Das Thema Altenpflege beschäftigt gerade nicht nur den Landsberger Stadtrat, sondern auch Experten. Neue Struktur sollen gegen das Millionendefizit helfen. Von Dieter Schöndorfer

Ist die Altenpflege im Heilig-Geist-Spital noch zeitgemäß, wirtschaftlich und angesichts modernster Konkurrenzeinrichtungen überhaupt noch wettbewerbsfähig? Diese Frage klärt derzeit der Stadtrat unter Zuhilfenahme von Pflegefachleuten und weiteren Experten der verschiedensten Disziplinen. Angesichts eines Millionendefizits, das sich in den vergangenen Jahren angesammelt hat, sollen Änderungen in der Ausrichtung des Hauses vorgenommen werden. Allerdings, und daran ließ Oberbürgermeister Ingo Lehmann keinen Zweifel, sollen die Aufgaben „Wohnen“, „Betreuung“ und „Pflege“ erhalten bleiben, in der Zukunft aber nachhaltig, zeitgemäß und damit wirtschaftlich fundiert.
Das Heilig-Geist-Spital wurde einst von seinen Erbauern für einen ganz anderen Zweck konzipiert und genutzt. Heute ist das ehemalige Jesuitenkolleg aber ein Pflegeheim, das inzwischen ein jährliches Defizit von beinahe einer Million Euro verzeichnen muss. Allerdings, und dies bemühte sich OB Ingo Lehmann zum wiederholten Mal klarzustellen, sei beinahe die Hälfte der Summe, nämlich rund 400000 Euro, allein dem Umstand geschuldet, dass Pflege in einem historischen Gebäude betrieben werde. Bauunterhalt, Sanierungskosten, Energiekosten sind dabei nur drei Gründe dafür. Dazu komme, dass im Spital drei Pflegekräfte mehr beschäftigt sind, als durch die Pflegesätze refinanziert werden könnten (rund 120000 Euro).
Tarifbezahlung der Pflegekräfte ist politischer Wille
Schonungslos offen sprach Dieter Schmied vom kommunalen Prüfungsverband aus Sicht des externen und neutralen Analysators das Tarifgefüge der Pflegekräfte an: „Die Vergütung ist überdurchschnittlich hoch“ resümierte er und bezog sich dabei auf die Bezahlung nach Tarifvertrag im Öffentlichen Dienst (TVÖD) und die Altersstruktur im Mitarbeiterkreis: „Das kann nur durch jüngere und damit billigere Kräfte gesenkt werden.“ OB Lehmann hielt dagegen: „Das ist eine klare Position von uns, unser erklärter politischer Wille.“ Man müsse vielmehr froh sein, dass diese „Pflegeprofis“ unter solch schwierigen Umständen eine hervorragende und auch in der Bevölkerung und von den Angehörigen sehr wertgeschätzte Arbeit verrichten.
Die restlichen 400000 Euro des Defizits, die der betrieblichen Situation zuzurechnen seien, könnten laut Dieter Schmied durch eine Neuorientierung abgebaut werden. Diesen neuen Weg stellte der Unternehmensberater Joachim Vetter, selbst gelernter Krankenpfleger, in verschiedenen Varianten vor. Dabei schlägt er nach erfolgter Standortanalyse eine stationäre Pflegeeinheit mit 30 Betten vor, eventuell ergänzt durch Kurzzeit- oder Tagespflege, untergebracht in einem noch zu bauenden ebenerdigen Altenpflegeheim – möglicherweise in Richtung des angrenzenden Jesuitengartens. Mehr zu diesem umfangreichen Thema lesen Sie in der Printausgabe des Landsberger Tagblatts.
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