 243.000 D-Mark steuerte die Gemeinde bei. Eine Finanzierungslücke von 13.000 D-Mark blieb übrig. Architekt Heinz Kloepfer, der sich selbst als „Riederauer Lausbub“ bezeichnete, erinnerte bei der Einweihung an das Bad seiner Jugendtage. Bis in die 1960er-Jahre hinein war der Betreiber des Strandbades der Verschönerungsverein Riederau. Ab 1968 hat es die Gemeinde Rieden mit Sitz in Riederau in Verantwortung.

Heute wie am Eröffnungstag vor 49 Jahren strömen an heißen Sommertagen bis zu 1000 Besucher nach Riederau ins Strandbad. Pächterin Michaela Horvat ist fast rund um die Uhr dort. Sieben Tage die Woche, von 9 bis 21 Uhr ist geöffnet. Horvat ist meistens schon um 7 Uhr morgens da und richtet alles für den Ansturm her. Voriges Jahr hatte sie ihre erste Saison. Bis Ende November hielt sie das Bad offen. Freilich konnte dann niemand mehr im Ammersee baden, aber die Terrasse mit ihren 100 Sitzplätze lud zum Verweilen ein. „Die Freischankfläche ist an guten Tagen zweimal komplett belegt“, sagt Horvat.

Nur wenn es in Strömen regnet, sperrt sie die Anlage zu. Selbst wenn es kalt wird, macht sie die Kasse auf. So hatte sie Mitte Februar bereits den Kiosk geöffnet. Offiziell ist das Bad von Anfang April bis Mitte September für Gäste zugänglich. Mit 15 Mitarbeitern „schmeißt“ Michaela Horvat den Laden. Die meisten von ihnen sind geringfügig Beschäftigte. Wenn es aber sein muss, ist die Kioskbetreiberin an allen Stellen zu finden. In der Küche, im Service, an der Kasse. Für die Betreiberin ist das nicht schwierig, denn sie hatte fünf Jahre lang bei den ehemaligen Pächtern des Riederauer Strandbades mitgearbeitet. Die sind jetzt für das Bad von St. Alban zuständig.

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