Geltendorf Nach einem Wochenende vollgepackt mit Veranstaltungen, Feierlichkeiten und Festakten dürfte der eine oder andere Geltendorfer und Schaidter reif für die Insel sein. Zwei Tage lang, beinah rund um die Uhr, haben die beiden Gemeinden in Geltendorf das 40-jährige Bestehen ihrer Patenschaft gefeiert und gezeigt, dass diese Patenschaft nicht nur auf dem Papier besteht, sondern in den Häusern, von den Menschen gelebt wird.
Was dabei mit am meisten beeindruckte und bei allen Veranstaltungen ersichtlich war, ist die bunte Mischung von Alt und Jung, die sich in allen Bereichen, vom Sport bis zur Religion, verbrüdert. Mehr als 300 Pfälzer aller Altersstufen waren am Freitag Nachmittag mit Bussen und Privatautos angerückt und feierten das Wiedersehen mit ihren bayerischen Freunden am selben Abend im restlos besetzten Festzelt.
Das eigens für das Partnerschaftsjubiläum arrangierte Lied "Freundschaft" erlebte an dem Abend, von Bayern und Pfälzern gemeinsam gesungen, seine Uraufführung. Das Fußball-Freundschaftsspiel des TSV Geltendorf gegen den TUS 08 Schaidt am Samstagnachmittag erinnerte daran, dass die Fußballer beider Orte es waren, die diese Patenschaft initiiert hatten. Fast gleichzeitig sorgte der mitgereiste, vielköpfige Spielmannszug aus Schaidt beim Alten Wirt für Begeisterungsstürme.
Der Samstagabend im wiederum voll besetzten Festzelt mit vielen Besuchern, die sich mittels T-Shirt-Aufdruck "Isch bin ään Schäädt" als Pfälzer outeten, gehörte den Vereinen beider Orte, und die hatten sich im Vorfeld mächtig ins Zeug gelegt. Das Programm am pfälzisch-bayerischen Abend, durch das auf Geltendorfer Seite Christian Scheifele mit viel Witz und Humor führte, war flott, würzig, unterhaltsam und konnte es mit jedem professionellen Kabarett aufnehmen. Und das Beste daran: Bayern und Pfälzer gingen bei den Sketchen nicht getrennte Wege, sondern vermischten sich und waren höchstens an der Sprache als Geltendorfer oder Schaidter zu identifizieren. Chor, Volkstanz, Theater, Karneval - die Höhepunkte reihten sich nahtlos aneinander, die Zuschauer unterhielten sich prächtig und ließen sich gern zum Mitmachen animieren, feierten beispielsweise den Trachtenverein Geltendorf bei seinem Schuhplattler mit vielen Juchzern.
Sogar das königlich-bayerische Amtsgericht tagte, mit Pfälzer Beteiligung, auf der Bühne im Festzelt. Die "Gründung einer verbotenen Vereinigung" hatten Richter und Staatsanwalt ausgemacht, und dafür mussten Bürgermeister Wilhelm Lehmann (Geltendorf) und Ortsvorsteher Kurt Geörger (Schaidt) auf die Anklagebank. "Sie wollen den Status von 1806 wieder herstellen und Bayern und Pfalz verbünden", tadelte der Richter die beiden Angeklagten. Wichtigstes Beweismittel: Eine Fahne mit den Wappen der beiden Gemeinden und dem Aufdruck "Königreich Bayern-Pfalz", aufgespürt vom "FBI" = "Fiese Beamteninspektion". "Horst Schlämmer" tauchte auf, im Schlepptau "die Frau Pauli", die natürlich Werbung für ihre "Gabi-Partei" machte. "Prinzessin Semoline" schickte bei "Wetten dass" die beiden Gemeindeoberhäupter durch die Besucherreihen.
Mindestens zehn Sänger aus dem jeweils anderen Ort sollten Wilhelm Lehmann und Kurt Geörger zum Mitmachen animieren. Natürlich verlor die Prinzessin ihre Wette und ihr Hofstaat legte als Einsatz eine heiße Nummer auf die Bühne, nach der das ganze Zelt tobte und stürmisch "noamol" forderte. Das hörten auch die Gangster und Terroristen nach ihrer verrückten Mülltonnennummer. Mit "DSDS" und einer verzweifelten Suche nach dem perfekten Spielmannszug ging der bayerisch-pfälzische Abend zu Ende.
Höhepunkt am Sonntag war die Einweihung des "Schaidter Platzes" vor dem Alten Wirt. Der Tag begann mit einem Festgottesdienst in der Kirche "Zu den Heiligen Engeln", zelebriert von Professor Dr. Dr. Peter Vrankic gemeinsam mit Diakon Andreas Roth aus Schaidt und musikalisch umrahmt von Kirchenchor und Männergesang aus Schaidt. Danach formierte sich ein alle Rahmen sprengender Festzug, der sich, angeführt vom Spielmannszug aus Schaidt, von der Schulstraße zum Alten Wirt bewegte, wo das nagelneue Schild "Schaidter Platz" bereits auf seine Enthüllung wartete. "Bekannte Plätze in den Großstädten dieser Welt sind uns nicht so wichtig wie dieser Platz", sagte der ehemalige Geltendorfer Pfarrer Schneider bei der Segnung, "weil dies ein Platz der Freundschaft ist. Hier ist alles wie in einem Brennpunkt gebündelt."
Am Schaidter Platz schnell mal was trinken
Geltendorfs Bürgermeister Wilhelm Lehmann erklärte, der Schaidter Platz in Geltendorf solle die Freundschaft der beiden Orte auch nach außen prägen. Der Schaidter Ortsvorsteher Kurt Geörger dankte den Geltendorfern sichtlich gerührt für die Namensgebung und die Freundschaft und Zuneigung, die die Schaidter hier immer wieder erfahren dürften. "Wenn in Zukunft meine Frau fragt, wo ich schon wieder herkomme, dann kann ich sagen 'Ich war kurz am Schaidter Platz was trinken'."
Bei uns im Internet
Weitere Bilder von den feiern in Geltendorf finden Sie unter
landsberger-tagblatt.de/bilder
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