Landsberg (mm) - In gewisser Weise kann der Bezirksoberligist TSV Landsberg Parallelen zum großen FC Bayern München ziehen: Im entscheidenden Moment schwächelt man und verpasst den Sprung an die Tabellenspitze. Doch im Gegensatz zu Jürgen Klinsmann hat die Niederlage für TSV-Coach Jochen Frankl keine Auswirkungen. "Wir sind ja mit ganz anderen Vorzeichen in die Saison gegangen", so Frankl, auch wenn ihn die unglückliche 1:2-Niederlage gegen Kaufbeuren natürlich immer noch wurmt.
Dass Klinsmann seinen Platz nun räumen musste, überrascht Frankl nicht so sehr. Nach der Niederlage gegen Schalke hatte er eigentlich damit gerechnet. Überrascht war Frankl hingegen vom Nachfolger, denn mit Jupp Heynckes hatte er nicht gerechnet. "Klinsmann ist jemand, der moderner, jünger ist und Heynckes steht nicht für so was." Seiner Meinung nach hätten die Verantwortlichen bei Bayern nun aber jemanden präsentieren müssen, der einen Namen hat, allein schon um sich selbst abzusichern, sollte es nichts werden mit dem Meistertitel.
Ob es die Bayern noch schaffen? Frankl ist sehr vorsichtig. "Hintenraus ist es immer eine Nervensache, aber die Bayern haben erfahrene Spieler. Ich glaube ja, sie werden Meister."
Das würde auch Herbert Haim, Trainer des TSV Schondorf dem FC Bayern wünschen - und das, obwohl er eigentlich Löwen-Fan ist. Allerdings sieht er nicht nur Klinsmann für die schwankenden Leistungen der Bayern verantwortlich. "Im Kader sind einige Spieler, die meiner Meinung nach des FC Bayerns nicht würdig sind", so Haim.
Mit Klinsis Nachfolger kann sich Haim so gar nicht anfreunden: "Das Heynckes die Ideallösung ist, kann ich mir gar nicht vorstellen." Dass Problem sei der Kader, doch da müsse sich der FCB "selbst an die Nase fassen".
Zwiegespalten ist Frank Fastl, stellvertretender Abteilungsleiter beim MTV Dießen und Mitglied im Dießner FC-Bayern-Fan-Club. "Einerseits ist der Druck von den Fans so groß geworden, dass man Klinsmann nicht hätte halten können, auch wenn Bayern Meister wird, andererseits hätte es mich schon interessiert, ob die Umsetzung seiner Vorstellungen noch klappt."
Über die Personalie Heynckes hat er sich doch sehr gewundert, allerdings ist Fastl noch gut in Erinnerung, wie schwer Uli Hoenes 1991 die Kündigung von Heynckes gefallen ist. "Vielleicht ist das so eine Art Wiedergutmachung für die damalige Entlassung." Denn wer auf der Bank in den restlichen Spielen sitzen wird, ist Fastls Meinung nach nicht so wichtig. "Der Brandherd Klinsmann musste weg", ist seine Ansicht, vor allem, nachdem er am vergangenen Samstag die Fans im Stadion beobachtet hatte.
Natürlich hofft er als Fan, dass Bayern noch Meister wird, doch gleichzeitig räumt er ein, dass man es nach der schlechten Saison eigentlich nicht verdient hätte. "Andererseits ist es ein Armutszeugnis für die Liga, dass Bayern trotz allem immer noch um den Titel spielen kann."
Dass die meisten Mitglieder abends feiern werden, davon war Richard Heigl, Vorsitzender des Bayern-Fan-Clubs in Weil, überzeugt. Schließlich habe Klinsmann zu seinen Zeiten bei der Nationalmannschaft zwei Bayern-Ikonen zerstört: Torhüter Oliver Kahn und Torwart-Trainer Sepp Maier. "Das kann nicht gutgehen", so Heigl. Außerdem sei bei vielen Spielern im Vergleich zum Vorjahr ein plötzlicher Leistungsabfall zu verzeichnen gewesen. Ob Jupp Heynckes nun der richtige Mann ist, "das weiß ich nicht", sagt Heigl, doch er vermutet, das dies auch nur eine Übergangslösung sein wird. Die Hoffnung, dass Bayern noch den Titel holt, ist jedenfalls immer noch da.
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