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29. März 2010 19:10 Uhr

Witzig, ironisch und sehr romantisch

Landsberg Wer kennt sie nicht die Geschichte vom Taugenichts? In Erinnerung aus dem Deutschunterricht oder durch den wunderbar romantischen Defa-Film mit Dean Reed in der Hauptrolle, jeder von uns hat seine ganz bestimmte Vorstellung von dieser Geschichte. Die Zuschauer im Landsberger Stadttheater konnten am Wochenende eine neue Interpretation mit dem Schauspieler Gerd Lohmeyer erleben, entstaubt und sehr lebendig.

Der Taugenichts genießt und lebt fröhlich in den Tag hinein. Arbeiten ist nicht sein Ding - doch in der romantischen Geschichte von Joseph von Eichendorff muss er das auch nicht. Ganz wie im Märchen fallen dem Taugenichts, der nur mit seiner Geige ausgestattet, die heimatliche Mühle verlässt und in die Welt zieht, die gebratenen Gänse direkt in den Mund. Sinnbildlich natürlich nur. Also bekommt er Arbeit, Haus, Hof und Frau fast ganz ohne sein Zutun und kann sich dank vieler glücklicher Zufälle über alles freuen und im langen Morgenmantel den Dingen, die noch kommen, beruhigt entgegenblicken.

Gerd Lohmeyer bot im Landsberger Stadttheater eine ganz besondere Vorstellung von Eichendorffs Novelle. Rückblickend, so scheint es, erzählt er aus seinem Leben und spielt den "jungen" Springinsfeld auf der Bühne so lebendig und voller unschuldiger Zuversicht, dass man sich als Zuschauer einfach in die Geschichte hineinfallen lassen muss.

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Man entschwebt so mit dem 64-jährigen Darsteller rund eineinhalb Stunden in die märchenhafte Welt der Romantik. Alles ist möglich, wenn man nur daran glaubt. So wird wie von Zauberhand die Bühne, die aus einem Tisch, einer Tür und einem Stuhl besteht, zu einer Vielzahl von Szenarien. Unversehens wird so der Stuhl zum Kutschbock, der Tisch zu einem Hügel Roms und ein Blatt Schreibpapier (fantasievoll gestaltet) zum Blumenstrauß für die angebetete Aurelie, die den Taugenichts in Form der Schauspielerin Berta Rieder mit musikalischen Mitteln in ihre Arme treibt. Sie spielt und singt im Hintergrund und ist bei ihren kleinen Auftritten doch der Mittelpunkt der dargestellten Szenen. Witzig und ironisch, traurig und zugleich humorvoll.

Wunderbare Interpretation

Gerd Lohmeyer gelingt eine wunderbare Interpretation dieser Geschichte, die den meisten Zuschauern noch aus dem Deutschunterricht in ihrer Schulzeit in Erinnerung ist. Hier kommt sie erfrischend und doch authentisch daher - ein Abend, der die Zuschauer in romantische Stimmung versetzt und begeistert.

Es ist einfach schön, dem vermeintlichen "Taugenichts" zuzuschauen, wie er unbedarft und voller Hoffnung auf die Menschen zugeht. Ganz so nutzlos, wie es scheint, ist er zudem nicht, er bezaubert die Menschen durch sein Geigenspiel und seine offene und vertrauensvolle Art. Gaben, die sein Vater, ein bodenständiger Müller, allerdings wenig schätzte und ihn so in die weite Welt schickte.

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