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02. Dezember 2008 18:50 Uhr

"Wir wollen auch in 15 Jahren noch gesund leben"

Türkheim Gernot Hartwig will nicht orakeln, aber: "Ich habe schon mal in Buchloe auf einer Demo gegen Müllverbrennung gesprochen. Damals ist sie nicht gekommen. Jetzt red' ich halt wieder." Und zwar im Gasthaus Rosenbräu, dessen beinahe voll besetzter Saal beweist, dass das Thema "EBS - Müllverbrennung in neuem Gewand?", das sich auf das geplante Heizkraftwerk der Firma Lang in Ettringen bezieht, nicht nur dem Leiter des Landesarbeitskreises Abfall des Bund Naturschutzes ein Anliegen ist. Hartwig ist überzeugt: "Es gibt keine umweltfreundliche Müllverbrennung. Das ist einfach falsch." Auch wenn man wie die Firma Lang dreckiges Schweröl ersetze, sei das noch lange nicht umweltfreundlich, immerhin handele es sich bei den Ersatzbrennstoffen (EBS) um "den dreckigsten Brennstoff, den es überhaupt gibt".

Selbstverpflichtungserklärung beeindruckt nicht

Was den Standort betrifft, sei es zwar positiv, dass das Kraftwerk auf dem Firmengelände entstehen und somit keine zusätzliche Fläche verbrauchen soll, die Nähe zum FFH-Gebiet in den Wertachauen sieht Hartwig jedoch kritisch. "Unverständlich ist für mich auch die Nähe zum Aushängeschild Bad Wörishofen. Da wären der Landrat, die kommunalen Politiker gefordert und auch die Ärzte sollten deutlicher Stellung beziehen", findet er. Zentraler Punkt seines Vortrages waren die Emissionen. Deren Prognose erscheine zwar plausibel, jedoch davon auszugehen, sie führten nicht zu Beeinträchtigungen sei "Quatsch". Auch von der Selbstverpflichtungserklärung des Unternehmens hält Hartwig nicht viel, "sie sei zwar nett und gut gemeint", doch Sanktionen gebe es im Falle einer Zuwiderhandlung keine. "Mich interessiert nicht, wie viel rauskommen darf, sondern wie viel rauskommt." So wirkten Schadstoffausstöße im Milligramm-Bereich zwar gering, auf die Abgasmenge eines Jahres hochgerechnet ergäben sich daraus jedoch Tonnen. Die genannten Mittelwerte seien eine Verharmlosung, die Grenzwerte Maximalwerte. "Das ist ein politischer Wert, kein Gesundheitswert", so der 62-Jährige.

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Durch die Verbrennung von EBS entstünden Verbrennungsprodukte, deren chemische Zusammensetzung niemand kenne. Viele davon seien zwar harmlos, einige aber sicher auch gefährlich. Dabei betonte Hartwig, dass es ihm nicht um Panikmache gehe. "Aber man muss der Wahrheit ins Auge sehen." Zugleich versicherte er, dass auch die Umweltschützer großes Interesse am Erhalt der Firma Lang hätten, da Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen gleichermaßen gebraucht würden. Allerdings: "Wir wollen auch in 15 Jahren noch gesund leben können."

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