Dienstag, 21. Mai 2013

01. Mai 2012 18:24 Uhr

1. Mai

Wie man aus zwei Fichten einen Maibaum macht

In Oberwindach kommt der Maibaum am 1. Mai frisch aus dem Wald

Von Dominic Wimmer

Das Brauchtumsobjekt der Begierde ist markiert mit einem roten Pfeil. Noch steht es mitten im Wald. Es ist 6 Uhr morgens mitten im Burgleitenwald nördlich von Windach. Wie jedes Jahr am 1. Mai schlagen die „Maibäumler“ aus Oberwindach ihren Baum selbst. Die Motorsäge heult, zehn Minuten später liegt die Fichte. Allerdings ist der knapp 30 Meter hohe Nadelbaum bei seinem Fall an eine Buchengruppe gestoßen und nach etwa 24 Metern gebrochen. Der Wipfel ist also abgerissen.

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„Drei Jahre lang ist beim Fällen jetzt alles gut gegangen, aber so lange wollten wir den Baum eh nicht“, sagt Hubert Rauschmayr mit einem Achselzucken. Er hat den Maibaum gemeinsam mit Michael Klas und Thomas Mader gefällt und verlastet ihn gerade auf einem Nachläufer. Derweil machen sich Remigius Leimer und Robert Ziegler auf die Suche nach einem neuen Wipfel, der später am Maibaum befestigt wird. Dazu wird noch eine kleinere Fichte gefällt. Mit Spanngurten wird der neue Wipfel am späteren Maibaum befestigt. „Ohne Wipfel fahren wir nicht in den Ort, das wäre nicht schön“, meint Rauschmayr. Auch seine Töchter Claudia und Anja helfen mit. Mit dem Traktor geht es in den Ort. Um 8 Uhr erreicht der Tross Oberwindach.

In der Lindenstraße ist der Aufstellungsort. Während der Baum im Wald geschlagen wurde, wurde das Erdloch, in dem der Maibaum später stehen wird, ausgehoben worden. Nach so viel schweißtreibender Arbeit versammeln sich die Männer und Frauen, rund ein Dutzend Oberwindacher, aber erst mal auf dem Anwesen Hirschauer zur Brotzeit. Denn die eigentliche Arbeit kommt ja erst noch – das Aufstellen.

Seit 1985 stellen die Oberwindacher ihren eigenen Maibaum auf. Besser gesagt, sie stellen ihn wieder auf. Denn Anfang der 50er-Jahre gab es einen Eklat mit den damals noch rivalisierenden Unterwindachern. Während die Oberwindacher damals ihren Baum schon am Abend des 30. April aufstellten und die Maibaumwache ins damalige Gasthaus Hirschauer verlegten und dort sich statt der Aufsicht ihres Baumes immer mehr Bier und Geselligkeit widmeten, rückten die Unterwindacher an und fällten den frisch aufgestellten Maibaum. „Der Baum ist mit einem Getöse neben dem Haus eingeschlagen und hat die Stromleitung gekappt“, berichtet Martin Hirschauer, der damals noch ein kleiner Bub war.

Als das Wirtshaus zumachte, schlief der Brauch ein

Die Schmach war groß in Oberwindach, aber am nächsten Tag wurde gleich ein neuer Baum aufgestellt. Mit der Schließung des Gasthauses Hirschauer in den 70er-Jahren war auch der Brauch mit dem Maibaumaufstellen vorübergehend zu Ende. 1985 ließen due „Maibäumler“ den Brauch wieder aufleben und stellen seitdem jedes Jahr einen auf, diesmal gestiftet von Helge Lindenmüller. Bevor das aktuelle Prachtstück aufgestellt werden kann, muss der neue Wipfel an der langen Fichte befestigt werden. Engelbert Ziegler und Anton Kastl montieren ein Metallrohr an der Spitze der Fichte. Es funktioniert wie eine Hülse und ist das Übergangsstück zwischen Baum und neuem Wipfel. Und dann packen die kräftigen Männer mit den Stangen an. Während sich der Baum immer mehr in die Vertikale bewegt, wird mit einer Rüttelmaschine gleich das Erdreich befestigt. Nach knapp eineinhalb Stunden ist es geschafft – um Punkt 12 Uhr steht der Maibaum. Nach so viel Arbeit gibt es eine Stärkung, die Musikkapelle spielt auf und es gibt ein kühles Bier. Übrigens: Das Oberwindacher Maibaumfest läuft ohne feste Preise ab. Fast jedes Jahr greift ein Schirmherr, diesmal Erich Klas, den Veranstaltern finanziell unter die Arme, während die Besucher für die Leckereien eine Spende entrichten.

Von allen weiteren 30 Maibäumen im Landkreis berichtet das Landsberger Tagblatt in seiner Print-Ausgabe.

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