Landkreis Der Einbruch der Gewerbesteuer schwebte in Zeiten von Finanz- und Wirtschaftskrise wie ein Damoklesschwert über den Kommunen. Drastische Auftragsrückgänge, Firmeninsolvenzen oder Kurzarbeit ließen dunkle Wolken am Haushalts-Horizont aufziehen. Doch nun scheinen die Konsequenzen nicht ganz so drastisch auszufallen. Im Gegenteil: Täglich mehren sich die Meldungen, dass es mit der Wirtschaft aufwärts geht (»Seite 1) und damit die Gewerbesteuer in vielen Gemeinden die vorsichtig formulierten Ansätze in den Haushalten bereits überschritten haben oder noch überschreiten werden. Stimmen aus dem Landkreis:



Landsberg Die Kreisstadt hat den schon einmal korrigierten Ansatz erneut übertroffen. Sprach Kämmerer Manfred Schilcher einst von 16 Millionen Euro, so zog er später den Erwartungshorizont auf 18 Millionen hoch. Der wurde nun im September überschritten.
Vilgertshofen In der südlichen Landkreisgemeinde berichtete Bürgermeister Konrad Welz, dass man bei der Einkommen- und der Gewerbesteuer heuer 200 000 Euro mehr erwirtschaftet hat als bisher gedacht. Dadurch müsse die im Haushalt veranschlagte Kreditaufnahme nun wohl doch nicht in Anspruch genommen werden.
Kaufering Auch in der drittgrößten Kommune des Landkreises fallen die Steuereinnamen höher aus - vor allem deshalb, da man die Hebesätze erhöht hatte. Beim Haushaltsansatz habe man heuer mit mehr Gewerbesteuereinnahmen gerechnet, als es am Ende sein werden - Kämmerer Winfried Plaß rechnet mit rund 4,5 Millionen Euro. Doch obwohl der Ansatz 2010 damit nicht ganz erreicht werde, wird das Gewerbesteuerergebnis etwa doppelt so hoch sein wie das aus 2009.
Prittriching Ganz im Norden des Lechraingebiets kann man das Haushaltsjahr nicht ohne Kredite schultern, wie Geschäftsstellenleiter Bernd Zeisberger berichtet. So habe man bereits über eine Anhebung der Grundsteuer A und B sowie der Gewerbesteuer nachgedacht.
Denklingen Von "fetten" Haushaltsjahren, als die Gemeinde Denklingen drei bis fünf Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen zu verzeichnen hatte, kann man heute nur träumen. Für 2010 hatte man nur noch 255 000 Euro angesetzt. Ob es nun doch mehr werden, kann Geschäftsstellenleiter Johann Hartmann nicht sagen: "Wir müssen abwarten, bis die Steuerbescheide kommen." Allerdings warte man jeden Tag darauf, dass noch Steuerbescheide - vor allem der des größten Denklinger Unternehmens, das 95 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen ausmache - den Briefkasten der Verwaltung erreichen.
Fuchstal Im Haushalt waren ursprünglich 210 000 Euro veranschlagt, jetzt stehen die Gewerbesteuereinnahmen schon bei 286 000. "Wir sind zufrieden", meint Kämmerer Gerhard Schmid. Er rechnet damit, dass die Summe am Jahresende bei mindestens 330 000 Euro liege. Allerdings seien die Auswirkungen der Krise vielerorts erst 2009 richtig angekommen, sagt Schmid, das ja Berechnungsgrundlage für die Gewerbesteuer sei.
Weil Die Gemeinde Weil hat ein Sonderjahr, so Kämmerer Gerhard Geisler. Im Vergleich zu früheren Haushaltsansätzen in der Größenordnung von etwa 400 000 Euro sei der aktuelle mit 3,3 Millionen deutlich höher gewesen. Grund: Ein ortsansässiges Unternehmen, das laut Geisler vor allem projektbezogen arbeitet, hatte einen sehr hohen Gewinn. Aber auch ohne diese große, außergewöhnliche Summe liege die Gewerbesteuer derzeit schon 50 000 Euro über dem Vorjahresergebnis.
Pürgen Während in vielen Gemeinden vorsichtiger Optimismus herrscht, sagt der Pürgener Kämmerer Reimund Hohenauer, dass es in seiner Gemeinde "nicht so gut aussehen wird". Im Haushalt seien 900 000 Euro eingeplant gewesen, derzeit liege man bei nicht einmal 750 000 Euro. Er bezweifle stark, dass die Gesamtsumme bis Jahresende 800 000 Euro erreiche. "Die schlechten Ergebnisse aus 2008 wirken sich wohl jetzt richtig aus."
Dießen: Auf ein überaus gutes Jahr wird Bürgermeister Herbert Kirsch zurückblicken können. Elf Wochen vor dem Jahresende rechnet der Rathauschef damit, dass aus den vorsichtig angesetzten 1,2 Millionen Euro rund zwei Millionen Euro werden dürften. Auch in Dießen wirkt sich die Erhöhung des Hebesatzes von 300 auf 380 Prozent aus.
Windach Das veranlagte Soll beläuft sich laut Kämmerer Reinhold Vögele heuer auf 1,7 Millionen Euro, fast das Dreifache des Haushaltsansatzes von 650 000 Euro. Ob das Geld am Jahresende tatsächlich in der Kasse ist, ist freilich nicht sicher. Bis zu 200 000 oder 300 000 Euro weniger könnten es aufgrund von Änderungs- und Berichtigungsveranlagen schlechtestenfalls sein. In Eresing und Finning, den beiden anderen Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft, entwickelt sich die Gewerbesteuer bescheidener. In Finning liegt das veranlagte Soll mit 507 000 Euro sogar deutlich unter den zu Jahresbeginn geschätzten 650 000 Euro. In Eresing werden jetzt 504 000 Euro erwartet, 84 000 Euro mehr als zunächst kalkuliert. (ger/has/loet/hön)
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