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Wenn ein Historiker in hundert Jahren einmal auf das Bayern unserer Tage zurückschaut und kurz zusammenfassen soll, worum es damals im Leben gegangen ist, wird der vielleicht antworten: ums Kaufen und Verkaufen Von Josef Karg

Ja, Tatsache ist doch: Es lässt sich heute – abgesehen vom ewigen Leben – fast alles kaufen, sogar das Wetter. Oder besser gesagt: dessen Name.
Früher war das klar geregelt. Ein Hoch bekam einen Männervornamen und ein Tief den einer Frau. In Zeiten der Gleichstellung durfte das natürlich nicht mehr sein. Heute kann man Wetternamen sogar gegen Bares buchen. Und das Hoch, das uns seit Tagen mit einer Saukälte traktiert, heißt Cooper.
Pate stand aber nicht der Gary, sondern der Mini, ein sportiver Kleinwagen aus dem Hause der Bayerischen Motorenwerke. Was so ein Auto mit sibirischem Wetter zu tun hat, ließ die Marketingabteilung von BMW bisher offen. Vielleicht wird der Mini ja bei minus 20 Grad zum Schneetiger. Gute Werbung war es angesichts der Opfer der Kältewelle nicht.
Der mittlerweile eher virtuelle Mensch ist den Megafrost (so heißt das jetzt) nicht mehr gewohnt und stellt überrascht fest, dass er einen Körper hat, der frieren kann. Darum geben Zeitungen Ratschläge, wie man sich behelfen kann. Da sind dann Tipps zu lesen wie dieser: Ziehen Sie sich warm an!
Das kann in keinem Fall schaden. Auch wenn der Daunenanorak gegen ein anderes Kennzeichen unserer Zeit wie Kaltherzigkeit oder Gefühlskälte nichts ausrichten kann. Ist aber nicht so schlimm: Die soziale Kälte spüren wir eh schon lang nicht mehr.
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