Der Mensch wird nicht klüger. Das gilt besonders für den Menschen als Anleger. Das hat erneut die US-Bank JPMorgan bewiesen, wo Mitarbeiter zwei Milliarden Dollar verzockt haben. Von Stefan Stahl

Der Mensch wird nicht klüger. Das gilt besonders für den Menschen als Anleger. Eine vage Aussicht auf Gewinn lässt bei vielen die angeborenen Schranken der Angst fallen. Wenn Dollarzeichen in den Augen glänzen, ist es zu spät.
Die Vernunft wurde längst mit einem Schalter, den die Aufschrift „Gier“ ziert, ausgeknipst. Das Schicksal nimmt seinen Lauf oder, wie es Mahatma Gandhi sagte: „Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt.“ In dieser Tradition haben Investmentbanker des US-Hauses JPMorgan gehandelt, als gäbe es die Finanzkrise nicht, als befänden sie sich im Zustand kuscheliger Unschuld. Doch seit dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers im Jahr 2008 müsste der Sündenfall der Anlagebranche allen Bankern wohlbekannt sein.
Der Sündenfall besteht etwa darin, Menschen, die zu wenig Kapital haben, Häuser zu verkaufen und damit Immobilienkredite anzudrehen, die sie nie zurückzahlen können. Um den Wahnsinn komplett zu machen, wurden dergleichen Geschäfte, gebündelt zu Finanzprodukten, weltweit verkauft, was eine Vergiftungswelle auslöste.
Mitarbeiter von JPMorgan konnten im Wissen um die Folgen solchen Handelns trotzdem der Versuchung nicht widerstehen, mit synthetischen, eben toxischen Finanzprodukten zu spekulieren. Die Macht der Droge war stärker als der Verstand. Den Hasardeuren kann man neben dem Strafrecht am besten philosophisch mit dem spanischen Autor George Santayana kommen: „Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“
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